Technische Versicherungen

Hohe Kapazitäten und neue Heraus­forderungen

Die Versicherer erwarten nach ersten Hochrechnungen des Branchenverbandes GDV für das Geschäftsjahr 2019 in der Sparte Technische Versicherungen eine gute Schaden-Kosten-Quote von 85 Prozent. Trotzdem dürfen Kunden bei den anstehenden Verlängerungen ihrer Versicherungsverträge nicht ausnahmslos von stabilen Preisen ausgehen. Einige Versicherer lassen erkennen, die Preise insbesondere in der Bauleistungsversicherung erhöhen zu wollen.

Marktsituation

2019 werden deutsche Unternehmen für Technische Versicherungen rund 2,2 Mrd. Euro (2018: 2,1 Mrd. Euro) ausgeben. Der Schadenaufwand der Versicherer wird sich um etwa neun Prozent auf rund 1,5 Mrd. Euro (2018: 1,4 Mrd. Euro) erhöhen. Vor diesem Hintergrund dürfen die Versicherer für das Gesamtjahr 2019 mit 85 Prozent (2018: 83 Prozent) weiterhin von einer guten Schaden-Kosten-Quote ausgehen.

Ausblick

Obwohl in der Sparte Technische Versicherungen für das Jahr 2019 eine gute Schaden-Kosten-Quote erwartet wird, verlangen einige Versicherer insbesondere in der Bauleistungsversicherung höhere Preise oder Selbstbehalte. In den anderen Zweigen gibt es dagegen keine Anzeichen für generelle Preiserhöhungen. Lediglich Kunden mit Verträgen, die eine hohe Schadenquote ausweisen, sollten damit rechnen, dass die Versicherer die Preise erhöhen oder höhere Selbstbehalte fordern.

Die Versicherer in Deutschland können mehr Kapazität anbieten, als der Markt benötigt

Die Kapazität für Deckungsschutz, den die Versicherer für Technische Versicherungen in Deutschland zur Verfügung stellen, ist mehr als ausreichend. Neue Anbieter im Markt haben außerdem den Wegfall von Versicherern, die fusioniert oder den Geschäftsbetrieb in Deutschland eingestellt haben, gut kompensiert. Das gut aufgestellte Angebot der deutschen und kontinentaleuropäischen Versicherer steht dem britischen Markt in nichts nach. Die Versicherer zeigen unverändert eine hohe Bereitschaft, neue Risiken zu versichern. Auch technologisch komplexe Risiken können gut versichert werden.

Markttrends

Fehlende alternative Anlagemöglichkeiten haben zur Folge, dass Versicherer in ihrem Kerngeschäft profitabel arbeiten müssen. Dieses Ziel versuchen sie mit Effizienzsteigerungen und mit Verbesserungen im Underwriting zu realisieren. Risiken werden detaillierter analysiert und bewertet und spiegeln sich risikogerechter in der Tarifierung wider. Insbesondere in der Bauleistungsversicherung verlangen einige Versicherer höhere Preise oder Selbstbehalte.

Versicherer, die erst in den vergangenen Jahren in den deutschen Markt eingetreten sind, haben sich mittlerweile etabliert. Die neuen Gesellschaften zeichnen sich durch guten Service und umfangreiches Know-how bei der Analyse und Bewertung von Risiken und bei der Gestaltung des Versicherungsschutzes aus.

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2.2 MRD. €
Ausgaben deutscher Unternehmen für Technische Versicherungen 2019

Das in anderen Sparten schon lange bekannte Thema rechtskonforme Ausgestaltung internationaler Versicherungsprogramme rückt nun auch in den Technischen Versicherungen in den Mittelpunkt. Sowohl für Kunden als auch für Versicherer und Makler steigen die Anforderungen, um den Versicherungsschutz für außerhalb der EU belegene Risiken rechtskonform zu gestalten. Die Vertragsdetails sind bei den einzelnen Versicherungsgesellschaften oft unterschiedlich, der Beratungsaufwand für alle Parteien erhöht sich deshalb erheblich. Auch die Kosten für eine rechtskonforme Versicherungslösung steigen weiter an.

Naturgefahren bei Projektversicherungen im Fokus der Versicherer

Bei Bau- und Montageprojekten in Regionen, in denen große Risiken durch Naturgefahren bestehen, begrenzen viele Versicherer die Höchstentschädigungen und fordern höhere Selbstbehalte. Außerdem fordern die Versicherer detailliertere Risikoinformationen und Geodaten der Risiken ein. So wollen sie den Überblick aller in einer Region versicherten Risiken und der zur Verfügung gestellten Kapazitäten behalten.

Klimawandel zwingt zur Anpassung

Der gesellschaftliche und politische Diskurs über die Erreichung der Klimaziele hat dazu geführt, dass sich eine Reihe multinationaler Versicherungsgesellschaften speziell für die Versicherung von Kohlekraftwerken einen Leitfaden gegeben haben. Darin definieren die Versicherer auf unterschiedliche Weise, wie sie den Kohleausstieg begleiten wollen.

Einige Gesellschaften steigen beispielsweise sofort aus der Versicherung einzelner Kohlekraftwerke aus. Andere versichern ab sofort keine Neubauten von Kohlekraftwerken mehr. Energieversorger, die neben Kohle auch andere fossile Brennstoffe oder erneuerbare Energien zur Stromproduktion verwenden, sollen zunächst weiterhin Versicherungsschutz erhalten.

Generell erfolgt der Ausstieg über einen längeren Zeitraum und in Abstimmung mit den Kunden. Dabei orientieren sich die Versicherer am Zwei-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens. Die Diskussion zum richtigen Ausstieg aus der Kohleverstromung ist in vollem Gang. Die reduzierten Kapazitäten durch vom Netz genommene Kohlekraftwerke werden u. a. durch hocheffiziente neue Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerke (GuD) ausgeglichen.

Technische Versicherungen – Prämien- und Schadenentwicklung 2013 bis 2019

* Hochrechnung

Quelle: GDV