Hier schreiben regelmäßig Aon Expertinnen und Experten zu aktuellen Entwicklungen in den Themenfeldern Risk Capital und Human Capital. Mit diesen Informationen und Erkenntnissen können Führungskräfte bessere Entscheidungen für ihr Unternehmen treffen.

Aon Human Capital Online Series: Financial Wellbeing als strategischer Erfolgsfaktor für Unternehmen
Finanzielle Sicherheit ist längst nicht mehr nur eine private Angelegenheit der Mitarbeitenden. Aktuelle Studien zeigen deutlich, dass finanzielle Sorgen von Beschäftigten zu den größten Stressfaktoren im Arbeitsalltag zählen und zu geringerer Arbeitsleistung, mehr Fehlzeiten und erhöhter Ablenkung am Arbeitsplatz führen können. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zählen für fast die Hälfte aller Arbeitnehmenden finanzielle Sorgen zu den größten Hauptstressfaktoren – mit Auswirkungen auf Produktivität und Lebensqualität.
Für Unternehmen ergibt sich daraus ein klarer Handlungsauftrag: Financial Wellbeing – der Zustand finanzieller Sicherheit, Stabilität und Zufriedenheit eines Menschen – sollte als integraler Bestandteil der Personalstrategie verstanden werden. Denn Mitarbeitende ohne finanzielle Sorgen sind weniger gestresst, gesünder und engagierter. Angebote rund um Financial Wellbeing steigern außerdem die Arbeitgeberattraktivität und die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens. Es empfiehlt sich daher für Unternehmen, ein passendes Vorsorgekonzept zu entwickeln, das Mitarbeitenden attraktive Angebote rund um betriebliche Alters- und Krankenversorgung sowie Lebensversicherung anbietet. Eine zielgerichtete interne Kommunikation rund um entsprechende Services sollte dabei nicht vergessen werden.
Was bei der betrieblichen Altersversorgung gefragt ist
Das wohl wichtigste finanzielle Benefit ist für Beschäftigte eine betriebliche Altersversorgung (bAV). Klassische Modelle reichen hier heute aber oft nicht mehr aus, um den unterschiedlichen Lebenssituationen und Erwartungen der Mitarbeitenden gerecht zu werden. Während nur ein kleiner Teil der Beschäftigten von leistungsorientierten Rentenmodellen profitiert, wünschen sich viele eine Kombination aus Sicherheit und Renditechancen. Besonders gefragt sind flexible Renten und Auszahlungsmöglichkeiten sowie Produkte, die Kapitalmarktopportunitäten nutzen. Ein weiteres zentrales Thema ist die automatische Entgeltumwandlung. Mehr als zwei Drittel der Mitarbeitenden stehen diesem Modell positiv gegenüber, da es den Einstieg in die Altersvorsorge erleichtert und Hemmschwellen abbaut.
Frauen und betriebliche Vorsorge: Bestehende Lücken gezielt schließen
Ein kritischer Blick auf die betriebliche Altersversorgung zeigt weiterhin deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Frauen haben ca. 40 Prozent weniger Renteneinkünfte als Männer: Teilzeitbeschäftigung, Erwerbsunterbrechungen und Pflegezeiten wirken sich auch auf die Vorsorge aus. 41 Prozent der im Sommer 2025 von Aon befragten Beschäftigten nehmen diese Benachteiligung auch bewusst so wahr. Unternehmen können hier aktiv gegensteuern, indem sie faire Ausgleichsmechanismen schaffen und Vorsorgemodelle an unterschiedliche Erwerbsbiografien anpassen. Eine geschlechtersensible Gestaltung der Benefits ist nicht nur ein Beitrag zur sozialen Verantwortung, sondern stärkt auch die Glaubwürdigkeit der Arbeitgebermarke.
