Hier schreiben regelmäßig Aon Expertinnen und Experten zu aktuellen Entwicklungen in den Themenfeldern Risk Capital und Human Capital. Mit diesen Informationen und Erkenntnissen können Führungskräfte bessere Entscheidungen für ihr Unternehmen treffen.

Terrorrisiken: Der blinde Fleck der Sachversicherung
Die jüngsten Berichte über einen vereitelten Anschlagsversuch auf ein Umspannwerk nahe Jänschwalde in Brandenburg sowie die politische Einordnung mutmaßlicher Drohnenangriffe auf deutsche Infrastruktur zeigen vor allem eines: Sicherheitsrisiken haben sich verändert. Für Unternehmen geht es dabei nicht nur um die unmittelbare Gefährdung von Menschen und Standorten. Terroristische und sabotageähnliche Ereignisse können erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen, die in vielen Risikobetrachtungen noch immer unterschätzt werden.
Die wirtschaftliche Dimension bei Anschlägen wird oft übersehen
Deutschland gilt weiterhin als sicherer Wirtschaftsstandort. Gleichzeitig verdeutlichen aktuelle Ereignisse, dass Unternehmen heute in einem Umfeld operieren, das von geopolitischen Spannungen, hybriden Bedrohungen und einer zunehmenden Verwundbarkeit kritischer Infrastrukturen geprägt ist.
Dabei muss ein Terrorereignis nicht zwangsläufig ein spektakulärer Großanschlag sein, um erhebliche Folgen auszulösen. Bereits ein Angriff auf ein Industrieareal, ein Logistikzentrum oder eine Verkehrsinfrastruktur kann Lieferketten unterbrechen, Produktionsstillstände verursachen und zu erheblichen Sachschäden führen. Für Risikomanager, Finanzverantwortliche und Unternehmensleitungen stellt sich daher eine zentrale Frage: Sind diese Risiken im bestehenden Versicherungsschutz tatsächlich abgedeckt?
Der blinde Fleck vieler Sachversicherungsprogramme
Die Antwort überrascht viele Unternehmen: Schäden infolge von Terrorakten sind in Sachversicherungsverträgen grundsätzlich vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. Dieser Ausschluss ist historisch gewachsen und marktweit etabliert. In der Praxis führt er jedoch dazu, dass Unternehmen einen erheblichen Teil ihres Exposures möglicherweise unbewusst selbst tragen.
Besonders betroffen sein können Produktionsstandorte mit hohen Sachwerten, Logistik- und Distributionszentren, Unternehmen mit exponierten urbanen Standorten, Betreiber kritischer Infrastruktur und Unternehmen mit hoher Abhängigkeit von einzelnen Betriebsstätten.
Kommt es zu einem Terror- oder Sabotageereignis, stehen nicht nur beschädigte Gebäude oder Maschinen im Fokus. Häufig entstehen zusätzliche Belastungen durch Betriebsunterbrechungen, Umsatzausfälle und Störungen entlang der Wertschöpfungskette.
Terrorrisiken sind heute Teil eines modernen Enterprise Risk Managements
Die Diskussion über Terrorrisiken sollte daher nicht isoliert geführt werden. Vielmehr ist sie Teil einer umfassenden Betrachtung geopolitischer Risiken. Unternehmen analysieren heute selbstverständlich Cybergefahren, Naturkatastrophen oder Lieferkettenrisiken. Terror- oder Sabotagerisiken zählen zu den sogenannten Low-Frequency-High-Severity-Risiken: Ereignisse mit vergleichsweise geringer Eintrittswahrscheinlichkeit, aber potenziell erheblichen finanziellen Auswirkungen. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten kann ein einzelnes Großschadenereignis erhebliche Auswirkungen auf Liquidität, Investitionsfähigkeit und Geschäftskontinuität haben. Vorstände und Risikomanager sind deshalb gut beraten, bestehende Programme regelmäßig auf mögliche Deckungslücken zu überprüfen und die tatsächliche Risikotragfähigkeit des Unternehmens kritisch zu hinterfragen.
Nicht jedes Unternehmen benötigt eine vollumfängliche Terrorversicherung
Die Realität ist differenziert. Nicht jedes Unternehmen benötigt eine umfassende, eigenständige Terrorversicherung. Viele Unternehmen haben sich bislang bewusst gegen eine vollumfängliche Deckung entschieden, sei es aus Kostenüberlegungen oder aufgrund einer als gering eingeschätzten Exponierung. Für diese Unternehmen stellt sich jedoch zunehmend die Frage, ob ein vollständiger Ausschluss noch zeitgemäß ist.
Hier gewinnen ergänzende Lösungen an Bedeutung, die gezielt den im Sachversicherungsvertrag üblichen Ausschluss von Terrorschäden adressieren können. Solche Konzepte ermöglichen einen begrenzten, aber klar definierten Schutz für benannte Standorte und können eine sinnvolle Ergänzung bestehender Sachversicherungsprogramme darstellen. Versicherungsschutz kann dabei sowohl Sachschäden als auch Ertragsausfallschäden infolge von Terrorakten umfassen.
Mit „Terror Light“ bietet Aon eine ergänzende Lösung für Unternehmen, die die Deckungslücke zwischen klassischer Sachversicherung und einer umfassenden Terrorversicherung verringern möchten. Das Konzept richtet sich insbesondere an Unternehmen, die bislang auf eine eigenständige Terrorversicherung verzichtet haben und den in Sachversicherungsverträgen üblichen Ausschluss von Terrorschäden für benannte Versicherungsorte gezielt absichern wollen. Terror Light ist dabei bewusst als ergänzender, eingeschränkter Versicherungsschutz konzipiert und ersetzt keine vollumfängliche Terrorversicherung.
Resilienz beginnt mit Transparenz
In unsicheren geopolitischen Zeiten geht es für Unternehmen nicht darum, Alarmismus zu betreiben. Die Wahrscheinlichkeit eines Schadens bleibt für die meisten Organisationen weiterhin vergleichsweise gering. Professionelles Risikomanagement beschäftigt sich jedoch nicht primär mit Wahrscheinlichkeiten, sondern mit möglichen Auswirkungen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Welche finanziellen Konsequenzen hätte ein Terrorereignis für unser Unternehmen und in welchem Umfang wären wir tatsächlich abgesichert? Wer diese Frage heute nicht beantworten kann, sollte sie auf die Agenda der nächsten Versicherungs- und Risikoüberprüfung setzen.
Die geopolitischen Entwicklungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Risiken, die lange als theoretisch galten, schneller Realität werden können als erwartet. Daher ist es wichtig, Risiken realistisch zu bewerten und bestehende Deckungskonzepte regelmäßig auf ihre Belastbarkeit zu prüfen. Wer die eigene Exponierung kennt und mögliche Deckungslücken frühzeitig adressiert, schafft die Grundlage für mehr Resilienz in einem zunehmend volatilen Umfeld.
Terrorrisiken sind dabei kein Spezialthema mehr für einzelne Großkonzerne. Sie sind Teil einer modernen Risikobetrachtung und verdienen denselben nüchternen Blick wie Cyber-, Naturkatastrophen- oder Lieferkettenrisiken. Aon unterstützt Sie gerne dabei, bestehende Deckungskonzepte zu überprüfen und mögliche Absicherungslösungen für Terror- und Sabotagerisiken zu bewerten.
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