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D&O-Versicherung

D&O-Versicherungen stark nachgefragt

Bei der Absicherung von D&O-Risiken dürfen Unternehmen nach zwei Jahren harten D&O-Marktes geprägt von Preissteigerungen, Limitkürzungen und Bedingungseinschränkungen hoffen, dass bevorstehende Vertragsverlängerungen der Versicherer mit mehr Augenmaß erfolgen. Indiz hierfür ist ein verstärktes Versichererinteresse an D&O-Neugeschäft, was die Durchsetzbarkeit weiterer nachteiliger Vertragsanpassungen erschwert. Dieser positive Trend wird jedoch nicht Unternehmen aller Branchen zugutekommen.

Marktsituation

Die angespannte geopolitische Situation, die rasant ansteigende Inflation, aber auch die Zunahme von Cyberattacken auf Unternehmen sowie die andauernde Pandemie fordern von den Unternehmensleitern mehr Verantwortung, Risiken von ihren Häusern abzuwenden. Damit erhöht sich das Haftungsrisiko für die Manager in einem ohnehin herausfordernden regulatorischen Umfeld.

Der befürchtete pandemiebedingte Anstieg von Firmeninsolvenzen ist bislang ausgeblieben, somit auch damit verbundene Schadensersatzansprüche gegen Manager. Durch den Wegfall staatlicher Unterstützungsmaßnahmen ist jedoch gemäß Prognose der Allianz Trade1 mit einem 15-prozentigen Anstieg von Unternehmensinsolvenzen weltweit gegenüber dem Vorjahr zu rechnen. Da in vielen Insolvenzen auch Vorwürfe gegen das Management erhoben werden, droht aus einer solchen Entwicklung die Zunahme von D&O-Schäden.

Die GDV-Statistik 2021 legt zudem dar, dass Leistungen aus der D&O-Versicherung stärker gestiegen sind (14 Prozent) als die Beitragseinnahmen (9 Prozent).2

Die Gesamtsituation erklärt, weshalb Versicherer ihre D&O-Engagements genau beobachten und prüfen, insbesondere bei besonderer Risikoexponierung wie Branche („Corona“ 3), Börsennotierung und/oder D&O-Schadenhistorie. Unternehmen müssen heute weitaus mehr Informationen liefern als noch in Vorjahren. Dies betrifft insbesondere internationale Konzerne, die darlegen müssen, wo sie weltweit Geschäftsaktivitäten nachgehen (speziell Russland und Weißrussland) und welche Maßnahmen sie im Umgang mit dem Thema ESG und dem Management ihrer Lieferketten getroffen haben.

Anzahl der Firmeninsolvenzen in Deutschland

von 2011 bis 2021

Quelle: Statista 2022

Ausblick

Versicherer stellen sich zur D&O-Versicherersparte unterschiedlich auf. Einer der D&O-Pioniere auf dem Versicherungsmarkt in Deutschland schließt das D&O-Buch für die Realwirtschaft in Deutschland und Österreich mangels auskömmlicher Prämien. Im Gegenzug stellen sich andere Versicherer breiter auf: Sie investieren in Personal und Prozesse, um dem gehobenen Mittelstand und der Großindustrie Kapazitäten im Grundvertrag inklusive internationaler Versicherungsprogramme anzubieten, und beleben so den Wettbewerb.

Das vergangene Renewal 2021/2022 mit durchschnittlichen Prämienerhöhungen von 15 bis 25 Prozent, der Aon Pricing Index Q1 2022 sowie die Risikolandschaft, der die Manager derzeit ausgesetzt sind, sprechen noch nicht für eine Entspannung des D&O-Marktes. Sowohl der angekündigte Wachstumskurs der Versicherer, bei dem neue Risiken – auch im Grundvertrag – im Fokus stehen, als auch die aktuellen Vertragserneuerungen zeigen ein anderes Bild. Erste Signale des Marktes werden gesendet, Verträge bei guter Risikobewertung unverändert zu verlängern bzw. moderate Prämienerhöhungen im ein- bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich in Anbetracht des inflationsbedingten Kostendrucks vorzunehmen. Es bleibt abzuwarten, ob die Versicherer ihr Versprechen halten.

