Duisburg: Endpunkt der neuen Seidenstraße

Die raue Fahrt geht weiter: Im Segment der Warenversicherung sind Unternehmen inzwischen im Verkäufermarkt angekommen. Die Havarie der „Ever Given“, aber auch die Ungewissheit über die Pandemiefolgen und Cybergefahren verstärken den Trend. Immerhin gibt es beim Neugeschäft erste Lichtblicke.

Die Versicherer reagieren mit zunehmender Unruhe auf medienwirksame aktuelle Ereignisse wie die Havarie der „Ever Given“ im Suezkanal. Das Schiff hatte den Schifffahrtskanal für sechs Tage blockiert und wurde dann von der ägyptischen Kanalbehörde beschlagnahmt – es wird geschätzt, dass sich in den rund 18.500 Containern an Bord Waren im Wert von 10 Mrd. US-Dollar befinden.

Dieses sehr konkrete Ereignis vermengt sich einerseits mit seit Jahren anhaltend schlechten Schadenverläufen. Andererseits gibt es Sorgen sowohl vor den Auswirkungen der Corona-Pandemie als auch vor den Gefahren, die aus denkbaren Cyberschaden-Szenarien resultieren können.

Marktsituation

Es vermischen sich zusehends die Faktoren, die die Risikobereitschaft eines Versicherers beeinflussen: Traditionell schlechte versicherungstechnische Ergebnisse treffen auf den Wunsch, zukünftige (bessere) Ergebnisse planbar werden zu lassen, (noch unbekannte) Risiken transparent zu machen sowie insgesamt das Risiko zu reduzieren.

Neben der Prämienhöhe wird absehbar die Frage nach der Qualität des künftigen Deckungsschutzes maßgeblich die Entscheidung der Kunden für einen Versicherer bestimmen.

Markus Nelsen

Ein Blick auf die im Juni 2021 veröffentlichten Prämien- und Schadenzahlen für 2020 zeigt ein erwartetes Bild: Die – vor Ausbruch der Corona-Krise – vereinbarten Prämien stagnieren auf dem Niveau von 2019 und die tatsächlichen Schadenzahlungen sind rückläufig.

Eine Interpretation dieser Daten fällt jedoch schwer, da erhebliche krisenbedingte Sondereinflüsse zu berücksichtigen sind; dies lässt sich auch aus den reduzierten Großschadenmeldungen der Mitglieder des Branchenverbands GDV ableiten. Aus Sicht der Transportversicherer wird daher diese positive Entwicklung nicht als Trendwende betrachtet.

Ausblick

Der Ausblick für den Kunden ist negativ – der Käufermarkt wandelt sich vollständig zum Verkäufermarkt. Die Versicherer geben sich zunehmend nicht mehr mit klassischen Vertragsverhandlungen zur Höhe der Prämie zufrieden, sondern greifen aktiv in die Qualität der Deckung ein. Hierbei wird das Argument herangezogen, dass es sich doch um Klauseln handele, die dem Kunden eine erhöhte Rechtssicherheit bieten.

Prämien- vs. Schaden­verläufe (2013-2020)

Quelle: GDV

In der Realität schränken die geforderten Klauseln (vorrangig abzielend auf den Ausschluss von Cyber- und Infektions-Risiken) jedoch den Versicherungsschutz je nach Formulierung deutlich ein und bieten damit vorrangig dem Versicherer die beschriebene Rechtssicherheit im Hinblick auf zukünftig mögliche Schadenablehnungen.

Markttrends

Die Versicherer werden in immer stärkerem Maße zentral gesteuert und erhalten – je nach Sitzland des verantwortlichen fachlichen Entscheiders – einheitliche Vorgaben zur Umsetzung. Häufig werden dabei in London übliche Kriterien angelegt; dies zeigt der Umgang mit den Cyber- und Infektionsthemen in eindrücklicher Weise.

Ein kleines positives Zeichen ist aber auch zu sehen: Da einige Versicherer bereits die Auswirkungen ihrer vorangegangenen Sanierungen in Form von dramatisch reduzierten Prämieneinnahmen erkennen, besteht wieder erstes vorsichtiges Interesse, aktiv neues Geschäft zu zeichnen.

Die Auswirkungen des Versicherungssteuermodernisierungsgesetz auf die Warenversicherung bleiben überschaubar, da in der Sparte traditionell mit Lokalpolicen gearbeitet wird und mögliche Doppelbesteuerungen keine Rolle spielen.

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