Hilfe aus der Ferne – Telemedizin als wichtiger Bestandteil einer betrieblichen Gesundheitsfürsorge

„Telemedizin ist eigentlich ein Sammelbegriff für verschiedenartige ärztliche Versorgungskonzepte, die als einzige Gemeinsamkeit die Erbringung (kern) medizinischer Leistungen in Diagnostik, Therapie und Rehabilitation über räumliche Entfernung unter Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie haben“[1], so lautet die Definition der Bundesärztekammer (2015).

Telemedizin beschränkt sich somit nicht auf eine bestimmte Fachrichtung, sondern kann vielmehr als interdisziplinärer Bestandteil der ärztlichen Beratung sowie als Komplementär-Baustein zur Präsensversorgung angesehen werden.

Am bekanntesten sind wohl Videokonsultationen zwischen Arzt und Patient, der Begriff Telemedizin umfasst aber streng genommen auch den interdisziplinären Austausch zwischen medizinischen Fachexperten sowie das Telemonitoring, bei dem Vitaldaten zum Beispiel im Rahmen einer chronischen Erkrankung des Patienten (z.B. Herzinsuffizienz, Diabetes etc.) überwacht und an den Arzt übertragen werden. Wo eine Intervention notwendig erscheint, werden entsprechende Schritte eingeleitet.

Quelle: Smarte Datenwirtschaft – Perspektiven für die Telemedizin

Die rechtliche Grundlage für E-Health Konzepte wurde bereits mit dem „Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitsweisen“ gelegt, welches zum 01.01.2016 in Kraft getreten ist. Festes Ziel der Bundesregierung war es hier schon durch die Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien die Qualität und Wirtschaftlichkeit der medizinischen Versorgung zu verbessern.[2]

2018 veröffentlichte die Bertelsmann Stiftung die Studie #SmartHealthSystems und sorgte mit den Erkenntnissen für Unruhe: bei dem Digital Health Index landete Deutschland auf Rang 16 von 17. Unter den besten Ländern waren Estland, Kanada und Dänemark.[3] Seitdem sind jedoch einige Bremsen gelockert worden. So wurde 2018 mit der Liberalisierung des Fernbehandlungsverbots durch die ärztliche Selbstverwaltung der Grundstein für die Telemedizin gelegt. Seit April 2019 darf eine Beratung per Video auch durchgeführt werden, wenn der Patient zuvor noch nicht bei dem Arzt in Behandlung war.[4]

Es gab vermehrt Pilotprojekte, um die Einsatzmöglichkeiten auszutarieren. So sollte die Telemedizin als Mittel zur flächendeckenden medizinischen Versorgung eingesetzt werden, insbesondere auch in ländlichen und strukturschwachen Gebieten, wo das nächste Krankenhaus oder der nächste Facharzt teils schwer erreichbar ist.

Die Covid-19 Pandemie hat dazu beigetragen, dass die Telemedizin noch weiter in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt ist und dadurch auch die Anwendungsbereitschaft gestiegen ist. Denn jeder Gang in die Arztpraxis, eventuell verbunden mit der Anreise in öffentlichen Verkehrsmitteln, erhöhte die Ansteckungsgefahr mit dem Virus und wurde, wenn möglich, vermieden.

Mit dem gestiegenen Interesse an digitaler medizinischer Versorgung, ging ein zunehmendes Angebot einher: wurden Videosprechstunden Ende 2017 nur von 1,8% der ambulant tätigen Ärzte angeboten, stieg die Zahl zu Beginn der Covid-19-Pandemie rapide auf 52,3% an. Weitere 10,1% planten zu diesem Zeitpunkt bereits eine kurzfristige Einführung.[5] Im Rahmen der Studie „Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit 2020“ wird die Bereitstellung von Videosprechstunden nach dem Ende der Pandemie zwar leicht rückgängig sein, aber das Niveau wird voraussichtlich weit über dem vor der Pandemie liegen.

Fokus: E-Health in der internationalen Krankenversicherung

In internationalen Krankenversicherungspolicen ist Telemedizin mittlerweile ein essenzieller Bestandteil und gehört bei fast allen Versicherern zum Standard-Repertoire. Alternativ kann Aon auch separat von der Krankenversicherungslösung Angebote einholen.

In der Regel wird dieser Service nicht von den Versicherern selbst, sondern vielmehr von externen spezialisierten Dienstleistern, erbracht.

Nicht selten werden Expats an entlegene Orte der Welt entsendet, um vor Ort Entwicklungshilfe zu leisten, Ölplattformen auf der offenen See zu betreiben oder Produktionsstätten in Drittwelt- oder Entwicklungsländern aufzubauen. Eine adäquate, dem westlichen Standard entsprechende, medizinische Versorgung kann nicht immer sichergestellt werden. Zudem kommt hier auch die sprachliche Komponente hinzu, denn nicht überall ist ein englisch- oder ggf. sogar deutschsprachiger Arzt auffindbar.