Marktveränderungen in der Lebensversicherungsbranche
Auch die Lebensversicherungsbranche hat in den vergangenen Jahren einen spürbaren Wandel durchlaufen. Die Entwicklung verschiebt sich zunehmend hin zu renditeorientierten Produkten, die die Chancen am Kapitalmarkt gezielt nutzen – und dieser Trend hält unvermindert an. Besonders gefragt sind dabei moderne Mehrtopf-Konzepte. Sie kombinieren Sicherheit mit Kapitalmarktorientierung und machen so die Vorteile des Kapitalmarkts besser nutzbar. Schon heute setzt ein großer Teil der Unternehmen mit versicherungsförmiger bAV auf dieses Produktangebot. Für Unternehmen entsteht so die Chance, zeitgemäße und zugleich verlässliche Vorsorgelösungen anzubieten und sich als moderner Arbeitgeber zu präsentieren.
Risikovorsorge und betriebliche Krankenversicherung als Mehrwert
Neben der Altersvorsorge gewinnen zusätzliche Risikovorsorge und die betriebliche Krankenversicherung zunehmend an Bedeutung. Ein separat von der Altersvorsorge gestalteter Risikoschutz bietet dabei hohe Flexibilität – insbesondere bei der Absicherung von Berufsunfähigkeit sowie Todesfall. Der Verzicht auf Gesundheitsprüfungen und eine zügige Leistungsabwicklung steigern die Attraktivität für Mitarbeitende und entlasten Arbeitgeber zugleich bei den Kosten der Lohnfortzahlung. Auch betriebliche Krankenversicherung ist auf dem Vormarsch. Es stellt eine sinnvolle Ergänzung zur privaten und gesetzlichen Krankenversicherung dar und ermöglicht Unternehmen eine aktivere Rolle in der Stärkung der Gesundheit und Resilienz ihrer Mitarbeitenden einzunehmen.
Ganzheitliche Vorsorgekonzepte erfolgreich gestalten
Ein wirkungsvolles Vorsorgekonzept beginnt mit einer fundierten Analyse der bestehenden Vorsorgelandschaft. Unternehmensziele, Belegschaftsstruktur und Rückmeldungen der Mitarbeitenden sollten dabei gleichermaßen einfließen. Auf dieser Basis lassen sich klare Prioritäten definieren, etwa Kostenreduktion, Ressourcenschonung oder die Steigerung der Arbeitgeberattraktivität.
In der Umsetzungsphase ist es wichtig, einen klaren Dotierungsrahmen zu definieren, die rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen sorgfältig zu prüfen und passende Partner auszuwählen. Anschließend sollte eine Kommunikationsstrategie entwickelt werden, auf deren Grundlage die Mitarbeitenden verständlich und gezielt informiert werden.
Grundsätzlich gilt: Ein strategisches Monitoring und klare Governance-Strukturen sichern langfristig den Erfolg. Darüber hinaus schaffen regelmäßige Überprüfungen und Analysen der Teilnahmequote sowie transparente Berichterstattung Vertrauen.
Die Bedeutung von Kommunikation in der Vorsorge
Die bereits erwähnte Kommunikationsstrategie ist wesentlich für den Erfolg des Vorsorgekonzeptes. Mitarbeitende sollen regelmäßig informiert werden und zu unterschiedlichen Zeitpunkten Ihrer Beschäftigung adäquat abgeholt werden. Nur mit einer strategisch gestalteten Kommunikation lassen sich die Aufklärung der Mitarbeitenden, steigende Teilnahmequote und Durchdringung sowie die damit resultierende Vorsorge realisieren.
Financial Wellbeing als Zukunftsthema
Financial Wellbeing ist weit mehr als ein Zusatzangebot. Es ist ein strategischer Hebel für nachhaltigen Unternehmenserfolg. Wer Vorsorge und Gesundheit ganzheitlich denkt, schafft einen Mehrwert für Mitarbeitende und das Unternehmen gleichermaßen. Entscheidend sind dabei individuelle Lösungen, transparente Kommunikation und die Bereitschaft bestehende Benefits regelmäßig zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.
Hier finden Sie die Aufzeichnung unseres Webinars zum Thema The Aon Human Capital Online Series 2025 – Session 6-20251028 1000-1 – Webex, das im Rahmen der Human Capital Online Series stattfand.





