Hier schreiben regelmäßig Aon Expertinnen und Experten zu aktuellen Entwicklungen in den Themenfeldern Risk Capital und Human Capital. Mit diesen Informationen und Erkenntnissen können Führungskräfte bessere Entscheidungen für ihr Unternehmen treffen.

Lieferketten: Warum Resilienz zum Wettbewerbsfaktor wird
Effizienz war lange das Leitprinzip globaler Lieferketten. Doch in einer Welt geopolitischer Spannungen, Cyberrisiken, Extremwetterereignisse und wachsender regulatorischer Anforderungen reicht Effizienz allein nicht mehr aus. Lieferketten sind heute komplexe Netzwerke. Störungen können sich schnell über Lieferanten, Standorte, Transportwege und digitale Dienstleister fortsetzen und Produktion, Kosten und Wachstum nachhaltig beeinträchtigen. Der Aon Marktreport 2026 macht deutlich: Unternehmen müssen deshalb nicht nur einzelne Risiken kennen, sondern vor allem ihre kritischen Abhängigkeiten und mögliche Kumulrisiken beurteilen.
Entscheidend ist Transparenz:
- Welche Lieferanten sind für die eigene Wertschöpfung unverzichtbar?
- Wo bestehen Single-Source-Abhängigkeiten?
- Welche Standorte, Transportwege oder digitalen Dienste sind besonders exponiert?
- Wo können Risiken kumulieren?
- Welche finanziellen Auswirkungen hätte der Ausfall eines dieser kritischen Knotenpunkte?
Supply-Chain-Mapping, Szenarioanalysen und die Quantifizierung möglicher finanzieller Auswirkungen schaffen die Grundlage, um diese Fragen belastbar zu beantworten. Erst wenn Unternehmen ihre kritischen Abhängigkeiten kennen, können sie gezielt entscheiden, wo sie Risiken reduzieren, selbst tragen oder transferieren wollen.
Damit wird die Steuerung von Lieferketten nicht nur zu einer operativen Aufgabe, sondern zu einer Frage von Wachstum, Kapital und unternehmerischer Handlungsfähigkeit.
Resilienz braucht mehr als Versicherung
Diversifizierung von Lieferanten, alternative Transportwege, Sicherheitsbestände sowie belastbare Notfall- und Wiederanlaufpläne können die Widerstandsfähigkeit erhöhen. Bei digitalen Abhängigkeiten kommen klare Mindeststandards für Dienstleister, Meldepflichten, Back-ups und getestete Notfallprozesse hinzu. Gleichzeitig müssen Risiken kontinuierlich beobachtet werden, denn Exponierungen verändern sich über Zeit. Analytics, Szenarien und Frühwarnsysteme können externe Risikosignale mit der eigenen Risikolage verbinden und damit ein schnelleres Gegensteuern ermöglichen.
Versicherung bleibt dabei weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Risikostrategie. Sie kann finanzielle Folgen abfedern, aber eine unterbrochene Lieferkette oder einen ausgefallenen Schlüsselzulieferer nicht ersetzen. Deshalb braucht es ein synchronisiertes Zusammenspiel der wesentlichen Elemente Prävention, Resilienzmaßnahmen, Eigentragung und Risikotransfer.
Das aktuelle Marktumfeld bietet Chancen
Der Aon Marktreport 2026 beschreibt in mehreren Sparten ein kundenfreundliches beziehungsweise wettbewerbsintensives Versicherungsumfeld, unter anderem in der industriellen Sachversicherung und im Cybermarkt. Für Unternehmen eröffnet das die Chance, Programme, Limite und Bedingungen zu überprüfen und gleichzeitig die Prävention und Resilienz weiterzuentwickeln.
Das aktuelle Marktumfeld sollte gezielt genutzt werden, um Risikotransfer und Resilienz beiderseitig zu optimieren. Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur: „Ist meine Lieferkette versichert?“ Sondern: „Kennen und beherrschen wir unsere kritischen Abhängigkeiten?“
Unternehmen, die Risiken transparent machen, finanzielle Auswirkungen quantifizieren und Prävention, Monitoring, Eigentragung und adäquaten Risikotransfer miteinander verbinden, schaffen mehr als Versicherungsschutz: Man gewinnt Handlungsspielräume und stärkt die Fähigkeit, auch unter veränderten Rahmenbedingungen leistungs- und entscheidungsfähig zu bleiben.
Genau darin liegt aus unserer Sicht der strategische Wert einer resilienten Lieferkette.
Weiterführende Informationen
Den vollständigen Aon Marktreport 2026 finden Sie auf aon.de.
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