Auszahlungsformen in der betrieblichen Altersversorgung

Flexibilität gewinnt an Bedeutung

Der Arbeitsmarkt verändert sich stetig und Belegschaften werden zunehmend vielfältiger. Einen klassischen Karriereweg gibt es kaum noch, viel mehr sind Mitarbeiter heute Individuen, die völlig unterschiedliche Berufslaufbahnen aufweisen und individuelle Bedürfnisse an ihre persönliche Altersvorsorge mitbringen. Und das ist gut so. Denn genau diese Vielfalt innerhalb einer Belegschaft fördert den Unternehmenserfolg nachhaltig. Doch wie lassen sich talentierte Individuen gewinnen und langfristig halten?

Unternehmen, die sich als attraktiver Arbeitgeber präsentieren und die besten Fachkräfte beschäftigen möchten, müssen ihren Mitarbeitern heute besondere Benefits bieten, die zu ihren individuellen Bedürfnissen passen – so zum Beispiel unterschiedliche Auszahlungsformen in der betrieblichen Altersversorgung (bAV).

Stephanie Zelosko beschäftigt sich als Aktuarin in ihrer täglichen Arbeit intensiv mit der bAV-Thematik und ist Expertin in Sachen betriebliche Altersversorgung bei Aon. Regelmäßig führt sie Studien am Markt durch, die ihr wertvolle Erkenntnisse über die Bedürfnisse der Arbeitnehmer und die Trends bei Unternehmen liefern. Sie weiß: Flexibilität gewinnt an Bedeutung und Möglichkeiten gibt es viele.

Neue Generationen und neue Bedürfnisse

Insbesondere für junge Mitarbeiter steht Flexibilität heute im Fokus. Denn ihre Laufbahnen entsprechen längst nicht mehr dem klassischen Bild. Statt einem Job fürs Leben, können sie meist einzelne Karriereabschnitte bei verschiedenen Arbeitgebern, teilweise in verschiedenen Ländern aufweisen. Dazu kommen geteilte Familienzeiten, schwankende Einkommenssituationen und ein neues Verständnis der Work-Life-Balance. Der Wunsch nach Flexibilität betrifft dabei natürlich auch die betriebliche Altersversorgung, bei der sie sich zunehmend Gestaltungsspielräume wünschen. Doch die bAV ist komplex. Viele Mitarbeiter schrecken zunächst davor zurück, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Das bestätigen auch vorangegangene Untersuchungen von Aon: In einer Umfrage bewertete jeder siebte Arbeitnehmer das Thema als zu kompliziert. Arbeitgeber können die Beteiligung an der bAV jedoch aktiv mit einer gezielten Kommunikation, Entscheidungshilfen und festgelegten Standards für Unentschlossene deutlich erhöhen.

Um herauszufinden, wie Unternehmen die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter heute am besten treffen können, führten Stephanie Zelosko und ihr Team im letzten Jahr eine Studie durch, die untersuchte, inwieweit Unternehmen die Möglichkeiten verschiedener Auszahlungsoptionen in der bAV nutzen und welche Auszahlungsform seitens der Mitarbeiter bevorzugt wird.

Verschiedene Auszahlungsformen bieten Gestaltungsspielraum

Von der lebenslangen Rente über die Einmalzahlung oder Raten bis hin zu Mischformen: Die betriebliche Altersversorgung bietet verschiedene Auszahlungsmöglichkeiten. Am häufigsten werden jedoch nach wie vor die lebenslange Rente und mittlerweile auch die Einmalzahlung angeboten. Während die lebenslange Rente ein sicheres und regelmäßiges Einkommen im Alter gewährleistet, kann eine Einmalzahlung beispielsweise zur Tilgung eines Darlehens genutzt werden, um schuldenfrei in den Ruhestand zu starten. Doch auch Raten als Hybrid aus Einmalzahlung und Rente stellen eine attraktive Auszahlungsmöglichkeit dar, da sie einerseits einen längeren Zeitraum mit Versorgungsleistungen abdecken und andererseits Unkalkulierbarkeiten eingrenzen. Die meiste Flexibilität bieten den Mitarbeitern Mischformen, bei denen zum Beispiel ein Teil des Versorgungsguthabens als Kapital und der Rest als lebenslange Rente ausgezahlt wird. Bei diesen Mischformen werden Mitarbeitern meistens Gestaltungsmöglichkeiten bei der genauen Ausprägung der Auszahlungskomponenten eingeräumt. Aufgrund ihrer höheren Komplexität bilden diese aber meist die Ausnahme.

Das Angebot flexibler Auszahlungsformen wird inzwischen vom Großteil der Unternehmen genutzt: Immerhin enthielten fast 70 Prozent der untersuchten Versorgungspläne verschiedene Wahlmöglichkeiten für die Mitarbeiter. Viele der Unternehmen legen hierbei Standards fest, die automatisch zum Einsatz kommen, wenn der Mitarbeiter keinen anderen Wunsch äußert. Nur 27 Prozent der Versorgungspläne sahen eine völlig freie Wahl der Auszahlungsform für Mitarbeiter vor, auch wenn dies für Arbeitnehmer theoretisch die attraktivste und flexibelste Lösung darstellt.

