Hier schreiben regelmäßig Aon Expertinnen und Experten zu aktuellen Entwicklungen in den Themenfeldern Risk Capital und Human Capital. Mit diesen Informationen und Erkenntnissen können Führungskräfte bessere Entscheidungen für ihr Unternehmen treffen.

Mentale Gesundheit: Wenn schnelle Hilfe zum entscheidenden Faktor wird
Kaum ein Gesundheitsthema hat in den vergangenen Jahren eine vergleichbare Dynamik entwickelt wie die mentale Gesundheit. Der Welttag der psychischen Gesundheit am 10. Oktober 2026 rückt eine der größten gesundheitlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit in den Fokus, die Unternehmen zunehmend beschäftigt und deren Auswirkungen häufig unterschätzt werden.
Psychische Erkrankungen gehören heute zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit (AU). Die Zahl der AU-Tage aufgrund psychischer Erkrankungen ist in den vergangenen zehn Jahren laut einer aktuellen AOK-Erhebung unter ihren Versicherten um rund 42 % gestiegen [1]. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind erheblich: Die Produktionsausfallkosten durch psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen belaufen sich nach Einschätzung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin über alle Branchen auf ca. 22,5 Milliarden Euro jährlich. [2]
Besonders deutlich wird die Relevanz des Themas daran, dass jeder dritte Mensch im Laufe seines Lebens eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung erlebt. [3] Das Thema reicht damit weit über die individuelle Gesundheit hinaus und betrifft Unternehmen unmittelbar: Psychische Gesundheit ist längst zu einem relevanten Unternehmensrisiko geworden. Viele Arbeitgeber reagieren darauf mit Gesundheitswochen, Resilienztrainings oder Achtsamkeitsangeboten. Das ist richtig und wichtig. Prävention sollte ein fester Bestandteil jeder betrieblichen Gesundheitsstrategie sein.
In der Praxis zeigt sich jedoch eine weitere Herausforderung: Mitarbeitende benötigen nicht nur Unterstützung bei der Vorbeugung, sondern auch konkrete Hilfe, wenn bereits psychische Belastungen oder erste Erkrankungen vorliegen. Genau hier stößt das Gesundheitssystem oftmals an seine Grenzen. Der Zugang zu psychologischer oder psychotherapeutischer Unterstützung ist nicht immer kurzfristig möglich. Zwischen dem ersten Hilferuf und einer regelmäßigen Behandlung liegen häufig Wochen oder Monate.
Arbeitgeber können die gesetzliche Versorgung nicht ersetzen. Sie können ihren Mitarbeitenden aber den Zugang zu Unterstützung erleichtern und genau darin liegt heute ein wesentlicher Mehrwert der betrieblichen Krankenversicherung. Während das gesetzliche System häufig erst greift, wenn eine Erkrankung bereits vorliegt, ermöglichen viele bKV-Lösungen einen niedrigschwelligen Zugang zu psychologischen Coachings, digitalen Beratungsangeboten, Videosprechstunden und weiteren Unterstützungsleistungen. Die bKV kann damit helfen, Prävention zu fördern oder die Zeit zwischen dem Erkennen einer Belastung und dem Erhalt konkreter Unterstützung zu verkürzen.
Für Unternehmen kommt es dabei nicht allein darauf an, möglichst viele Gesundheitsleistungen anzubieten. Entscheidend ist, ob die Angebote zu den tatsächlichen Bedürfnissen der Belegschaft passen, leicht zugänglich sind und von den Mitarbeitenden auch wahrgenommen werden. Betriebliche Gesundheitsfürsorge sollte deshalb als Gesamtkonzept gedacht werden, das Prävention, konkrete Unterstützung im Bedarfsfall und eine verständliche Kommunikation der vorhandenen Leistungen miteinander verbindet. So wird aus einzelnen Benefits eine Gesundheitsstrategie, die Mitarbeitende in unterschiedlichen Lebens- und Belastungssituationen erreichen kann.
Dabei lohnt sich für Arbeitgeber ein genauer Blick auf die Ausgestaltung ihrer Benefits. Die betriebliche Krankenversicherung kann die bestehende Absicherung gezielt ergänzen und je nach gewähltem Konzept den Zugang zu Präventionsmaßnahmen, medizinischen Leistungen und zusätzlichen Services erleichtern. Welche Leistungen sinnvoll sind, hängt dabei von der jeweiligen Belegschaft und den bereits vorhandenen Angeboten ab. Der Mehrwert entsteht nicht durch ein möglichst großes Leistungspaket, sondern durch ein Angebot, das relevante Versorgungslücken adressiert und Leistungen dort verfügbar macht, wo sie tatsächlich benötigt werden.
Gerade im Bereich der mentalen Gesundheit ist Zeit häufig ein entscheidender Faktor. Je früher Unterstützung verfügbar ist, desto größer ist die Chance, längere Ausfallzeiten und eine Chronifizierung von Beschwerden zu vermeiden. Der Welttag der psychischen Gesundheit erinnert daran, wie wichtig Prävention ist. Genauso wichtig ist jedoch die Frage, was passiert, wenn Unterstützung unmittelbar benötigt wird. Die Zukunft betrieblicher Gesundheitsangebote liegt daher nicht allein in der Vermeidung von Erkrankungen, sondern auch in einem besseren und schnelleren Zugang zu Unterstützung .
Denn Wertschätzung zeigt sich nicht nur in Gesundheitsaktionen oder Awareness-Kampagnen. Wertschätzung zeigt sich vor allem dann, wenn Hilfe genau in dem Moment verfügbar ist, in dem sie gebraucht wird.
[1] https://www.aok.de/pp/bv/pm/fehlzeiten-report-2026/ (08.10.2026)
[2] https://www.baua.de/DE/Themen/Monitoring-Evaluation/Zahlen-Daten-Fakten/Kosten-der-Arbeitsunfaehigkeit
[3] https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/user_upload/BMG_Dialog_9_bf_v3.pdf
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