Disruption in der Krise: Wie professionelles Credit Management Unternehmen stabilisiert

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Die deutsche Wirtschaft befindet sich seit Jahren in einem vielschichtigen Krisenumfeld, das nicht allein konjunkturell, sondern zunehmend strukturell geprägt ist. Hohe Energiepreise, gestörte Lieferketten und anhaltende geopolitische Spannungen setzen Unternehmen quer durch alle Branchen erheblich unter Druck. Die Margen schrumpfen, Kostenstrukturen bleiben inflexibel und immer mehr Unternehmen geraten in eine akute Liquiditätskrise.

Wie tiefgreifend diese Entwicklung tatsächlich ist, zeigen aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes: Zwischen 2020 und 2025 stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen von 16.040 auf 20.064 Fälle, ein Anstieg von 25 Prozent. Die wirtschaftliche Relevanz dieser Entwicklung wird durch weitere empirische Befunde unterstrichen. So beziffert Creditreform die offenen Forderungen der Gläubiger aus Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2025 auf etwa 57 Milliarden Euro.

Eine besondere Herausforderung, gerade für Unternehmen mit schwacher Liquidität, sind unvorhersehbare disruptive Ereignisse, die kurzfristig zu einer akuten Insolvenzgefahr führen können: Kriegerische Auseinandersetzungen, die Energie‑ und Transportkosten in die Höhe treiben, Störungen globaler Lieferketten verursachen oder durch Zölle, Sanktionen und andere hoheitliche Maßnahmen Märkte abrupt verändern. Hinzu kommen plötzlich eintretende Preissteigerungen, etwa bei kritischen Rohstoffen, die Geschäftsmodelle von einem Tag auf den anderen massiv unter Druck setzen können.

Diese disruptiven, plötzlich und unvorhersehbar eintretenden Faktoren verschärfen die Anforderungen an ein wirkungsvolles Liquiditäts‑ und Risikomanagement. Unter den beschriebenen Rahmenbedingungen entstehen schnell Situationen, in denen:

  • Zahlungsziele nicht mehr eingehalten werden können,
  • Refinanzierung teurer oder schwieriger wird,
  • Banken Kreditlinien überprüfen oder einschränken,
  • Sicherheiten an Wert verlieren oder stärker nachgefragt werden.

Die Folgen können nicht nur die Zahlungsunfähigkeit eines Unternehmens sein und damit die rechtliche Insolvenz, sondern auch die Haftung der verantwortlichen Organe, sofern sie ihre Sorgfaltspflichten, insbesondere die Vermögensbetreuungspflicht, nicht beachtet haben.

Unter diesen Rahmenbedingungen gewinnt ein integriertes, vorausschauendes Liquiditäts- und Forderungsmanagement zentrale Bedeutung. Gefragt sind Strukturen, die Chancen und Risiken im gesamten Geschäftsmodell systematisch erfassen, insbesondere entlang der Lieferketten und der gewährten Zahlungsziele. Dazu zählen eine regelmäßige Bedarfsanalyse hinsichtlich Klumpenrisiken bei Kunden und Lieferanten, der datenbasierte Einsatz von Zahlungszielen als Wettbewerbsinstrument sowie die aktive Gestaltung von Finanzierungsstrukturen, um Liquidität zu sichern, zu diversifizieren und Abhängigkeiten von einzelnen Finanzierungspartnern zu reduzieren.

Vor diesem Hintergrund sind Kredit- und Kautionsversicherungen kein zusätzlicher Kostenblock, sondern ein wesentlicher Bestandteil eines professionellen Risiko- und Liquiditätsmanagements.

  • Warenkreditversicherungen schützen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und verbessern damit Bilanzqualität und Planungssicherheit.
  • Kautionsversicherungen verlagern Sicherheiten von der Bankbilanz zum Versicherer und entlasten Kreditlinien – ein Vorteil insbesondere in angespannten Finanzierungssituationen.

Unternehmen können so strategisch wichtige Kunden mit höheren Limiten, längeren Zahlungszielen oder größeren Auftragsvolumina bedienen, ohne unvertretbare Risiken einzugehen.

Zugleich hat professionelles Credit Management auch eine klare Governance- und Haftungskomponente. Vorstände und Geschäftsführer, die Risiken aus Lieferungen und Leistungen aktiv steuern und Versicherungsinstrumente zielgerichtet einsetzen, erfüllen ihre betriebswirtschaftlichen Pflichten und stärken gleichzeitig ihre Position im Rahmen der Organhaftung. D&O-Versicherungen können verbleibende persönliche Risiken abfedern, ersetzen jedoch nicht die Pflicht zu einer vorausschauenden Organisation von Risiko- und Liquiditätsstrukturen.

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Kontakt aufnehmen

Dr. Kai Engelsberg, LL.M.
Deputy Head of Aon Credit Solutions DACH
+49 40 3605-3320

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