Hier schreiben regelmäßig Aon Expertinnen und Experten zu aktuellen Entwicklungen in den Themenfeldern Risk Capital und Human Capital. Mit diesen Informationen und Erkenntnissen können Führungskräfte bessere Entscheidungen für ihr Unternehmen treffen.

bAV-Konzepte neu denken: Warum Standardlösungen nicht mehr ausreichen
Die betriebliche Altersversorgung (bAV) zählt für viele Beschäftigte weiterhin zu den wichtigsten Zusatzleistungen ihres Arbeitgebers. Gleichzeitig zeigen aktuelle Erkenntnisse aus der jüngsten Aon‑Arbeitnehmerbefragung, dass sich Erwartungen, Sicherheitsverständnis und Informationsbedürfnisse deutlich verändern. Für Arbeitgeber bedeutet das: bAV-Konzepte müssen weitergedacht werden – strategisch, differenziert und mit Blick auf unterschiedliche Zielgruppen.
Sicherheit bleibt wichtig – aber sie wird neu definiert
Garantien spielen weiterhin eine zentrale Rolle, weil sie Vertrauen und Planbarkeit schaffen. Gleichzeitig ist ein Wandel erkennbar: Vor allem jüngere Beschäftigte sind eher bereit, auf einen Teil klassischer Sicherheiten zu verzichten, wenn ihnen dafür realistische Chancen auf höhere Leistungen eröffnet werden. Entscheidend ist dabei nicht das „Ob“, sondern das „Wie“: Transparenz über Chancen, Risiken und Kosten wird zur Voraussetzung für Akzeptanz. Sicherheit heißt heute mehr denn je auch, nachvollziehbare Entscheidungen treffen zu können.
Sozialer Ausgleich für besondere Lebensphasen
Ein weiterer zentraler Befund betrifft den Wunsch, in der bAV Nachteile auszugleichen, die sich aus bestimmten Lebensphasen ergeben – etwa durch Elternzeiten, Pflege von Angehörigen oder längere Teilzeitphasen. Übliche Pensionspläne sehen häufig keinen gesonderten Umgang mit unterschiedlichen Erwerbsbiografien vor und schreiben damit bestehende Ungleichheiten fort. Vor dem Hintergrund des auch dadurch unverändert bestehenden Gender Pension Gap wächst bei den in der Aon-Studie befragten Arbeitnehmenden die Erwartung, dass Pensionspläne solche Brüche gezielt berücksichtigen. Bemerkenswert ist dabei die Bereitschaft vieler Beschäftigter, Ausgleichsmechanismen zu unterstützen – selbst dann, wenn diese im Ergebnis zu Abstrichen bei der individuellen Leistung führen. Entscheidend ist aus Sicht vieler Fairness über den gesamten Lebensverlauf hinweg.
Opting-out: großes Potenzial, komplexe Umsetzung
Eine automatische Einbeziehung von Mitarbeitenden in die bAV („Opting-out“) wird von vielen Beschäftigten positiv bewertet – unabhängig von Einkommen oder Alter. In der Praxis bleibt die Umsetzung jedoch anspruchsvoll. Zwar adressiert das geplante zweite Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG II) dieses Thema, doch nicht alle Unternehmen können die vorgesehenen Modelle nutzen. Umso wichtiger ist es, individuelle, rechtssichere Lösungen zu entwickeln, die zur jeweiligen Unternehmensrealität passen und die Verbreitung der bAV nachhaltig fördern.
Wissen schafft Vertrauen: Kommunikation als Schlüsselfaktor
Ein zentrales Ergebnis der Befragung ist, dass Informationsmaterial allein nicht ausreicht. Beschäftigte erwarten Orientierung, Einordnung und persönliche Ansprache. Wer versteht, wie seine Altersversorgung funktioniert, kann fundierter entscheiden – und bringt dem System mehr Vertrauen entgegen. Beratung, digitale Zugänge und klare Kommunikation werden damit zu integralen Bestandteilen moderner Versorgungswerke und nicht zur bloßen Flankierung.
Fazit: bAV als strategisches Gestaltungsfeld
Betriebliche Altersversorgung ist längst mehr als ein Pflichtangebot oder ein reines Vorsorgethema. Richtig gestaltet, unterstützt sie Arbeitgeber dabei, Attraktivität, Bindung und soziale Verantwortung miteinander zu verbinden. Das setzt voraus, bestehende Versorgungswerke regelmäßig zu überprüfen – und den Mut zu haben, sie weiterzuentwickeln. Nicht radikal, sondern passgenau. Und immer mit Blick auf die Menschen, für die sie gedacht sind.
Hier können Sie die bAV-Studie 2025 von Aon herunterladen.
Das Kunden-Webinar zum Thema „Erfolgreiches Recruiting und Retention – bAV-Kommunikation als Schlüssel“ können Sie hier ansehen.





