Trotz positiver Vorzeichen – Warum Unternehmen aktuell ihre Liquidität erhöhen sollten

Liquiditätskennzahlen haben in der Corona-Krise an Bedeutung gewonnen und stehen im besonderen Fokus von Banken, Kreditversicherern und Ratingagenturen. Bereits seit Beginn des Lockdowns galt es, Umsatzeinbußen, etwa durch Betriebsunterbrechungen oder durch schwächelnde Absatzmärkte, mit der kurzfristig verfügbaren Liquidität auszugleichen. Die Logik ist denkbar einfach: Je mehr Liquidität einem Betrieb zur Verfügung steht, desto länger ist der Zeitraum, der überbrückt werden kann.

Aus mehreren Gründen ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, um sich mit zusätzlicher temporärer Liquidität zu beschäftigen:

  • Liquiditätsreserven sind nunmehr vielfach aufgebraucht und Kosteneinsparungspotenziale weitestgehend ausgeschöpft.
  • Die ersten staatlichen liquiditätswirksamen Hilfsmaßnahmen für die Wirtschaft laufen zeitgleich aus.
  • Mit einem Anstieg der Insolvenzen – und damit der liquiditätsrelevanten Forderungsausfälle – muss spätestens nach der Rückkehr zum Regelinsolvenzrecht in 2021 gerechnet werden.
  • Die Sommer- und Urlaubszeit führt nun wieder zu mehr Neuinfektionen, ob durch Reiserückkehrer, Erntehelfer oder Tourismusbeschäftigte. Zudem fahren viele Wirtschaftszweige die Produktion bzw. Büroarbeit wieder hoch. Mit erneuten, regional unterschiedlich starken Einschränkungen oder auch mit Betriebsschließungen muss daher jederzeit gerechnet werden.
  • Zudem ist ein zaghafter Anstieg von Kreditkonditionen und die zunehmende Verknappung von Kapazitäten am Markt zu beobachten. Dies resultiert zum einen aus der geänderten Rückversicherungssituation der Banken und zum anderen aus den gesteigerten Bonitätsanforderungen an die Kreditvergabe durch die Baseler Bankenregulierung, die sich nun in der Krise entsprechend auswirken.
  • Kreditversicherer und Ratingagenturen wollen, nach eigener Aussage, auf absehbare Zeit wieder in den “Normalmodus“ umschalten. Die Ergebnisse des laufenden Jahres 2020 sollte dabei voraussichtlich eine sensitive Gewichtung erfahren, für die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen dürfte die Liquiditäts- und Eigenkapitalsituation, sowie die Wahl der Finanzierungspartner/-instrumente aber trotzdem eine starke Gewichtung finden.

Der Bilanzstichtag 31.12.2020 wird daher eine besondere Bedeutung haben. Das dritte Quartal ist folglich günstig, das eigene Liquiditätsmanagement nochmals zu überprüfen und für alle Eventualitäten vorzusorgen. Insbesondere Bilanzkennzahlen können aktuell noch zum Jahresende verbessert werden, um Unternehmen dadurch das bestmögliche Rating und Zugang zu weiterem Kapital zu ermöglichen.

Es gibt über die klassische Bankenfinanzierung hinaus temporäre Finanzierungen, die sich der tatsächlichen Umsatzentwicklung und Liquiditätsbedarf anpassen und in der aktuellen Situation hilfreich sein können.

So lassen sich mit Kreditversicherungen nicht nur Forderungen absichern, sie dienen auch als Grundlage für forderungsbasierte Finanzierungen wie Factoring, um eine möglichst hohe Finanzierungsquote zu ermöglichen.

Asset-basierte Finanzierungen – wie Leasing oder Lagerfinanzierung – verschaffen zusätzliche Liquidität auf Basis von freiem Anlagevermögen durch Sale and Lease Back-Geschäfte.

Weitere Kreditlinien können durch die Besicherung mit dem Lagerbestand generiert werden oder zusätzliche Liquidität durch sog. Buyer initiated payment-Programme zugeführt werden, teils ohne den Verschuldungsgrad zu erhöhen.

Insbesondere Surety-Bonds – also von Versicherern ausgestellte Bürgschaften oder Garantien – können die Bilanz erheblich entlasten und das Liquiditätsmanagement in der Krise erleichtern.

Spätestens die Wiederaufnahme der Geschäfte auf Vorkrisenniveau wird viel Kapital binden und Liquidität einen echten Wettbewerbsvorteil darstellen. Seien Sie vorbereitet!

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Sabine Rauch
Senior Consultant – Credit Solutions
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