M&A-Versicherung

Absicherung liegt im Trend

Nie zuvor in Europa haben Käufer bei M&A-Transaktionen die Risiken aus unerfüllten Garantien häufiger versichert als im vergangenen Jahr. Der Blick auf die letzten Jahre zeigt sogar einen exponentiellen Anstieg: So hat sich die Zahl der Versicherungen im Vergleich zu 2016 mit über 900 Abschlüssen in 2018 mehr als verdoppelt. Es ist zu erwarten, dass sich der Markt weiterhin positiv entwickelt.

Eine M&A-Versicherung (auch Warranty & Indemnity (W&I) Versicherung genannt) ermöglicht es dem Käufer, Gewährleistungsrisiken im Zusammenhang mit einer M&A-Transaktion abzusichern. Gleichzeitig erhält der Verkäufer dabei die Möglichkeit, umfangreiche Garantien abzugeben. Dies motiviert viele Käufer zu einem höheren Kaufpreis, wodurch sich für den Verkäufer die Chance eines gewinnbringenden Verkaufs erhöht. Außerdem muss er nicht wie früher üblich eine größere Haftungshöchstgrenze („seller cap“) akzeptieren. Im Gegenteil: Durch Einsatz einer M&A-Versicherung sinken die Haftungshöchstgrenzen üblicherweise auf einen Euro. Dies hat zur Folge, dass der Käufer den Verkäufer bei Garantieverletzungen nicht mehr in Haftung nehmen kann. Verkäufer können also mithilfe einer M&A-Versicherung einen sog. „Clean Exit“ erreichen.

Daher verlangt in der Regel der Verkäufer den Abschluss einer M&A-Police – ganz egal, ob es sich um eine Private-Equity-Gesellschaft, Privatpersonen oder Unternehmensverkäufer handelt. In einem immer stärker werdenden Verkäufermarkt sind inzwischen viele Verkäufer überhaupt erst zu einer Transaktion bereit, wenn der Käufer den Abschluss einer M&A-Versicherung akzeptiert.

M&A-Versicherungsabschlüsse steigen weiterhin stark

Quelle: Aon Versicherungsmakler Deutschland GmbH

Marktsituation

In Europa bieten derzeit 26 Versicherer und sogenannte Assekuradeure M&A-Versicherungen an. Sieben davon haben in den letzten vier Jahren Niederlassungen mit M&A-Underwritern in Deutschland gegründet. Vier weitere dieser Versicherer haben in ihren europäischen Niederlassungen qualifizierte Juristen mit deutschen Marktkenntnissen als Underwriter eingestellt.In anderen europäischen Ländern wie Frankreich oder Spanien sind ähnliche Trends zu beobachten: M&A-Policen werden den jeweiligen speziellen rechtlichen Vorgaben angepasst. Dies führt in ganz Europa zu einer immer stärkeren Nachfrage nach diesen Deckungskonzepten.

Ausblick

Der europäische Markt für M&A-Versicherungen wird weiterhin wachsen, jedoch etwas langsamer als in den beiden Vorjahren. Die am Markt aktiven Anbieter werden parallel versuchen, ihre Kapazitäten zu erhöhen, um die weiter steigende Nachfrage zu befriedigen. Besonders die Private-Equity-Branche wird diese Entwicklung vorantreiben und für Innovationen im Bereich der Transaktionsversicherungen sorgen. Gleichzeitig dürften Corporates immer mehr die Scheu vor dem anfangs noch fremden Versicherungsprodukt verlieren.

Markttrends

Breitere Deckung und höhere Prämien

Der Grund für die stark gestiegene Popularität von M&A-Policen ist vor allem der größere Wettbewerb zwischen den Versicherern. In den vergangenen Jahren drängten viele neue Anbieter auf den Markt, die über günstige Preise Marktanteile gewinnen wollten. Tatsächlich gibt es aber einen starken Trend zu breiteren Deckungen, die sich die Versicherer entsprechend vergüten lassen. Das führt derzeit zu tendenziell höheren Prämien. Früher versicherte eine M&A-Police nur genau das, was der Verkäufer im Kaufvertrag bereitstellte. Heute können die Versicherungsnehmer zahlreiche Zusatzbausteine gegen eine Mehrprämie in ihre Police einschließen und so die Deckung je nach ihren individuellen Bedürfnissen erweitern. Beliebte Beispiele sind: eine breitere Schadendefinition als im Kaufvertrag, die Streichung der Kenntnisqualifikation in Garantien oder eine im Kaufvertrag nicht gegebene Steuergarantie bzw. Steuerfreistellung (Synthetische Deckungserweiterung).

Sinkende Selbstbehalte

Versicherungsnehmer können sich über deutlich niedrigere Selbstbehalte als im letzten Jahr freuen, ohne dass die Prämie erhöht wird. Dieser Trend hält auch in diesem Jahr an.

Weitere M&A-Policen für bekannte Risiken

Neben der W&I-Police haben sich in den letzten Jahren weitere Versicherungsprodukte wie die Environmental-Run-Off-Police oder die Tax-Liability-Police (für bekannte Steuerrisken) etabliert. Ihre Deckungen ermöglichen die Absicherung von Risiken, die bei der W&I-Police zu Ausschlüssen geführt hätten.

Lokale Präsenzen & Experten

Der M&A-Versicherungsmarkt entwickelt sich auf dem europäischen Kontinent zusehends weiter. Versicherer setzen deshalb immer mehr auf lokal qualifizierte Fachleute als Underwriter.