Health & Benefits

Gesundheits­leistungen als Wett­bewerbs­vorteil

Im Jahr 2017 waren Erwerbstätige in Deutschland im Durchschnitt 44 Jahre alt. Das sind rund vier Jahre mehr als noch vor 20 Jahren.1 Zusätzlich herrscht heute bereits ein Mangel an Arbeits- und Fachkräften in vielen Branchen. Ein wichtiges Ziel für Arbeitgeber ist es daher, durch geeignete Ressourcen und Maßnahmen die Motivation und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter zu erhalten und zu fördern.

Unternehmen reagieren auf die verschärfte Arbeitsmarktsituation unter anderem mit Investitionen in die eigene Attraktivität. So bieten sie ihren Mitarbeitern verschiedene Angebote und Lösungen an: Zum einen können persönliche Risiken wie die Einkommenssicherung bei Berufsunfähigkeit, Invalidität und Tod (Group Life) abgesichert werden, zum anderen unternehmerische Risiken wie beispielsweise die Haftung des Arbeitgebers bei Dienstreisen von Beschäftigten und Entsendungen. Auch Programme zur präventiven Gesundheitsförderung werden in den Unternehmen immer mehr umgesetzt.

Spezialmarkt Employee Wellbeing

Betriebliche Krankenversicherung & Group Life

Doch noch engagieren sich Arbeitgeber bei der Mitarbeiterfürsorge zu wenig und kommunizieren eigene Angebote nur unzureichend. Dadurch bleiben betriebliche Krankenversicherungsprogramme zur Gesundheitsprävention oder Group-Life-Lösungen zur finanziellen Vorsorge ungenutzt.

Unternehmen mit
einer betrieblichen
Kranken-
versicherung
(bKV) 2018
7700

Marktsituation

Die Nachfrage nach arbeitgeberfinanzierten Programmen zur
Absicherung der Mitarbeiter gegen Risiken wie Krankheit, Berufsunfähigkeit und Tod, als neues oder ergänzendes Programm zur Unfallversicherung, steigt nach Aussage verschiedener Versicherer enorm an. Große Konzerne wie auch mittelständische Unternehmen werben aktiv mit neuen Mitarbeiterleistungen wie arbeitgeberfinanzierter Pflegeversicherung oder betrieblicher Krankenversicherung für die eigenen Mitarbeiter.

Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) erreichte in kurzer Zeit einen signifikanten Anteil am Neugeschäft der Versicherer. Die Anzahl der Unternehmen mit einer betrieblichen Krankenversicherung verdoppelten sich zwischen 2015 und 2018 auf rund 7.700.2 Dadurch profitieren heute rund 800.000 Beschäftigte von dieser zusätzlichen Absicherung – Tendenz steigend.

Ausblick

Experten gehen davon aus, dass die Aufwendungen für Employee Wellbeing-Produkte in Zukunft deutlich steigen. Wenn die geburtsstarke Generation der „Baby Boomer“ in den kommenden Jahren in Ruhestand geht, wird der Fachkräftemangel zum allgemeinen Arbeitskräftemangel anwachsen. Damit ist der Mensch eine knapper werdende Ressource und die Mitarbeiterbindung zum Erhalt von Produktivität notwendig.

Krise im Gesundheitssektor

Insbesondere die medizinische Versorgungssituation in Deutschland könnte sich zuspitzen, da viele Ärzte und Pflegekräfte bald in den Ruhestand gehen. Ende 2017 waren 68 Prozent der in Praxen tätigen Ärzte mindestens 50 Jahre alt. Mehr als ein Viertel war bereits 60 Jahre und älter.3

Die alternde Gesamtbevölkerung steigert gleichzeitig die Nachfrage nach medizinischen Dienstleistungen. Wartezeiten und steigende Kosten sind die Folge. Für Unternehmen könnte sich eine schnelle und qualitativ hochwertige medizinische Versorgung ihrer Beschäftigten zu einer der großen Herausforderungen der Zukunft entwickeln.

