Kfz-Versicherung

Mehr Fahrzeuge und teure Reparaturen

Oft wurde der Kfz-Versicherung der Tod prophezeit – doch noch ist es nicht so weit. Nach wie vor ist sie im Hinblick auf die Beitragseinnahmen der größte Zweig der Schaden- und Unfallversicherung. Eine Trendwende ist noch nicht in Sicht. In der Kfz-Flottenversicherung spielen heute schlanke digitale Prozesse und eine schnelle, unkomplizierte Schadenabwicklung eine zentrale Rolle. Unternehmenskunden erwarten ein professionelles Riskmanagement auf Basis von Datenauswertungen und -analysen.

Marktsituation

Die Anzahl der zugelassenen Fahrzeuge in Deutschland steigt seit Jahrzehnten kontinuierlich an. Die Versicherer hatten im Jahr 2018 für 65,2 Mio. Fahrzeuge Haftpflichtverträge abgeschlossen. Im Jahr 2019 werden es voraussichtlich eine Million mehr sein.

66.2 MIO. €
Prognose Kfz-Haftpflicht-
verträge 2019
car-up

Seit 2010 ist ein stetiger Anstieg der Beitragseinnahmen zu beobachten. Sie werden sich im Jahr 2019 voraussichtlich auf 28,4 Mrd. Euro für Kfz-Versicherung belaufen (2018: 27,9 Mrd. Euro). Der Anstieg fällt damit deutlich geringer aus als in den Vorjahren, da sich einige Kfz-Versicherer einen heftigen Preiskampf geliefert haben.

Für 2019 wird ein Schadenaufwand in Höhe von 25,2 Mrd. Euro erwartet – ein deutlicher Anstieg von 5,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach der Einführung von Fahrassistenzsystemen war die Anzahl der Schäden in den letzten Jahren noch deutlich gesunken: Für 2019 wird aber eine unveränderte Schadenfrequenz erwartet. Allerdings steigen durch die Verteuerung von Ersatzteilen und Reparaturkosten die durchschnittlichen Kosten für Schäden, was zusammengenommen zu dem höheren Schadenaufwand führt.

Nachdem die Schaden-Kosten-Quote im Jahr 2018 bei 96 Prozent lag, wird für 2019 wieder eine leichte Verschlechterung auf 99 Prozent erwartet. Im Kfz-Flottengeschäft werden die Versicherer mit einer Schaden-Kosten-Quote von voraussichtlich 104 Prozent nach wie vor Verluste schreiben.

Prämien- und Schadenentwicklung

* Hochrechnung

Quelle: GDV

Ausblick

Im Flottenbereich werden die Versicherer weiterhin versuchen, aus den roten Zahlen zu kommen, um das Geschäft rentabel zu gestalten. Flotten mit hohen Schadenaufwendungen oder erhöhten Schadenfrequenzen müssen weiterhin mit Beitragserhöhungen durch den Versicherer rechnen. Durch individuelle Vertragsmodelle und professionelles Schaden- und Riskmanagement besteht aber noch immer ein enormes Einsparpotentzial für Unternehmenskunden.

Kfz-Flottenversicherung hinkt bei der Digitalisierung hinterher

In der privaten Kfz-Versicherung ist die Digitalisierung bereits in vielen Bereichen sehr weit fortgeschritten – ganz anders als in der Kfz-Flottenversicherung. Hier werden in den nächsten Jahren Versicherer, die ihre Prozesse nicht umfassend digitalisieren, den Anschluss verlieren. Unternehmenskunden erwarten heute eine schnelle und transparente Schadenabwicklung und Auswertungen von Schaden- und Vertragsdaten in Echtzeit. Eine digitale Infrastruktur und Schnittstellen zwischen Versicherern, Maklern und sonstigen Dienstleistern werden essenziell.

Markttrends

Seit Juni dürfen E-Scooter auf deutschen Straßen fahren. Für diese Fahrzeuge gilt die Kfz-Haftpflichtversicherung als Pflichtversicherung. Die Versicherer haben entsprechende Produkte entwickelt, die sich an den Tarifen der Mofa-Versicherung orientieren.

Obwohl zahlreiche Kfz-Versicherer Telematik-Tarife eingeführt haben und laufend weiterentwickeln, ist die Marktdurchdringung nach wie vor gering. Telematik-Tarife liefern Daten für den Übergang zu standardmäßigen Fahrprofilen. Diese Informationen könnten Versicherer mittelfristig für die Tarifkalkulation nutzen. Langfristig werden Telematik-Daten allerdings wieder irrelevant, denn in Zukunft werden Fahrzeuge automatisiert oder autonom fahren. Das autonome Fahren wird sich aber voraussichtlich nicht vor 2035 durchsetzen.

E-Mobilität holt auf

Dagegen wird die E-Mobilität in den nächsten Jahren den Massenmarkt erreichen. Schon Anfang 2019 haben E-Autos hohe Zuwachszahlen bei den Neuzulassungen verzeichnet. Die Versicherer folgen dieser Entwicklung und bieten z. B. über Zusatzbausteine immer umfangreicheren Versicherungsschutz für Elektro- und Hybridfahrzeuge an.

Auch wenn sich die großen Versicherer im Flottenmarkt stärker digital aufstellen, gibt es beim eigentlichen Produkt Flottenversicherung wenig Neuerungen und Innovationen. Hier sind es in erster Linie Makler, Schadendienstleister und Risikomanager, die den Unternehmenskunden mit modernen IT-Tools Mehrwerte vor allem in der Prozessoptimierung und in der Datenverwaltung und -auswertung bieten können.