Erneuerbare Energien

Ausbaumenge bricht ein

In den letzten Jahren wurde der Ausbau erneuerbarer Energien dank umfangreicher gesetzlicher Rahmenbedingungen dynamisch vorangetrieben. Starke Anpassungen und Änderungen dieser Regularien haben jetzt dazu beigetragen, dass die Ausbaumengen und Entwicklungen neuer Projekte in Deutschland stark zurückgegangen sind.

Seit Anfang 2019 zeigt sich ein deutlicher Einbruch. Durch die reduzierte Ausbaumenge geraten die Anbieter und Hersteller – insbesondere von Windkraftanlagen – unter Preisdruck. Kleinere Anbieter werden deshalb Schwierigkeiten haben, sich am Markt zu halten.

Versicherungsmarkt im Bereich der erneuerbaren Energien ist stark umkämpft

Viele alte Projekte, deren festgeschriebene Vergütung nach 20 Jahren ausläuft, werden nicht weiter betrieben und deshalb rückgebaut. Repowering ist durch die begrenzten Ausbaumengen auch an diesen Standorten oftmals nicht möglich.

Aufgrund der wenigen Neuprojekte ist der Versicherungsmarkt im Bereich der erneuerbaren Energien stark umkämpft. Unter Berücksichtigung der begrenzten Entwicklungsmöglichkeiten in Deutschland wenden sich einige Versicherer verstärkt anderen europäischen Ländern zu. Aufgrund der niedrigen Versicherungskonditionen am deutschen Versicherungsmarkt dürften insbesondere Versicherungsnehmer in Nachbarländern davon profitieren.

Beobachtungen aus den einzelnen Geschäftsfeldern:

windenergy-onshore
Windenergie Onshore

Auf das Rekordjahr 2017 erfolgte im Jahr 2018 in Deutschland nochmals ein stärkerer Zubau. Doch seit Anfang 2019 befinden sich nur noch ganz wenige Projekte in der Umsetzung, die nach dem neuen Ausschreibungssystem bezuschlagt wurden. Auch für den weiteren Jahresverlauf ist mit keiner signifikanten Erhöhung des Zubaus zu rechnen.

Zukunftsweisend: Kombination aus Wartungsvertrag und Versicherungslösungen

Für die zukünftig zu errichtenden Projekte wird eine neue Konzeption aus Wartungsvertrag und Versicherungslösungen notwendig werden. Aufgrund des Kostendrucks wird der Deckungsumfang sonst üblicher Vollwartungsverträge, die einen großen Anteil der operativen Kosten begründen, hinterfragt werden.

Bereits heute werden Vollwartungsverträge mit deutlich eingeschränkten Umfängen angeboten. Üblicherweise decken Versicherungsverträge unvorhergesehene Schadenfälle ab, die nicht von den Vollwartungsverträgen erfasst werden. Aufgrund der Veränderungen in den Wartungsverträgen und -konzepten sind die Versicherer gefordert, sinnvolle neue Produkte zu entwickeln.
Für ältere Windparks, deren staatlich gesicherte Vergütung ausläuft, sind ebenfalls neue Versicherungsprodukte notwendig. Auf Grundlage bisher im Markt verfügbarer Produkte wird ein Weiterbetrieb wirtschaftlich kaum möglich sein.

Hier bilden derzeit Mischformen aus Vollversicherungen und Kaskoversicherung, kombiniert mit einer durchdachten Ersatzteilstrategie, sinnvolle Konzeptionen für den Betrieb nach Ablauf der staatlichen Förderung.

Auch zukünftig werden ausreichende Kapazitäten vorhanden sein. Die Preise bleiben deshalb auf relativ niedrigem Niveau stabil. Größere Anlagen-Portfolios können auch weiterhin auf Konditionsverbesserungen hoffen.

Allerdings hat der Kostendruck auf der Schadenseite bei einzelnen Anbietern zuletzt zugenommen, sodass bei etwaigen Ausschreibungen eine detaillierte Analyse des Vorschadenverlaufes obligatorisch ist.

windenergy-offshore
Windenergie Offshore

Im Bereich der Windenenergie Offshore haben sich aufgrund der Ausschreibungssystematik im Wesentlichen die großen Konzerne durchgesetzt. Die vielfach gewünschte Akteurs-Vielfalt von Projektentwicklern und Windenergie-Anlagenherstellern findet hier nicht statt.

Der Innovationsdruck für die Projektentwickler ist erheblich, um bei niedrigen Erlösen trotzdem wirtschaftlich zu arbeiten. Immer neue Windenergie-Anlagendimensionen sowie neue Gründungskonzepte werden entwickelt. Anlagen erreichen bereits Größen von zehn Megawatt (MW). Das erfordert eine erhöhte Bereitschaft der Versicherer, Deckungen für fortwährend neue, nicht ausreichend erprobte Technologien zur Verfügung zu stellen.

