„Mehr Transparenz bei Holz-Hybrid-Bauweisen schaffen“

Nachhaltigkeit ist auch im Bausektor ein großes Thema. Holz-Hybrid-Bauweisen werden daher sowohl bei gewerblichen als auch bei Wohnungsbauten häufiger nachgefragt. Während die „grünen“ Eigenschaften von Holz Bauherren und Nutzer begeistern, gibt es hinsichtlich der Risikoabsicherung teils Bedenken. Zusammen mit der Koalition für Holzbau will Aon hier aufklären und Brücken bauen, betonen Matthias Käthe, Head of Construction und Hartmut Thevis, Director Advocacy Construction bei Aon.

Was macht Holz-Hybrid-Bauweisen so interessant?

Matthias Käthe: Gefragt sind Wege, wie Gebäude energieeffizienter, umweltfreundlicher und CO2-arm errichtet werden können. Als nachhaltiger Baustoff rückt hier Holz verstärkt in den Fokus. Ein Kubikmeter Holz speichert in Gebäuden etwa eine Tonne CO2. Zudem ist Holz ein nachwachsender Rohstoff, sodass durch Nachpflanzungen wiederum CO2 aus der Atmosphäre gezogen wird. Viele mögen Holz auch deshalb, weil es die Gebäudeoptik verschönert und das Raumklima verbessert. Charakteristisch für Holz-Hybrid-Bauweisen ist nicht nur der Einsatz von Holz bei Dachaufstockungen und Fassadenelementen, sondern gerade auch im Gebäudekern durch die Kombination beider Baustoffe auch bei tragenden Bauelementen.

Aus welcher Intention heraus ist Aon jüngst der „Koalition für Holzbau“ beigetreten?

Matthias Käthe: Speziell bei Holz-Hybrid-Projekten beobachten wir in einem ohnehin schwierigen Marktumfeld teilweise nicht nachvollziehbare Berührungsängste auf Seiten einiger Risikoträger, die in Einklang zur Realität gebracht werden sollten. Das ist umso erstaunlicher, wenn man berücksichtigt, dass auch diese Versicherer sich ESG-konforme Strategien auferlegt haben. Versicherer übernehmen als Risikoträger eine elementare Funktion, weil sie Unternehmen durch den Risikotransfer erst ermöglichen, neue Wege zu beschreiten. Daher überraschen uns die teils sehr massiven Berührungsängste bei Holz-Hybrid-Projekten. Fehlt es aber an tragfähigen Versicherungslösungen, bleiben Projekte unrealisierbar, obwohl es weder an guten Finanzierungsbedingungen noch an ausreichendem Holzangebot oder Käuferinteresse mangelt. Deshalb wollen wir mit der Koalition für Holzbau diese Hürden, die man dort ebenfalls identifiziert hat, gemeinsam überwinden.

Hartmut Thevis: Bei Aon Construction konzentrieren wir uns mit unserem 25-köpfigen Spezialisten-Team auf die Risiken unserer Kunden aus deren Bauaufgaben und sind marktführend bei der ganzheitlichen Beratung und optimalen Absicherung von komplexen Bauvorhaben. Dies geschieht in Deutschland und Österreich dezentral von verschiedenen Standorten aus. Gemeinsam mit den von der Koalition für Holzbau vereinten Experten, sei es aufseiten der Hersteller, Bauunternehmen oder Planer, können wir die wichtige Aufklärungsarbeit bei Versicherern leisten.

Womit erklären Sie die Berührungsängste?

Hartmut Thevis: Das ist oft etwas diffus. Bedenken gab es teils hinsichtlich der Brennbarkeit von Holz bei einem Brandausbruch. Den Versicherern konnten diese Bedenken inzwischen genommen werden, da das am Bau eingesetzte Holz bei weitem weniger brennbar ist, als man anfangs befürchtete. Dafür besteht nun die Sorge, dass Schäden aus Witterungs- oder Leitungswasser im Vergleich zur klassischen Massivbauweise zu viel höheren Schäden und anschließenden Ausfallzeiten führen.