Markttrends

Der Markt der Group-Life-Produkte wächst weiter und bietet Arbeitgebern neue Lösungen. Die Einkommenssicherung im Fall der Berufsunfähigkeit hat das Potentzial, zur Kernbotschaft für sozial engagierte Unternehmen zu werden. Schließlich ist der Beruf für viele Arbeitnehmer eng mit der eigenen Lebensplanung und finanziellen Sicherheit verbunden.

Krankenversicherer weiten das Angebot betrieblicher Programme deutlich aus. Neue Lösungen wie Budget-Tarife sichern stabile Prämien und setzen weitere Impulse für die Gesundheitsprävention. Arbeitnehmer können zwischen verschiedenen Leistungen frei wählen und diese direkt mit dem Versicherer abrechnen. Beiträge zu einer ergänzenden betrieblichen Krankenversicherung (bKV), im Rahmen des § 8 Abs. 2 Satz 11 EstG (44 Euro) gelten neuerdings wieder als Sachbezug, weshalb davon auszugehen ist, dass die bKV weiter an Bedeutung gewinnen wird.

Bevölkerungsvorausberechnung für Deutschland 2019

Quelle: Statistisches Bundesamt: Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung. Ausschnitt der 20 – 65-Jährigen Deutschen.

Spezialmarkt International People Mobility (IPM)

Immer mehr Unternehmen – auch Klein- und Mittelstandsbetriebe – werden im Zuge der Globalisierung international tätig und senden Mitarbeiter auf Dienstreisen ins Ausland.4 Dies stellt Versicherungs- und Personalabteilungen vor große Herausforderungen. Kosten und hohe Standards für die eigenen Mitarbeiter müssen in Einklang gebracht werden.

Marktsituation

Der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) erhebt jedes Jahr die aktuellen Zahlen der Dienstreisetage deutscher Unternehmen. Die Anzahl der Dienstreisen steigt. Aus Einsparungsgründen werden sie jedoch immer kürzer. Im Jahr 2018 sendeten deutsche Unternehmen ihre Mitarbeiter 189,6 Mio. mal auf Dienstreise. Der größte Anteil (156,3 Mio.) entfällt auf Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern.5

Bei den Auslandsentsendungen geht der Trend zur Reduzierung: Aufgrund der hohen Kosten einer langfristigen Entsendung setzen Unternehmen vermehrt auf lokale Anstellungen im Ausland.

Ausblick

In den letzten Jahren ist die Compliance einer der größten Unsicherheitsfaktoren bei Dienstreisen und Entsendungen. Drei von vier Unternehmen können einer Studie nach nicht ausschließen, dass es zu Compliance-Verstößen im Zuge ihres Entsendemanagements kommt.6

Mehr Dienstreisen, aber kürzer

Trotz der hohen Risiken durch Reputationsverlust, Konventionalstrafen oder Ausweisungen von Mitarbeitern gelingt die Sensibilisierung für dieses wichtige Thema nur sehr schleppend. Gründe dafür sind unter anderem die ständig wechselnden Bedingungen und der mangelhafte Informationsfluss. Versicherer können hier nur bedingt unterstützen, weil in nahezu allen Regelwerken das compliance-technische Risiko beim Kunden verbleibt.

Markttrends

Der Trend in der internationalen Krankenversicherung geht weiter zu sinnvoll angepassten Zusatzlösungen zum bestehenden Versicherungsschutz. Nachdem sich die digitale Schadenabwicklung, die Online-Provider-Suche und umfassende Reisesicherheitsservices etabliert haben, liegt der Fokus auf eHealth – also der Telemedizin. Sämtliche Anbieter arbeiten derzeit an eigenen Lösungen, um ihren Versicherten die Erstkonsultation eines Arztes via Skype oder vergleichbaren Systemen anzubieten. Noch ist es zu früh, um die Akzeptanz dieser Angebote einzuschätzen. Für Mitarbeiter in entlegenen Gebieten ist die Telemedizin jedoch sicher eine willkommene Ergänzung. Und auch Unternehmen können mittelfristig mit sinkenden Kosten rechnen.

