Haftpflicht­versicherung

Der positive Trend hält an

Die Haftpflichtversicherer in Deutschland haben im Jahr 2018 gute Ergebnisse erzielt. Ein Trend, der auch für 2019 erwartet wird. Unternehmen in Deutschland können Haftpflichtrisiken unverändert zu guten Preisen und Bedingungen versichern. Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass Anpassungen von Preisen und Konditionen in anderen Sparten auch Einfluss auf Haftpflichtversicherungen nehmen.

Die Haftpflichtversicherung zählt unverändert zu den attraktiven Sparten. Großschäden in wenigen Branchen, wie beispielsweise in der Kfz-Zulieferer-Industrie, haben bei einigen Versicherern zu einer Überprüfung und Anpassung ihrer Zeichnungspolitik geführt. Auch bei einzelnen Unternehmen, die in der Vergangenheit von größeren Schäden betroffen waren, wurde eine Anpassung der Versicherungsbedingungen vorgenommen. Insgesamt gab es aber kaum Preiserhöhungen. Diese für die Unternehmen positive Marktsituation wird auch in naher Zukunft anhalten.

Erwartete
Schaden-
Kosten-Quote
für das Geschäftsjahr 2019
shield
91%

Die Digitalisierung von Produktionsabläufen und Lieferketten in den Unternehmen nimmt weiter zu. Parallel wächst auch die Nachfrage nach entsprechenden Haftpflichtversicherungen. Längst haben die Versicherer darauf reagiert und entsprechende Angebote entwickelt.

Brexit: Übergangsfristen für Versicherungen in Deutschland

Der Brexit wirft nach wie vor Fragen auf. Die britische Aufsichtsbehörde (PRA) bietet im Rahmen des Temporary Permission Regimes (TPR) Versicherern in der Europäischen Union die Möglichkeit, auch im Falle eines harten Brexits weiterhin alle Versicherungsleistungen im Vereinigten Königreich zu erbringen. Durch das mittlerweile verabschiedete Brexit-Steuerbegleitgesetz kann die deutsche Aufsichtsbehörde britischen Versicherungsgesellschaften den Geschäftsbetrieb in Deutschland für eine Übergangszeit ermöglichen.

Marktsituation

Zahlen des Branchenverbands GDV zufolge haben Privatpersonen und Unternehmen in Deutschland im Jahr 2018 7,8 Milliarden Euro für Haftpflichtversicherungen ausgegeben. Das sind zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Mit einer guten Schaden-Kosten-Quote von 91 Prozent liegen die Versicherer unterhalb der GDV-Schätzung von 93 Prozent.

In der Hochrechnung für das Jahr 2019 geht der GDV davon aus, dass die Beitragssumme für Haftpflichtversicherungen auf 8,1 Milliarden Euro steigen wird. Die Schaden-Kosten-Quote wird unverändert zu 2018 mit 91 Prozent prognostiziert. In diesen Zahlen sind auch Managerhaftpflichtversicherungen (D&O-Versicherungen) enthalten.

Haftpflichtversicherungen bleiben damit aus Sicht der Versicherer ein unverändert attraktives Geschäft. Versicherer mit negativen Ergebnissen haben die notwendigen Erhöhungen der Preise an die betreffenden Kunden adressiert. Die Zahl der Versicherer, die industrielle Haftpflichtversicherungen in Deutschland anbieten, ist weiterhin hoch. Auch neue Anbieter im Markt bauen ihr Angebot insbesondere in der Haftpflichtversicherung kontinuierlich aus.

Gegenüber 2017 sind vergleichbar große Schäden in der Kfz-Zulieferer-Branche ausgeblieben. Die betroffenen Haftpflichtversicherer haben ihre Versicherungsbedingungen vor allem für betroffene Kunden entsprechend angepasst.