Unterstützung der Mitarbeiter fördert Beteiligung

„Da sich viele Arbeitnehmer unsicher im Bereich der bAV fühlen und sich oftmals nicht mit der für sie komplizierten Thematik auseinandersetzen möchten, sollten Arbeitgeber ihre Mitarbeiter unterstützen und ihnen hilfreiche Entscheidungshilfen bieten. Das stärkt nicht nur das Vertrauen der Mitarbeiter, sondern fördert auch ein positives Unternehmensimage“, erklärt Stephanie Zelosko. Erfreuliche 80 Prozent der befragten Unternehmen unterstützen ihre Mitarbeiter bereits bei der Wahl der Auszahlungsform. So bietet etwa die Hälfte ihren Mitarbeitern Informationen über die Leistungshöhe der jeweiligen Auszahlungsform an; seltener umfassen die Entscheidungshilfen Aufklärung oder Beratung über die sozialversicherungsrechtlichen und steuerlichen Folgen der jeweiligen Auszahlungsformen. „Egal, welche Gestaltungsspielräume und Entscheidungshilfen aber geboten werden, an erster Stelle sollte immer die Kommunikation über die bAV-Angebote selbst stehen“, empfiehlt die bAV-Expertin. „Denn oftmals wissen Mitarbeiter gar nicht, dass sie diese Möglichkeiten haben oder wie sie bei der Umsetzung unterstützt werden.“

Und was wünschen sich Arbeitnehmer?

Die meisten Arbeitnehmer würden sich heute für die Einmalkapitalzahlung entscheiden, wenn Sie zwischen einer lebenslangen Rente, einer Einmalkapitalzahlung und einer Ratenzahlung wählen könnten. Haben sie die Wahl zwischen einer Einmalkapitalzahlung und einer lebenslangen Rente, werden beide Alternativen etwa gleich oft gewählt. Stephanie Zelosko ist überzeugt: „Mit diesen Erkenntnissen können Unternehmen ihren Angestellten noch sinnvollere Angebote machen und damit die Zufriedenheit der Mitarbeiter mit ihrer gesamten Lebenssituation verbessern.“

Weitere Leistungen

Neben den Auszahlungsmöglichkeiten haben Unternehmen darüber hinaus viele weitere Möglichkeiten, ihren Mitarbeitern Flexibilität bei der betrieblichen Altersversorgung zu bieten. Viele tun dies bereits: Knapp 70 Prozent der untersuchten Versorgungspläne enthielten zusätzliche attraktive Optionen. So wird es einigen Mitarbeitern beispielsweise ermöglicht, den Zeitraum der Leistungszahlung flexibel zu setzen oder bestimmte Leistungskomponenten, wie die Hinterbliebenenversorgung oder den Erwerbsminderungsschutz, hinzu- oder abzuwählen. In seltenen Fällen können Mitarbeiter sogar Einfluss auf die Anlagestrategie ihres Versorgungsguthabens nehmen.

Die bAV als Benefit für Mitarbeiter nutzen

„Wir empfehlen Unternehmen, die ihren Mitarbeitern „mehr“ bieten wollen, die Entgeltumwandlung als Teil eines ganzheitlichen bAV-Ansatzes mit Gestaltungsspielräumen anzubieten. Dabei sollten sie sich nicht auf die Eigeninitiative der Mitarbeiter verlassen. Denn die bAV-Thematik ist für Laien nicht einfach und sowohl der Beratungsbedarf als auch der Wunsch nach flexiblen Lösungen wird voraussichtlich noch steigen. Für Unternehmen, die derzeit lediglich eine reine Rentenzusage anbieten, empfiehlt es sich, ihre Versorgungspläne um zusätzliche Auszahlungsformen zu erweitern“, so Stephanie Zelosko. „Dadurch können Unternehmen dann zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen können sie für die Mitarbeiter die Attraktivität der bAV steigern, zum anderen können sie durch eine geschickte Ausgestaltung der Optionen Risiken, wie beispielsweise das Langlebigkeitsrisiko bei lebenslangen Renten, senken oder Administrationskosten einsparen. Allerdings kann eine lebenslange betriebliche Rente mit Blick auf die voraussichtlich steigende Versorgungslücke natürlich jederzeit wieder an Beliebtheit bei den Mitarbeitern gewinnen, weshalb sie in jedem Versorgungsplan enthalten sein sollte.“

Unternehmen, die sich Unterstützung und Vereinfachung bei den komplexen Themen der betrieblichen Altersversorgung wünschen, können sich jederzeit an Aon wenden. Stephanie Zelosko und ihr Team aus erfahrenen Expertinnen und Experten beraten gerne ausführlich über die Möglichkeiten für Gestaltungsspielräume in der bAV.

Die detaillierten Ergebnisse der Umfrage zu den Auszahlungsformen können Sie hier runterladen. Zusätzliche interessante Erkenntnisse zur Entgeltumwandlung und Zuschüssen können Sie in einer weiteren Aon Studie hier nachlesen.


Zur Person:

Stephanie Zelosko arbeitet seit 2010 als versicherungsmathematische Sachverständige für Altersversorgung bei Aon in Deutschland und berät Kunden in allen Belangen der betrieblichen Altersversorgung. Sie betreut Direktzusagen und ist zuständig für die damit verbundenen Bewertungen nach deutschem Steuer- und Handelsrecht sowie nach internationalen Vorschriften. Dazu gehören die Bewertung von Pensions-, Jubiläums- und Altersteilzeitverpflichtungen, die Mitarbeit an Neuordnungsprojekten sowie die Durchführung von Benchmark-Analysen. Außerdem unterstützt sie Unternehmen bei der Neueinführung oder Umgestaltung von Versorgungsplänen.

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Stephanie Zelosko
Senior Consultant – Actuarial Services Aktuarin DAV / IVS
+49 611 17208 6820