Schadenmanagement in der Flotte: Aktuelle Herausforderungen und neue Risiken

Ob Gabelstapler, Pkw oder Lkw: Besitzt ein Unternehmen Fahrzeuge, sieht es sich neben den allgemeinen Geschäftsrisiken auch mit weiteren Risiken konfrontiert. Je größer der Fuhrpark, desto höher die Gefahr. Fuhrparkverantwortliche stehen dabei vor der Herausforderung, nicht nur ihre Fahrzeuge zu schützen, sondern auch die Fahrer. Die aktuellen Krisen bringen dabei zahlreiche neue Risiken. Björn Meier, Fachexperte Motor Fleet bei Aon, erklärt, mit welchen Herausforderungen die Branche heute zu kämpfen hat und gibt Tipps, wie Unternehmen die aktuelle Situation am besten bewerkstelligen.

Was sind die größten Risiken für Fuhrparkverantwortliche?

Björn Meier: Es gibt ein paar Risiken, die immer mit einem Fuhrpark einhergehen – unabhängig von der wirtschaftlichen oder politischen Situation. Dazu gehören diverse Kostenfallen, zum Beispiel bei Verbrauch, Rückgaben oder Reparaturen; Haftungsrisiken, zum Beispiel wenn Fahrer Verkehrsregeln verletzen; Unfallschäden, dazu zählen sowohl Personen- als auch Vermögensschäden und eine fehlende oder unzureichende Absicherung durch Versicherungsschutz und technische Präventionsmaßnahmen.

Welche Fehler werden immer wieder beim Schadenmanagement gemacht und welche Folgen hat das?

Björn Meier: Ein nicht professionelles Schadenmanagement führt häufig zu erhöhten Kosten. Zum Beispiel bei überteuerten Werkstattrechnungen oder der Bereitstellung von Ersatzfahrzeugen. Dazu kommt ein unzulänglicher Versicherungsschutz. Wir beobachten immer wieder, dass Unternehmen sich auf der sicheren Seite wägen, da sie vermeintlich abgesichert sind. Was viele nicht bedenken: Zeiten und äußere Umstände verändern sich und neue Risiken kommen hinzu. Oder der Fuhrpark vergrößert sich im Laufe der Jahre, sodass die vorhandene Deckung vielleicht nicht mehr ausreicht. Im schlimmsten Fall können Fehler im Schadenmanagement zu Betriebsunterbrechungen und enormen finanziellen Einbußen führen.

Mit welchen aktuellen Herausforderungen sehen sich Fuhrparks derzeit konfrontiert?

Björn Meier: Generell hat sich der KFZ-Versicherungsmarkt im Vergleich zu den Vorjahren deutlich verhärtet. Die KFZ-Versicherer stellen in diesem Jahr einen erheblichen Anstieg der Schadenaufwendungen fest. Die Gründe hierfür sind unterschiedlich. Durch die Lockerung der Pandemiemaßnahmen steigt zum einen die Anzahl der Schäden. Zum anderen erhöhen sich die Kosten aber auch durch die Inflation erheblich.
Die Lieferkettenproblematik hat darüber hinaus noch die Dauer der Reparaturen erhöht. Denn Preissteigerungen und Lieferschwierigkeiten betreffen vor allem Ersatzteile. Doch Neufahrzeuge sind aktuell schwer zu erhalten, weshalb die Preise für Gebrauchtwagen steigen. Um die Mitarbeitenden weiterhin mobil zu halten, müssen daher auch viele Leasingverträge verlängert werden. Die Fahrzeuge werden länger genutzt und haben einen größeren Verschleiß. Größere und teurere Fahrzeuge wie SUVs verursachen entsprechend teurere Schadenaufwendungen im Haftpflicht und Kaskofall.

Und zu guter Letzt führt auch die Elektrifizierung der Fahrzeuge zu einem Preisanstieg, da die Reparaturen eines Elektrofahrzeugs im Vergleich zu einem Verbrenner höher ausfallen.

Um diesen allgegenwärtigen Wachstum der Kosten kompensieren zu können, führen die meisten Kfz-Versicherer in diesem Jahr eine allgemeinen Beitragsanpassung durch. Nach unseren Erfahrungen kann die Beitragsanpassung bei ca. 6 bis 11 Prozent liegen.

Welche Tipps geben Sie Unternehmen?

Zum einen müssen Versicherungsverträge regelmäßig überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Dabei unterstützen wir Unternehmen selbstverständlich gerne. Wir kennen die aktuelle Marktsituation und die Anforderungen, die mit neuen Risiken einhergehen gut und können geeignete Lösungen mit dem optimalen Risikotransfer finden. Darüber hinaus gibt es Möglichkeiten, Einfluss auf den Schadenaufwand der Flotte und somit auf die Versicherungsprämie zu nehmen. So zum Beispiel im Rahmen eines internen Risk Managements mit Boni für unfallfreie Mitarbeitende als Motivation oder mithilfe von technischen Assistenzsystemen.

