Mehr Liquidität durch den Transfer von Bürgschaften schaffen

Rohstoffmängel, massive Preissteigerungen und mehr als zwei Jahre Pandemie drücken auf die Finanzkraft vieler Unternehmen. Im Fokus liegen daher die Schaffung und Sicherung der betrieblichen Liquidität. Der Transfer von Bürgschaften aus dem Banken- in den Versicherungsmarkt eröffnet hier einen einfachen, aber wenig beachteten Weg. „Das wollen wir ändern“, sagt Kai Stötzel, Head of Surety DACH bei Aon Germany, „und Unternehmen die Möglichkeiten vorstellen.“ Denn die Vorteile sind vielfältig, auch auf globaler Ebene.

Die deutsche Wirtschaft leidet unter dem anhaltenden Rohstoffmangel. Wie stark belastet das die Finanzkraft von Unternehmen?

Kai Stötzel: Viele Unternehmen der produzierenden Wirtschaft haben volle Auftragsbücher. Die Aufträge können aber nicht abgerufen werden, weil es an bestimmten Rohstoffen oder Komponenten fehlt. Charakteristisch hierfür ist der anhaltende Chipmangel, der nicht nur die Automobilwirtschaft ausbremst. Die hieraus resultierenden Umsatzeinbußen belasten erheblich die Finanzkraft und Liquidität der betroffenen Unternehmen. Mit einer Besserung der Lage ist auch mit Blick auf die Rohstoff- und Energiepreise nicht so schnell zu rechnen.

Wie wirken sich die Preissteigerungen aus?

Kai Stötzel: Ein Energiehändler zeigte mir jüngst anhand eines Preischarts auf, dass die Energiepreise in den zurückliegenden zwölf Monaten um über 400 Prozent gestiegen sind. Das gilt nicht nur für einzelne Märkte, sondern in der Breite des Rohstoff- und Energiesektors. Für Unternehmen kommt es darauf an, inwieweit sie diese Preissteigerungen an ihre Kunden weitergeben können. Oft ist das nur zu einem Teil der Fall, während gleichzeitig die Unsicherheit darüber wächst, wie sich die Preise zukünftig weiterentwickeln werden. Das Ganze spielt sich im dritten Jahr der Pandemie ab, sodass alle Register zur Liquiditätsbeschaffung gezogen wurden, angefangen bei der Lagerhaltung bis hin zum Forderungsmanagement. Folglich brauchen viele Unternehmen dringend wieder finanzielle Luft zum Atmen.

Was bedeutet das in der Konsequenz?

Kai Stötzel: Unternehmen geht es darum, finanzielle Freiräume zu erhalten. Dabei sollen bestehende Kontokorrentlinien bei den Banken nicht durch Bürgschaften blockiert werden, sondern für das working capital reserviert bleiben. Schließlich hat die Liquiditätssicherung zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs Priorität. Bei der Suche nach Alternativen denken viele Unternehmen nicht an den Versicherungsmarkt. Dabei bietet der Markt einfache Lösungen, mit denen sich Fremdfinanzierungen ohne zusätzliche Belastungen auf mehrere Beine stellen lassen. So können die Risiken gerade vor dem Hintergrund künftig vermutlich ansteigender Zinsen sinnvoll verteilt und die Abhängigkeit von einzelnen Kreditgebern verringert werden.

Was empfehlen Sie konkret, Herr Stötzel?

Kai Stötzel: Unternehmen können Bürgschaften von den Kontokorrentlinien ihrer Banken lösen und sie einfach in eine Kautionsversicherung einbringen. Ein Beispiel: Ein Produzent verfügt über eine Kontokorrentlinie bei seiner Bank in Höhe von zehn Millionen Euro, die er hälftig zur laufenden Finanzierung von Betriebskosten und für Bürgschaften nutzt. Transferiert das Unternehmen nun die Bürgschaft in Höhe von fünf Millionen Euro in die Versicherungslösung, verbessert sich auf einen Schlag dessen Liquidität, in diesem Beispiel um 50 Prozent, also fünf Millionen Euro. Vorteilhaft dabei: Dem Unternehmen entstehen dadurch weder Mehrkosten noch zusätzlicher Aufwand.

Wie steht es um die Bürgschafts-Anforderungen?

Kai Stötzel: Die seitens von Banken und Versicherern gestellten Anforderungen sind vergleichbar – auf dem Versicherermarkt häufig sogar geringer. Allerdings verfügen Versicherungsgesellschaften zumeist über bessere Ratings, und im Handling kommt den Unternehmen deren teils internationale Aufstellung zugute. Bestehen lokale Einheiten in vielen Ländern können die Bürgschaften direkt nach den vor Ort geltenden Bestimmungen und in der jeweiligen Landessprache ausgelegt werden und stoßen so auf eine erhöhte Akzeptanz. Gleichzeitig stellt Aon seinen Kunden sein internationales Netzwerk und seine Expertise zur Verfügung. Dadurch erhalten Unternehmen nicht nur Zugriff auf den jeweils passenden Versicherer. Sie finden vor Ort einen Ansprechpartner vor, der den lokalen Markt kennt, die Landessprache beherrscht und ohne Zeitverschiebungen erreichbar ist. Das zahlt sich auch nach Vertragsabschluss aus, wenn es mal Abstimmungsbedarf im operativen Geschäft gibt.

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Kai Stoetzel
Head of Surety DACH
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