Anzahl der Geschäftsreisen von 2014 – 2018

Quelle: Verband Deutsches Reisemanagement e.V. (2019), VDR-Geschäftsreisenanalyse 2019, 17. Ausgabe 2

Dauer der Geschäftsreisen von 2014 – 2018

Quelle: Verband Deutsches Reisemanagement e.V. (2019), VDR-Geschäftsreisenanalyse 2019, 17. Ausgabe 2

Gruppenunfallversicherung

Im Bestandsgeschäft der Gruppenunfallversicherung wird sich der Trend, dass Beiträge für schadenbelastete Verträge steigen, 2019 weiterhin fortsetzen. Auch die jährliche Berechnung der Rentabilität einzelner Verträge durch die Versicherer wird beibehalten werden.

accident
Versicherungs-
prämien für Unfall-
versicherung 2019
6.6 MRD. €

Marktsituation

Am Ende des Jahres 2019 wird die gebuchte Prämie der Versicherer voraussichtlich bei 6,6 Mrd. Euro liegen – ein Plus von 1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Schadenaufwendungen sind mit 3,5 Mrd. Euro leicht gestiegen, wodurch sich die Schadenquote minimal auf 61 Prozent verschlechtern wird. Die Sparte Unfallversicherung bleibt demnach weiterhin für die Versicherer rentabel.7

Die Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) für die bestehenden Unfallversicherungen war ein großer Aufwand für alle Beteiligten. Die notwendigen Maßnahmen zur Informations- und Dokumentierungspflicht aufseiten der Arbeitgeber, Versicherer sowie der Versicherungsmakler sind weitestgehend erfüllt und umgesetzt worden.

Markttrends

Es gilt weiterhin die Maxime: Verträge mit hohen Schadenquoten zahlen mehr Prämie. Bei Portfolios, deren kombinierte Schaden- und Kostenquote über 90 Prozent liegt, werden die Versicherer auch in diesem Jahr wieder aktiv mit Sanierungsforderungen auf den Kunden zugehen. Darüber hinaus hat sich die Zeichnungspolitik der Versicherer nicht signifikant geändert.

Ausblick

Generell fragen Unternehmen aufgrund der demografischen Entwicklung und des beginnenden Fachkräftemangels immer häufiger Lösungen zur Absicherung von Mitarbeitern nach. Sie wollen damit einen zusätzlichen Benefit für Mitarbeiter schaffen. Kombiprodukte, die das Unfall-, Auslandsreisekranken- und/oder das private Haftpflichtrisiko abdecken, stehen dabei immer mehr im Vordergrund.
Durch die Globalisierung bleibt die Absicherung von Mitarbeitern auf Dienstreisen und bei längeren Auslandsaufenthalten ein zentrales Thema.

Ein Programm für alle Mitarbeiter weltweit

Die Nachfrage nach Internationalen Unfallversicherungs-Programmen (IUP) steigt kontinuierlich an. Sie bieten den Konzernen die Möglichkeit, in einem Programm alle Mitarbeiter weltweit mit einer Versorgungszusage auszustatten. Die deutschen Muttergesellschaften sind durch die zentral gesteuerte Verwaltung der Verträge jederzeit über die Kostenentwicklung in den einzelnen Ländern informiert.

Quellen:

1 Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung Nr. 448 vom 19. 11. 2018

2 PKV Verband: https://www.pkv.de/themen/krankenversicherung/betriebliche-krankenversicherung/

3 Statistisches Bundesamt: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Gesundheitspersonal/gesundheitspersonal.html

4 PERSONET: www.perso-net.de/rkw/Mitarbeiterentsendung_ins_Ausland

5 Verband Deutsches Reisemanagement e.V. (2019), VDR-Geschäftsreisenanalyse 2019, 17. Ausgabe

6 Deutsche Gesellschaft für Personalführung e.V.: www.dgfp.de/hr-wiki/Entsendungsmanagement_im_Wandel.pdf

7 Hochrechnung des inländischen Direktgeschäfts in der Schaden- und Unfallversicherung 2019; Veröffentlichung: 24. 05. 2019