Die im Zuge der Digitalisierung wachsenden Anforderungen der Unternehmen an einen geeigneten Haftpflicht-Versicherungsschutz werden von den Versicherern erkannt. Sie zeigen sich offen und gesprächsbereit. Doch nach wie vor fällt es vielen von ihnen schwer, neue Angebote ohne Reibungsverluste in ihre bewährte Infrastruktur zu integrieren. Es fehlt eine gemeinsame Sichtweise. So gibt es verschiedene Zuständigkeiten für Betriebs- und Vermögensschaden-Haftpflicht. Oder die Schnittstellen zu Cyber-Versicherungen werden unterschiedlich definiert. Dabei sind individuelle Lösungen wie beispielsweise eine Verbindung von Tech E&O- und Cyber-Versicherungen durchaus umsetzbar.

Ausblick

Der Haftpflichtversicherungsmarkt wird überwiegend kundenfreundlich bleiben. Noch lässt sich nicht mit Gewissheit sagen, ob die zu beobachtenden Sanierungen gesamter Portfolien in anderen Sparten wie z. B. der Sachversicherung auch auf die Haftpflichtversicherungen übergreifen. Die Ergebnisse bieten dafür keinen Anlass. Und die überwiegende Zahl der Versicherer bestätigt, dass eventuell notwendige Anpassungen in der Haftpflichtversicherung individuell vorgenommen werden. Mittlerweile bieten die Versicherer für die neuen Herausforderungen, die mit der Digitalisierung einhergehen, Lösungen an. Die noch vorhandenen großen Unterschiede in den Versicherungsbedingungen werden sich mittelfristig angleichen und zu einer besseren Vergleichbarkeit für Unternehmen führen.

Intensiver Austausch zwischen Kunde, Makler und Versicherer

Der Dialog zwischen Kunde, Makler und Versicherer hat sich intensiviert und wird zu einem festen Bestandteil der Risikobewertung. Dabei werden nicht nur regelmäßig Risiken im Rahmen der Digitalisierung thematisiert, sondern auch die sonstigen Risiko-Verhältnisse und -Veränderungen abgefragt.

Hebammen und Gynäkologen, die Geburtshilfe anbieten, werden unverändert immer weniger in Deutschland. Daher kommt es mittlerweile zu gravierenden Lücken in der Geburtshilfe in Deutschland. Ein Einfluss, die Tätigkeit als Hebamme mit Geburtshilfe aufzugeben, sind auch nicht mehr bezahlbare Haftpflichtversicherungen für selbstständige Hebammen. Daher wird die Forderung nach einer staatlichen Lösung für die obligatorischen Haftpflichtversicherungen von Hebammen nachvollziehbar immer deutlicher.

Markttrends

Die neue Musterfeststellungsklage nach §§ 606 ff. Zivilprozessordnung (ZPO) findet wie beabsichtigt für Ansprüche im Automobilbereich ihre Anwendung. Eine Übernahme für andere Klagegründe ist bisher noch nicht bekannt. Eine künftige Nutzung der vereinfachten Möglichkeiten dieser Klageart ist aber wahrscheinlich.

Das gilt auch in Zusammenhang mit Art. 82 der DatenschutzGrundverordnung. Seit Mai 2018 ist jetzt erstmals eine Normierung eines zivilrechtlichen Anspruchs für Vermögensschäden aufgrund Verletzung personenbezogener Daten gegeben. In Zusammenhang mit der Musterfeststellungsklage sind hier Ansprüche in sehr großer Anzahl realistisch.

Die neuen §§ 439 Abs. 3 und 445a BGB haben seit 01.01.2018 zu einer erweiterten gesetzlichen Haftung für Verkäufer und Lieferanten geführt. Die von einigen Versicherern im Vorfeld prognostizierte Zunahme von Ersatzleistungen ist aber bisher nicht eingetreten. Es ist aber unverändert zu empfehlen, dass Unternehmen ihre Haftpflicht-Versicherungsbedingungen auf ausreichenden Versicherungsschutz prüfen.