Ein ideales Schadenmanagement mit ganzheitlichem Service.

Zusätzlich empfehlen wir hier die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern, die beispielsweise in Form von Fahrerschulungen bei der Schadenprävention helfen oder das Schadenmanagement professionalisieren. Auf diese Weise können die Schadenkosten unter anderem für Ausfallzeiten des Fahrzeugs, die Beschaffung von Ersatzfahrzeugen oder in der Rechnungslegung deutlich optimiert werden. Wir arbeiten hier mit verschiedenen Anbietern zusammen. Ein Beispiel ist einer unserer Partner belmoto.

Schadenmanagement professionalisieren: Fuhrparkverantwortliche können Verantwortung abgeben

Ralf Knaier, Geschäftsführer des Kfz-Dienstleisters belmoto plus GmbH und seit über 25 Jahren in der Fuhrparkbranche verwurzelt, kennt die vielfältigen Risiken, die mit einer Flotte einhergehen und unterstützt Unternehmen mit einem besonderen Rundum-Service. Im Interview erklärt der Kfz-Experte, wie sein Betrieb Fuhrparkverantwortliche beim Schadenmanagement begleitet.

Was macht belmoto plus?

Ralf Knaier: Wir sind ein unabhängiger Dienstleister in der Kfz-Branche, der sich auf das Schaden-, Rückgabe- und Pannenmanagement spezialisiert hat. Dabei betreuen wir Fahrzeugflotten gewerblicher Kunden, egal welcher Branche, Art und Größe. Grundsätzlich beraten wir unsere Kunden ganzheitlich und stimmen die gewünschte Dienstleistungsintensität individuell ab. Je nach Wunsch bieten wir zum Beispiel die Komplettbetreuung der Fahrzeugnutzer inklusive aller nötigen Dienstleistungen oder aber auch eine reine Schadensteuerung an.

Gibt es Unterschiede in der Leistung einer Schadensteuerung?

Ralf Knaier: Definitiv, sogar sehr große. Ohne vorherige Kommunikation mit allen Beteiligten und ohne klare Vorgaben und Absprachen kann eine Schadensteuerung auch zu einem Negativerlebnis werden. Deshalb hören wir uns im Vorfeld immer sehr genau die Wünsche und Ziele des Kunden an, um dann gemeinsam ein Konzept zu entwickeln. Von einer Steuerung über Vertragshändler, Werkstattketten, freien Karosserie- und Lackwerkstätten bis hin zur betriebseigenen Werkstatt des Kunden sind alle Varianten denkbar.

Kann jedes Unternehmen seine Fahrzeuge von belmoto steuern lassen?

Ralf Knaier: Grundsätzlich besteht die Möglichkeit für alle gewerblichen Kunden, die keine Werkstattbindung über ihre Versicherung und keine Vorgaben seitens des Fahrzeugeigentümers haben. Unsere Servicegebühr richtet sich dabei nach Fuhrparkgröße, Leistungsanspruch und Vereinbarung und wird transparent monatlich pro Fahrzeug erhoben.

Können Sie uns ein Beispiel aus Ihrem Arbeitsalltag nennen?

Ralf Knaier: Glücklicherweise handelt es sich in den meisten Fällen nicht um schwere Unfälle, sondern um Meldungen über Blechschäden jeglicher Art. Einer unserer Kunden touchierte kürzlich beispielsweise beim Ausfahren aus der Tiefgarage mit dem vorderen Stoßfänger und seinem Scheinwerfer einen Poller. Mit dem entstandenen Schaden konnte er seine Fahrt nicht fortsetzten. Er benötigte dringend Hilfe und rief etwas verunsichert bei unserer 24h-Hotline an. Dank unseres bundesweiten Werkstattnetzes konnten wir umgehend die Abholung des Fahrzeuges durch unsere Werkstattpartner veranlassen. Bei der Abholung wurde dem Kunden zudem direkt ein Ersatzfahrzeug gestellt, um ihn weiterhin für alle anstehenden Termine mobil zu halten und eine Betriebsunterbrechung zu vermeiden. Anschließend wurde der Schadenumfang in unserer Partnerwerkstatt fachmännisch ermittelt und anhand eines durch uns geprüften Kostenvoranschlages zügig freigegeben. Nach Abschluss der Reparatur hat unser kostenloser Hol- & Bringdienst das Fahrzeug dann zurück zum Kunden geliefert. Die Kosten für die Reparatur wurden vollumfänglich durch uns verauslagt und mit der Versicherung des Kunden abgerechnet, sodass für den Kunden hier lediglich eine Rechnung über den Betrag des Selbstbehaltes anfiel. Dies ersparte sowohl dem Fahrzeugnutzer als auch den Fuhrparkverantwortlichen viel Aufwand.

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