Wie politische Risiken im Schatten von Covid-19 den Unternehmenserfolg gefährden

Die globale Bekämpfung der Covid-19-Pandemie scheint derzeit alles zu überlagern. Andere Risiken treten in den Hintergrund, sind aber nicht verschwunden. Im Gegenteil: die Gefährdungslage steigt zunehmend, weil Regierungen staatliche Eingriffe auch in das Wirtschaftsleben unter dem Corona-Deckmantel leichter „legitimieren“ und umsetzen können. Insofern wirkt die Viruspandemie als Brandbeschleuniger und erhöht politische Risiken spürbar. Die Folgen sind unverkennbar: Steigende Armut, verstärkte Flüchtlingsbewegungen, erhöhte Unsicherheiten.

Faktisch gibt es keine sicheren großen Industriestaaten, sogenannte Blue-Chip-Länder, mehr. Selbst Strukturen, die bislang als sicher galten, wurden und werden grundlegend erschüttert. Dies zeigen die Risk Maps 2020. Aon gibt diese Übersicht zusammen mit der Risk Advisory Group und Continuum Economics seit mehr als 20 Jahren heraus. Über die Veränderungen können sich Unternehmen kostenlos via Newsletter regelmäßig informieren.

Politische Risiken steigen nicht nur in Schwellen- und Entwicklungsländern

Die Autoren der Risk Maps erwarten, dass drei von fünf entwickelten Volkswirtschaften künftig mit Streiks und zivilen Unruhen konfrontiert werden. Gleichzeitig könnten instabile Länder Brandherde für neue Konflikte und Unruhen werden. Ebenso ist es möglich, dass der Handelskrieg zwischen den USA und China einen globalen Kollaps verursacht. Wachsenden Gefahren sieht sich die Wirtschaft auch durch rechtsextremen Terror, Angriffe mit Drohnen auf den Flugverkehr, Sanktionen, Enteignungen und Währungsschwankungen ausgesetzt. Vielfach gelten diese Risiken gleichermaßen für Industriestaaten ebenso wie für Schwellen- und Entwicklungsländer.

Probleme zeigen sich immer wieder bei Exporttransaktionen, indem Regierungen Ein- oder Ausfuhrlizenzen zurücknehmen, Grenzen sperren oder die Ausfuhr von Devisen untersagen. Will ein Kunde dann beispielsweise Forderungen aus Exportgeschäften begleichen, kann er die Geldzahlungen wegen Devisenmangels weder konvertieren noch transferieren. Die Folge: Exporteure erleiden Zahlungsausfälle, weil die Transaktionen nicht ausgeführt werden können. Mit demselben Risiko sehen sich Investoren im Hinblick auf ihre Gewinn- oder Dividendenausschüttungen konfrontiert.

Staatliche Willkür kann sich negativ auf die Bilanz auswirken

Im Zuge von inneren Unruhen und politischer Gewalt können Vermögenswerte durch Enteignungen und willkürliche Gerichts- und Ermittlungsverfahren akut gefährdet sein. Dabei spielt es keine Rolle, ob mit den Auslandsinvestitionen Standorte errichtet, Lagerbestände geschaffen oder ein Joint Venture gegründet wurde. Infolge solcher autokratischen Maßnahmen stehen die bilanziellen Buchwerte der betreffenden Assets plötzlich quasi im Feuer. Auch die zuvor angesprochenen Zahlungsausfallrisiken können entsprechend negativ auf die Unternehmensbilanz durchschlagen.

Mit staatlicher Willkür ist nicht nur auf den fernen Auslandsmärkten zu rechnen. Sozusagen vor der Haustür machten Unternehmen in jüngster Zeit besonders bei europäischen Infrastrukturprojekten mit öffentlich-rechtlichen Geschäftspartnern ähnliche Erfahrungen. So mussten Investoren beispielsweise bei Erneuerbare-Energien-Anlagen hinnehmen, dass die vereinbarte Einspeisevergütung nicht in voller Höhe ausbezahlt wurde. Angestrebte Renditeziele werden so schnell zur Makulatur.

Politische Risiken gefährden damit zusehends im Schatten von Covid-19 den betrieblichen Erfolg. Unternehmen sollten daher prüfen, in welchem Maße ihre Auslandsaktivitäten und Liquidität betroffen sind. Ebenso sollten die bilanziellen Auswirkungen betrachtet und frühzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen. Die Aon Experten stehen im Rahmen des Risikomanagements bei der Erarbeitung eines individuellen Schutzkonzeptes auch hier partnerschaftlich zur Seite.

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Silja-Leena Stawikowski
Senior Consultant – Credit Solutions
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