Wie lässt sich im verhärteten Versicherungsmarkt an der Preisschraube drehen?

Weltweit klagen Versicherer seit einigen Jahren über teils herbe Verluste bei Sach- und Betriebsunterbrechungsversicherungen. Die Gründe sind unter anderem ein zunehmender Wettbewerb, aber auch ein erhöhtes Schadenaufkommen aufgrund von Naturkatastrophen. Ulrich Wepler, Strategic Account Manager bei Aon Risk Solutions, zeigt im Interview auf, welche Handlungsoptionen es für Unternehmen gibt, um Prämienerhöhungen abzumildern oder gar zu vermeiden.

Was können Unternehmen tun, um starken Prämienerhöhungen entgegenzuwirken?

Zunächst ist es ratsam, dass sich Kunden intensiv mit dem eigenen Unternehmensrisiko auseinandersetzen. Denn der individuelle Versicherungsbedarf – mit Blick auf fehlende Kapazitäten inklusive der Naturkatastrophen, Rückwirkungsschäden, versicherte Gefahren etc. – und der Brandschutz sind in den Gesprächen mit den Versicherern von enormer Bedeutung. Der Dialog mit dem derzeitigen Versicherer ist dabei immer die erste Wahl.

Eine Ausschreibung auf jede Mehrprämienforderung kann sowohl zu Kapazitätsproblemen führen als auch mit der Gefahr verbunden sein, dass Prämienforderungen noch weiter erhöht werden. Nichtsdestotrotz bleibt die Möglichkeit, Leistungen und Preise von verschiedenen Versicherern zu vergleichen und ein Anbieterwechsel ins Kalkül zu ziehen. Da aber die Versicherer bei einem verhärteten Markt vergleichbare Underwriting-Vorgaben haben, wird es schwierig, hier zum Erfolg zu kommen. Deshalb ist es umso wichtiger, Ausschreibungen für ein Versicherungsprogramm professionell vorzubereiten und mit den Versicherern in den Dialog zu treten, um die betriebliche Risikosituation transparent und offen darzustellen.

Welchen Ansatzpunkt haben Unternehmen im Dialog mit dem Versicherer?

Es gilt das Motto: Kein Schaden ist der beste Schaden. Prävention bleibt daher ein zentraler Ansatzpunkt, um eine überdurchschnittliche Prämienerhöhung zu vermeiden. Dabei geht es insbesondere um den technischen und organisatorischen Brandschutz. Investitionen, wie zum Beispiel für den Einbau einer Sprinkleranlage, lassen sich so zwar nicht kompensieren. Aber sie leisten einen Beitrag zur Schadenverhinderung, an welcher dem Unternehmen, der Versicherung und uns als Berater gleichermaßen gelegen ist.

Welche Stellschrauben gibt es beim Versicherungsschutz selbst?

Als erstes sind hier die vereinbarten Versicherungssummen zu nennen. Das gilt gerade hinsichtlich der Elementardeckungen, für die nur limitierte Summen beziehungsweise Kapazitäten von den Versicherern bereitgestellt werden. Oftmals sind die sogenannten Höchstentschädigungssummen für die einzelnen Naturgefahren gerade hinsichtlich der Regionalität nicht mehr risikogerecht und individuell gewählt. Für die Versicherer stellen diese Summen aber gerade angesichts der Schadenhäufungen einen sehr relevanten Faktor bei der Prämienermittlung dar.

Und zweitens?

Unternehmen können Selbstbehalte anheben und so die Absicherung von Worst-Case-Szenarien in den Fokus rücken. Dann prüfen unsere Spezialisten gemeinsam mit dem Unternehmen, in welchem Ausmaß es die erhöhten Risiken selbst tragen kann, damit es im Ernstfall nicht in eine existenzielle Schieflage geraten würde.

Gibt es Alternativen, die nicht auf Versicherungslösungen setzen?

Ja, große Unternehmen können einen eigenen Versicherer gründen. Diese sogenannten Captives müssen mit ausreichend Kapital hinterlegt werden. Zudem unterliegen sie – je nach Standort – der Kontrolle der lokalen Aufsichtsbehörde. Aber im Gegenzug kann das Unternehmen deutlich flexibler agieren und profitiert teilweise von steuerlichen Vorteilen. Einige deutsche Konzerne gehen diesen Weg bereits seit vielen Jahren. In dieser verhärteten Marktphase liebäugeln auch mittelständische Unternehmen zusehends damit. Da die Umsetzung nicht nur finanziell aufwendig ist, bietet Aon dem Mittelstand die Möglichkeit, eine Captive quasi zu mieten. Diese Option stößt zunehmend auf Interesse.

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Ulrich Wepler
Strategic Account Manager - Global Clients