Überstunden & Burn-out in der Finanzbranche – Risiken managen und Resilienz fördern

Lesezeit: 6 Minuten

Die neue Normalität ist eingeläutet. Auch wenn die Pandemie noch nicht überstanden ist, sind wir angekommen in der „Welt nach Corona“. Wir haben gelernt neben dem Virus zu existieren, soziales Leben findet wieder statt, Reisen nehmen wieder Fahrt auf und auch die traditionelle Arbeitswelt hat sich reorganisiert und ihren neuen Alltag gefunden. Inzwischen hat sich längst gezeigt, dass Homeoffice und Remote Working keine reinen Übergangslösungen darstellten, sondern sich viel mehr – geboren in der Not – als gängige Praxis etabliert haben. Neben zahlreichen Vorteilen wie einer höheren Flexibilität und einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie, zeigen sich aber auch hier Schattenseiten. Denn die Menschen arbeiten heute mehr und mehr isoliert, soziale Interaktionen im Berufsleben fehlen, private und berufliche Grenzen verschwimmen und eine zum Beispiel in der Finanzbranche meist ohnehin schon vorhandene Überstundenkultur verschärft sich in unkontrollierbarem Maße. Der psychische Druck auf den Menschen steigt. Unternehmen sehen sich nunmehr mit neuen Risiken konfrontiert; und einige davon gefährden auch die Resilienz ihrer Belegschaft, deren Grundlage auf gesunden und leistungsfähigen Mitarbeitenden fußt.

Der Mensch im Fokus: Unternehmen müssen bestehende Wellbeing-Strategien überprüfen

Was sind die zukünftigen Arbeitstrends und wie effektiv sind die vorhandenen Maßnahmen, Unterstützungsleistungen und Benefits diesbezüglich überhaupt noch? Diese Frage sollte sich jeder Arbeitgeber heute stellen, um nicht nur die körperliche, sondern auch die psychische Gesundheit seiner Mitarbeitenden zu gewährleisten. Dabei stehen Unternehmen heute vor der nicht zu unterschätzenden Herausforderung, das Wellbeing ihrer Mitarbeitenden „remote“ zu managen. In einer 2021 durchgeführten Studie untersuchte Aon diesbezüglich, wie auf den Menschen zugeschnittene Lösungen Führungskräften dabei helfen können, Resilienz für die Zukunft der Arbeit aufzubauen, eine Belegschaft zu schaffen, die aktuellen Herausforderungen gewappnet und in der Lage ist, auch künftigen Schwankungen die Stirn zu bieten. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen deutlich, dass die psychische Gesundheit von Mitarbeitenden während der Pandemie – als Sorgen vielfach um die Themen Gesundheit, Finanzen, Isolation, Arbeit und Familie kreisten – zu den größten Risiken für Unternehmen gehörte.

Die Top 3 der Wellbeing-Risiken für Unternehmen:

Quelle: Aon’s 2021 Global Wellbeing Survey

Die Belastbarkeit von Unternehmen steht und fällt mit der Resilienz der Belegschaft

Die Zunahme von Depressionen und Angstzuständen bei Mitarbeitenden während der Pandemie1 ist kein individuelles Problem der Betroffenen. Sie gefährdet auch die Resilienz des gesamten Unternehmens und ist bei langfristigen Erkrankungen kostspielig für den Arbeitgeber. Aktuelle Entwicklungen wie die Energiekrise und die Inflation dürften diesen Zustand in erheblichem Maße verschärfen. Arbeitgeber müssen daher eine aktive Rolle der Fürsorge übernehmen und ihre Mitarbeitenden umfassend schützen. Auf diese Weise sichern sie ihren Betrieb nachhaltig, insbesondere auch vor dem Hintergrund des weltweit herrschenden Fachkräftemangels. So zeigte auch die im Jahr 2020 von Aon durchgeführte Studie Rising Resilient, dass rund 79 Prozent der Beschäftigten, die sich in ihrem Job sicher fühlen, in absehbarer Zukunft bei ihrem Arbeitgeber bleiben.2 Hier besteht jedoch Verbesserungspotenzial. Denn immerhin fast dreiviertel der Angestellten in der Finanzbranche finden, dass ihr Arbeitgeber mehr für ihr Wellbeing tun sollte.3 Doch wie gelingt Unternehmen eine funktionierende Risikomanagementstrategie hinsichtlich operationeller und menschlicher Risiken in Zeiten von neuen und flexiblen Arbeitsformen?

Klar ist: Es braucht heute mehr als nur Gehalt und klassische Benefits, um das körperliche, soziale, emotionale, berufliche und finanzielle Wellbeing von Mitarbeitenden ganzheitlich zu unterstützen.