Durch die Ausweitung ihrer Zeichnungsvollmachten insbesondere für UK-Versicherer ergeben sich über Assekuradeure weitere D&O-Marktkapazitäten.

Auch öffnen sich die Risikoträger mehr für Wordingverhandlungen mit Maklern, sofern der Bedingungsumfang maßvoll gewählt wird.

Im Falle des Engagements im Kriegsgebiet greifen die Versicherer in laufende D&O-Programme inklusive Lokalpolicen nicht ein. Bei erfolgten Vertragsverlängerungen bis zur Jahresmitte mussten exponierte Unternehmen jedoch territoriale Einschränkungen des Versicherungsschutzes akzeptieren.

Für besondere Risikoexponierungen wie US-gelistete Unternehmen, Special Purposes Acquisition Companies (SPACs), US-De-SPACS (mit dem SPAC fusionierte Zielunternehmen) sowie Unternehmen aus Problembranchen werden globale Märkte (London, Bermuda) hinzugezogen.

Beiträge, Leistungen und Schadenquoten in der D&O-Versicherung

Inländisches Direktgeschäft der GDV-Mitgliedsunternehmen
Jahr Beiträge in Mio. Euro Veränderung ggü. Vorjahr Leistungen in Mio. Euro Veränderung ggü. Vorjahr Schadenquote nach Abwicklung
2020 335 9,2 % 281 14,0 % 110,0 %
2019 262 10,1 % 233 -2,2 % 85,3 %
2018 247 5,6 % 252 25,0 % 112,9 %
2017 233 -10,2 % 203 -27,7 % 85,3 %
2016 259 3,3 % 281 3,4 % 99,1 %

Markttrends

Transparente Risikoinformationen und die Bereitschaft zu Risikodialogen bilden eine Vertrauensbasis mit den Risikoträgern und sind Schlüsselfaktoren für die Risikoprüfung und bestmögliche Marktkonditionen.

Versicherer setzen ihre Underwritingstrategie fort, prüfen die Risiken, denen das Management eines Unternehmens ausgesetzt ist, gründlich und bewerten selektiv. Eine frühe strategische Planung mit dem Berater verbunden mit einer abgestimmten Aufbereitung der umfassend geforderten Risikoinformationen – derzeit vor allem in Bezug auf ESG-Profile der Unternehmen – erhöht daher die Chance für guten Versicherungsschutz. Die Fachexpertise durch die Sparten- und Branchenteams international versierter Makler bietet das nötige Know-how zur Unterstützung bei der Risikovermarktung.

Gleichzeitig besteht der zeitliche Spielraum zur Prüfung alternativer Absicherungen bei schwer zu vermarktenden Risiken. Fakultative Rückversicherungsmärkte sind in der D&O-Platzierung für höhere Kapazitäten nicht mehr wegzudenken. Eigentragungsmodelle wie Captive-Lösungen konnten sich hingegen noch nicht durchsetzen.

Hohe D&O-Kosten treiben die versicherungsnehmende Wirtschaft zu Überlegungen, sich über Versicherungsvereine bei der Besorgung von D&O-Versicherungsschutz selbst zu helfen. Ob sich die bei der Prüfung ergebenden Hürden so überwinden lassen, ist noch nicht abschätzbar.

Vierteljährlicher Index der D&O-Preise

von 2015 bis 2021
2001 = 1,00

Quelle: Aon Pricing Index D&O

1) Insolvencies: We’ll be back (allianz-trade.com), Firmeninsolvenzen in Deutschland bis 2021 | Statista

2) Deutlich mehr Schadenzahlungen in der Manager-Haftpflicht (gdv.de), Directors-and-Officers (D&O) (gdv.de)

3) Beispielsweise Eventveranstalter, Reise & Touristik, Hotel & Gastronomie, Einzelhandel