Innovationen erfordern Antworten der Versicherer

Die Anzahl der zukünftigen Projekte in Deutschland ist stark limitiert. Viele international ausgerichtete Konzerne haben ihre Aktivitäten deshalb bereits ins Ausland verlagert. Die Versicherungsmärkte für Offshore-Windprojekte sind international. Deckungen werden üblicherweise in den nationalen Märkten sowie über den Londoner Markt angefragt.

In den letzten Jahren sind neue Kapazitäten durch Versicherer entstanden, die ihre Zeichnungsbereitschaft für Offshore-Projekte entwickelt haben. Bei den letzten Ausschreibungen wurden – trotz bereits günstiger Konditionen – sehr gute Ergebnisse für die Versicherten umgesetzt.

Jährliche installierte Windenergieleistung in Deutschland

Zubau an Leistung gesamt (MW)
Installationen Onshore
Inbetriebnahme Offshore
1.660 MW
3.170 MW
2.025 MW
2.330 MW
3.400 MW
5.120 MW
6.010 MW
5.440 MW
6.580 MW
3.370 MW

Quelle: IWR, Daten: BWE, DEWI,IWR, WindGuard
* vorläufig (Stand: 01.02.2019)

biogas
Biogas

In Deutschland werden nur noch vereinzelt neue Biogasanlagen in Betrieb genommen. Die Absicherung bereits bestehender Anlagen ist schwierig, sobald die Anlagen in die Jahre kommen. Die Konditionen müssen in solchen Fällen nach einer aufwendigen Risikoallokation individuell verhandelt werden.

Bei Umdeckungen von Versicherungsverträgen werden regelmäßig umfangreiche Prüfungen der Anlagen vor einer Deckungszusage erwartet. Teilweise werden Deckungen nur unter Auflagen und zu deutlich schlechteren Bedingungen erteilt.

Hohe Kapazität, aber kaum Großprojekte in Deutschland

solar
Photovoltaik

In Deutschland ist der Photovoltaikmarkt geprägt durch eine Vielzahl von kleineren Projekten (weniger als 750 kWp), die aufgrund ihrer Menge jedoch einen großen Anteil an der regenerativen Stromerzeugung haben. Die Versicherungsprodukte sind weit entwickelt und zu guten Konditionen für Kunden erhältlich. Kapazitäten sind ausreichend vorhanden.

Großprojekte im PV-Bereich werden derzeit im europäischen Ausland sowie in Ländern außerhalb Europas umgesetzt. Die deutschen Versicherer sind bei der Absicherung dieser Projekte stark engagiert – es entwickelt sich auch in diesem Bereich eine große Tendenz zur Internationalisierung.

geothermal
Geothermie

Derzeit werden keine neuen Geothermie-Projekte für die Stromerzeugung in Deutschland umgesetzt. Der Versicherungsmarkt stellt keine ausreichenden Deckungen insbesondere für das Bohr- und Fündigkeitsrisiko zur Verfügung. Aufgrund des fehlenden Kapitals der Projektgesellschaften und der nötigen Finanzierung mit Fremdkapital ist die Umsetzung von Projekten ohne Absicherung durch Versicherungen oftmals nicht möglich.

storage-technologies
Speichertechnologien

Die Versicherungswirtschaft kann bei der Weiterentwicklung der Speichertechnologien einen wesentlichen Beitrag leisten, indem sie neuen Konzepten gegenüber aufgeschlossen ist.

Erneuerbare Energien sind natürlicherweise nicht oder nur sehr begrenzt grundlastfähig. Im zukünftigen Energiesystem nehmen Speichertechnologien deshalb eine Schlüsselrolle ein. Bisher hat sich noch keine Technologie (wie z. B. Power-to-Gas) als die wirtschaftlich sinnvollste durchgesetzt.

Versicherer können Innovationen wesentlich unterstützen

net-infrastructure
Netzinfrastrukturen

Eine weitere große Herausforderung im Zusammenhang mit der Energiewende liegt im Ausbau der Netzinfrastrukturen. Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien findet häufig weit entfernt vom Abnehmer statt (z. B. Offshore-Wind). Zurzeit werden deshalb große Mengen erzeugter Energie nicht wirtschaftlich genutzt.

Der notwendige Netzausbau Offshore und Onshore wird in den nächsten Jahren zu erheblichen Investitionen der hierfür verantwortlichen Übertragungsnetzbetreiber führen.