Eine Wellbeing-Strategie, die sich auszahlt

Wie wichtig Fürsorge unabhängig von finanziellen Aspekten ist, bestätigen rund 88 Prozent der resilienten Arbeitnehmenden.2 Sie geben an, dass ihre Arbeitgeber ihnen die Möglichkeit einräumen, sich auch um ihre persönlichen Belange zu kümmern. Ein weiterer wichtiger Faktor sind außerdem die Führungskräfte. Viele Unternehmen sehen ihre Pflicht erfüllt, wenn sie ihre Führungsverantwortlichen mit entsprechenden Schulungen ausstatten, überprüfen aber nicht, ob das Gelernte in der Belegschaft auch tatsächlich Anwendung findet. Hier ist es nicht damit getan, leitende Angestellte theoretisch dazu zu befähigen, sich um die Belange einzelner Mitarbeitenden zu kümmern. Denn wie die aktuelle Studienlage zeigt, liegen zwischen Theorie und Praxis häufig Welten. Es gilt daher heute, die Auswahl von Führungskräften weniger an finanzielle Leistungen zu koppeln, sondern vielmehr Personen mit Führungs-, Kommunikations- und Kooperationsfähigkeiten einzustellen. Die richtigen Führungskräfte verfügen über Eigenschaften wie mentale Ausdauer, Lernfähigkeit und Durchsetzungsvermögen und können die Arbeitsleistung um 20 Prozent anheben.4 Diese Führungskräfte sollten zudem Einfühlungsvermögen besitzen und die Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden erkennen, Probleme identifizieren und Lösungen entwickeln. Mitarbeitende müssen wiederum Vertrauen in ihre Führungsverantwortlichen haben, sodass sie nicht davor scheuen, bei Problemen und Sorgen mit diesen zu sprechen. Neben allen angebotenen Leistungen spielt Kommunikation eine weitere zentrale Rolle. Unternehmen müssen transparent über ihre Angebote informieren und Aufklärungsarbeit leisten, denn viele Mitarbeitende wissen nicht, was sie von ihrem Arbeitgeber erwarten dürfen und denken bei Benefits ausschließlich an Altersvorsorge.

Best Practice: Praxistipps für die Wellbeing-Extrameile

Immerhin rund 41 Prozent der befragten Unternehmen im Finanzdienstleistungssektor bieten ihren Mitarbeitenden bereits Unterstützung beim Thema mentale Gesundheit.5 Dafür nutzen sie entsprechende Programme, die bei der Einstufung psychischer Schwierigkeiten helfen und Mitarbeitende trainieren, Probleme wie Burn-Out zu adressieren, bevor sie eskalieren. Darüber hinaus sollen diese Programme eine Kultur des Mitgefühls aufbauen, etwa indem sie Mitarbeitende dazu befähigen, Probleme im Kollegium zu erkennen und zu reagieren. Weitere bewährte Maßnahmen von Aon-Kunden:

  • Unterstützung von gesundheitsförderndem Verhalten zur Bewältigung beruflicher und privater Herausforderungen
  • E-Learning Kurse, z. B. zum Thema Burn-out, um ein Bewusstsein für das eigene Risiko zu entwickeln
  • Bereitstellung vertraulicher und kostenloser externer Beratungsdienste
  • Virtueller Zugang zu Telemedizin für Behandlung ohne Verzögerung
  • Aufbau von Ersthelferprogrammen, die das Bewusstsein für psychische Erkrankungen schärfen, Interventionen fördern und Stigmata abbauen
  • Schulungsangebote für Techniken im Umgang mit Stress, z. B. Achtsamkeit und Meditation
  • Ernährungsberatung, Gewichtsmanagementprogramme & Online-Fitnesskurse
  • Hypothekenberatung, z. B. wenn Partner oder Partnerin aufgrund einer Krise arbeitslos wird
  • Beratungsangebot über mentale Gesundheit von Kindern, da diese häufig immens unter Krisen leiden

Aon unterstützt Unternehmen auf dem Weg zu einer besseren Resilienz

Als führendes, globales Unternehmen für Beratungs- und Gesundheitslösungen kennt Aon die Herausforderungen der Zeit und hilft Unternehmen dabei, individuelle Verbesserungspotenziale aufzudecken und eine nachhaltige Resilienz zu entwickeln. Über das Resilienz-Selbstbewertungs-Tool von Aon erhalten Unternehmen zunächst einen unmittelbaren Einblick in die Resilienz ihrer Belegschaft. Im Anschluss beraten die erfahrenen Aon-Expertinnen und Experten Interessierte gerne in einem persönlichen Gespräch zu geeigneten Maßnahmen, die den Fokus immer auf den Menschen richten.


Quellen:

1: Abbott, A. COVID’s mental-health toll: how scientists are tracking a surge in depression, Nature. 03/02/2021

2: Aon’s Rising Resilient report, 03/2020

3: Perryer, S. Mental health issues are becoming more prevalent in the financial services sector, World Finance, 29/04/2019

4: Ramachandran, V. Stanford researchers identify four causes for ‘Zoom fatigue’ and their simple fixes , Stanford News. 23/02/21

5: Aon’s 2021 Global Wellbeing Survey

 

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Ansprechpartner

David Göllner
Account Manager | Health Solutions | Aon
+49 89 52305-5139

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