Sach­versicherung

Trend zu weiteren Preiserhöhungen

Für Unternehmen wird es immer schwieriger, passenden und günstigen Sachversicherungsschutz zu erhalten. Die Versicherer fordern für bestimmte Branchen und für viele Risiken höhere Prämien. Nach Jahren roter Zahlen wollen sie endlich ihre Ergebnisse verbessern. Dieser steigende Druck beeinflusst nicht nur die Vertragsverhandlungen, sondern es ist auch zu erwarten, dass Versicherer Kundenverluste in Kauf nehmen werden.

Marktsituation

Unternehmen in Deutschland werden im Jahr 2019 für industrielle, gewerbliche und landwirtschaftliche Sachversicherungen rund 7,3 Mrd. Euro ausgeben – ein Anstieg um vier Prozent. Der Schadenaufwand für die Versicherer wird bei etwa 85 Prozent liegen. Er wird damit geringer ausfallen als im Vorjahr (92 Prozent). Für die Versicherer ergibt sich eine Schaden-Kosten-Quote von 107 Prozent (Vorjahr: 110 Prozent). Die größten Schäden stammen aus der industriellen Sachversicherung. In diesem Bereich fällt die Schaden-Kosten-Quote 2018 mit 124 Prozent tiefrot aus und folgt damit dem seit 2010 anhaltenden negativen Trend.

Ausblick

Um dem langjährigen negativen Schadentrend entgegenzuwirken, haben Versicherer damit begonnen, einzelne Branchen nur selektiv zu zeichnen oder gar Zeichnungsverbote auszusprechen. Zusätzlich steigen die Prämien für schadenbelastete Risiken bzw. für Risiken einzelner Branchen.

Versicherer sehen sich zu Preiserhöhungen gezwungen

Diese Maßnahmen haben bisher nicht zu der erwarteten Ertragsverbesserung geführt. Die Folge: Eine wachsende Zahl von Versicherern sieht sich gezwungen, dem seit Jahren negativen Trend entgegenzuwirken. Es ist deshalb davon auszugehen, dass nun auch schadenfreie Risiken und weitere Branchen mit höheren Preisen zu rechnen haben. Die Versicherer wollen so ihre Ergebnisse nachhaltig verbessern. In diesem schwierigen Umfeld, in dem Verluste weiterhin nicht mehr durch Kapitalerträge kompensiert werden können, werden gleiche Preise in Konsortien und ein Wettbewerb bei ausgewählten Betriebsarten der Vergangenheit angehören. Ein gewisser Wettbewerb ist nur noch möglich, wenn sich bei einzelnen Versicherungsgesellschaften aufgrund ihres Risikomixes die Ergebnisse verbessern.

Sachversicherung – Prämien- und Schadenentwicklung 2010 bis 2019

* Hochrechnung

Quelle: GDV, eigene Berechnungen

Für die Unternehmenskunden wird sich der Markt unterschiedlich entwickeln: Gehören die Kunden zur Risikogruppe der „wünschenswerten Betriebsarten“, wird der Markt genügend Kapazitäten zur Verfügung stellen. Sollte es in so einem Käufermarkt zu Preissteigerungen kommen, ist davon auszugehen, dass diese im Versicherungsmarkt weitgehend kompensiert werden können.

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Unternehmensaus­gaben für Sachver­sicherung 2019
7.3 MRD. €

Für komplexere Betriebsarten werden weiterhin genügend Kapazitäten auf dem deutschen Markt zur Verfügung stehen. Die Wahrscheinlichkeit einer Preiserhöhung wird hier sehr stark von der jeweiligen Risikoqualität und von der Schadenhistorie abhängen.

Zu den besonders kritischen Betriebsarten aus Sicht der Versicherer gehören die holz-, die fleischverarbeitende und die chemische Industrie sowie Recyclingunternehmen. Gesellschaften, die in der Vergangenheit ein Zeichnungsverbot für diese Branchen ausgesprochen haben, halten weiterhin daran fest. Damit bleibt die Zahl der Versicherer gering, die sich mit solchen Risiken befassen. Alle genannten Branchen müssen deshalb weiter mit steigenden Preisen, erhöhten Selbstbeteiligungen und Sicherheitsauflagen rechnen. Ganz besonders dann, wenn der von den Versicherern gewünschte Risikostandard noch nicht erreicht ist. In solchen Fällen wird es für Firmen deutlich schwieriger, ihren Versicherungsschutz über die Bildung eines Versichererkonsortiums zu vervollständigen. Als Ausweg sind dann nur Optionen auf internationalen Märkten, Rückversicherungslösungen oder Fronting möglich.

Der Markt teilt sich nach Risikogruppen auf

Daneben sind im industriellen Sachversicherungsmarkt weitere Marktentwicklungen zu beobachten. So wird bei Vertragsverlängerungen das Thema Rückwirkungsschäden an Bedeutung gewinnen. Im vergangenen Jahr haben Versicherer bei Rückwirkungsschäden in der Ertragsausfall-Versicherung besonders schlechte Erfahrungen gemacht. So sorgte ein Brandschaden in einem Zuliefererbetrieb bei einigen Fahrzeugherstellern zu hohen Betriebsunterbrechungsschäden mit einer weltweiten Schadensumme von rund 1,7 Mrd. US-Dollar.

Bemerkenswert ist die steigende Nachfrage nach Betriebsunterbrechungsversicherungen, die im Zusammenhang mit dem Klimawandel stehen. Hierfür bieten einzelne Versicherer bereits gesonderte Versicherungskonzepte an, wie zum Beispiel die parametrische Wetterversicherung als ein Absicherungsinstrument von Wetterrisiken. Hier wird beispielsweise die Über- oder Unterschreitung bestimmter Niederschlagsmengen, Sonnenstunden oder auch Temperaturhöhen in einem vereinbarten Zeitraum versichert.