Diese Versorgungslücke wurde in den internationalen Krankenversicherungspolicen durch Telemedizin geschlossen. Denn hier kann rund um die Uhr Kontakt mit einem Allgemein- oder Facharzt in einer vertrauten Sprache aufgenommen werden. Falls der benötigte Facharzt gerade nicht verfügbar sein sollte, kann über einen Rückrufservice ein zeitnaher Termin vereinbart werden.

Sollte, zusätzlich zu der Tele- Versorgung eine Präsenzuntersuchung unabdingbar sein, kann der internationale Krankenversicherer über das eigene oder ein externes medizinisches Netzwerk einen passenden Dienstleister empfehlen und ggf. sogar direkt einen Termin vereinbaren.

Auch die Ausstellung von e-Rezepten und der direkte elektronische Versand an eine Apotheke ist in einigen Ländern bereits möglich.

Die Versicherten können in der Regel über eine vom Versicherer zur Verfügung gestellte App oder ein browserbasiertes Portal auf die telemedizinischen Leistungen zugreifen. Auf diese Weise muss der Versicherte keine Kosten vorstrecken, sondern es erfolgt eine direkte Kostenabrechnung zwischen dem Telemedizin-Dienstleister und dem Versicherer.

Entwicklung der Telemedizin in Deutschland

Analog der internationalen Krankenversicherungspolicen ist auch bei inländischen betrieblichen Versicherungskonzepten die Telemedizin immer häufiger ein wesentlicher und bedeutender Bestandteil.

Die wichtigsten Handlungsfelder telemedizinischer Leistungen sind hier die folgenden:

  • Gesundheitsportale, die beispielsweise zur Hilfe bei der Erklärung von Laborwerten, zur Aufklärung von Diagnostiken, für Informationen zu Symptomen, Ursachen und möglichen Therapien wichtiger Krankheiten einfach und schnell konsultiert werden können.
  • Facharztterminservices, die eine kurzfristige Terminvereinbarung bei einem Facharzt ermöglichen.
  • Gesundheitstelefone, welche täglich und zumeist auch in mehreren Fremdsprachen bis zu 24 Stunden zur Verfügung stehen.
  • Ärztliche Videosprechstunden inkl. Fernbehandlung.

Ein gängiges Vorgehen privater Krankenversicherungsunternehmen ist in Deutschland meistens die Kooperation mit Unternehmen für medizinische Assistance- und Serviceleistungen, um eine Sicherstellung der oben beschriebenen Leistungen zu gewährleisten.

Nimmt ein Mitarbeiternder im Falle eines Falles Leistungen in Anspruch, wird in diesem Zuge auch Zugang zum jeweiligen Anbieter ermöglicht. Vorteil hierbei ist, dass entsprechende Leistungen direkt zwischen der betrieblichen Krankenversicherung und dem Assistance-Unternehmen abgerechnet werden.

Fazit

Der Abschluss von Telemedizin-Verträgen für die nationale und die internationale Belegschaft kann unterschiedliche Beweggründe haben und auch unterschiedliche Ansätze verfolgen.

In Deutschland ist es sinnvoll Telemedizin mit einer betrieblichen Krankenversicherung für die gesamte lokale Belegschaft zu verknüpfen, für die international mobilen Mitarbeiter ist eine Bereitstellung in Verbindung mit der internationalen Krankenversicherung empfehlenswert. In beiden Fällen handelt es sich um arbeitgeberfinanzierte Gruppenlösungen.

Es kann festgehalten werden, dass Telemedizin zukünftig einen immer größeren Stellenwert als Ergänzung zu Präsenzversorgung einnehmen wird, da die Vorteile überwiegen. Zum einen können medizinische Ressourcen effektiver eingesetzt und Behandlungskosten reduziert werden, Ärzte vor Ort können entlastet und somit Wartezeiten verkürzt werden und es kann durch die Ortsunabhängigkeit eine flächendeckende medizinische Versorgung gewährleistet werden. Darüber hinaus können Therapiemaßnamen ggf. frühzeitiger eingeleitet werden.

Zudem sparen die Versicherten effektiv Zeit und sind darüber hinaus auch flexibler was die Vereinbarkeit von Arztterminen, Arbeitszeit und Privatleben betrifft. Dies führt im Umkehrschluss zu einer Steigerung der Patientenzufriedenheit.


[1] Smarte Datenwirtschaft – Perspektiven für die Telemedizin + Bundesärztekammer (2015): Telemedizinische Methoden in der Patientenversorgung –Begriffliche Verortung. www.bundesaerz¬tekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/ Telemedizin_Telematik/Telemedizin/Telemedizinische_Metho¬den_in_der_Patientenversorgung_Begriffliche_Verortung.pdf [26.11.2020].

[2] AOK-Bundesverband, https://www.aok-bv.de/hintergrund/gesetze/index_14907.html

[3] McKinsey & Company (November 2020), eHealth Monitor 2020 + https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-projekte/der-digitale-patient/projektthemen/smarthealthsystems#c1203567

[4] Health innovation hub, Stiftung Gesundheit, ggma (2020), Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit 2020, Ärztliche Arbeit und Nutzung von Videosprechstunden während der Covid-19-Pandemie

[5] Siehe vorherige Quelle

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Ann-Kathrin Koelle
Senior Product Manager | International People Mobility, Health Solutions
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