Wie ist die Situation nach einem Schadenfall?

Hartmut Thevis: Einige Versicherer führen eine erhöhte Schadenbelastung ins Feld, ohne dass sie dies mit konkreten Schadenfällen untermauern. Schaut man dann genauer rein, stellt man schnell fest, dass hier sehr individuelle Einzelfälle vorliegen, die keinesfalls auf das Spektrum im Holzbau übertragen werden können und bei denen ungewöhnliche „Anfängerfehler“ gemacht wurden. Wir wiederum sehen bei unseren Kunden ein hohes Risikobewusstsein und die Bereitschaft, in effektive Schutzmaßnahmen zu investieren, die über das im Massivbau übliche Maß weit hinausgehen. Genau das sind aber die Themen, über die wir mit den Risikoträgern sprechen wollen. Wir sehen keinen Grund, den Versicherungsschutz gänzlich zu verweigern oder die Anforderungen derart hochzuschrauben, dass den Bauherrn hieraus existenzbedrohende Risiken erwachsen würden.

Wie wollen Sie zwischen den Beteiligten eine Brücke bauen?

Matthias Käthe: Wir denken aus verschiedenen Gesprächen mit den Versicherern, unseren Kunden und innerhalb der Koalition für Holzbau, dass viele Bedenken aus der Anfangsphase dieses Bautrends stammen. Zusammen mit allen Beteiligten wollen wir daher festlegen, welche Risiken denn bei welcher Art von Bauweise überhaupt besonders exponiert sind, welche Spielregeln beim Einsatz von Holz als Baustoff zu beachten sind und welche technischen Grundregeln aus Sicht eines Risikoträgers festzulegen sind. Schließlich haben alle dasselbe Ziel: Schäden weitestgehend vermeiden und mögliche Schadenfolgen minimieren. Über Workshops führen wir einen Dialog über Qualitätsstandards in der Projektentwicklung und zielgerichtete Risikoanforderungen seitens der Versicherer.

Worauf kommt es dabei besonders an?

Hartmut Thevis: Das Wichtigste ist, eine größtmögliche Transparenz zu schaffen. Da die Holzbauteile in Fabriken vorgefertigt, dann auf die Baustelle transportiert und erst dort eingebaut werden, muss über den gesamten Transportweg ein durchgehend hoher Schutzstandard geschaffen werden. Ebenso sollten auf der Baustelle Präventionsmaßnahmen von der Montage bis zum fertigen Gebäude ergriffen werden. Die Transparenz ist der entscheidende Schlüssel, um gemeinsam Holz-Hybrid-Projekte realisieren zu können. Denn eines klar ist: Mit diesen Bauobjekten können auch Versicherer ihren Nachhaltigkeitskurs bekräftigen.

ESG

Regierungen, Unternehmen und Zivilgesellschaften stehen vor immer größer werdenden Herausforderungen: Sie alle sind aufgefordert, ihr Handeln so auszurichten, dass ein menschenwürdiges Leben überall auf der Welt möglich ist und die natürlichen Lebensgrundlagen dauerhaft bewahrt werden. Diese Handlungsmaxime umfasst ökonomische, ökologische und soziale Aspekte, auch bekannt als die sogenannten ESG-Kriterien.

ESG, das ist der Dreiklang aus Environment (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (verantwortungsvolle Unternehmensführung).

Der Bereich Environment beinhaltet Themen wie Umweltschutz, Energieeinsparung oder Entsorgung und Recycling.


Der Faktor Social beschäftigt sich unter anderem mit Chancen- und Lohngleichheit, sozialem Engagement oder der Einhaltung von Menschenrechten.


Governance legt den Fokus auf Transparenz und eine nachhaltige Unternehmensführung, unter anderem auch in der Finanzierung.

Nachhaltigkeit betrifft heute also nicht nur Umweltaspekte, sondern wird weitaus breiter gedacht.

 

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