Panorama von Hamburg mit Elbphilharmonie und Hafen

Der Markt für Technische Versicherungen entwickelt sich weiterhin besser als der gesamte Industrieversicherungsmarkt. Aktuell prognostiziert der GDV eine sehr positive Schadenkostenquote – dies aber nicht für alle Zweige und nicht für alle Versicherer. So steigen z. B. in der Bauleistungsversicherung weiter die Preise.

Marktsituation

Nach den Hochrechnungen des GDV können die Versicherer für das Jahr 2021 mit Prämieneinnahmen von rund 2,5 Mrd. Euro rechnen. Das sind 2 % mehr als im Vorjahr (2,4 Mrd. Euro). Der Schadenaufwand soll sich nach den ersten Schätzungen um ganze 5 % erhöhen. Demnach würde der Schadenaufwand im Vergleich zum Vorjahr auf rund 1,43 Mrd. Euro (2020: 1,37 Mrd. Euro) steigen. Vor dem Hintergrund dieser Branchenzahlen können die Versicherer in der Sparte Technische Versicherungen für das Gesamtjahr 2021 mit 78 % (2020: 77 %) von einer annähernd unveränderten Schadenkostenquote ausgehen. Der Markt für Technische Versicherungen teilt sich in zwei Gruppen auf. So gibt es eine Reihe von Versicherern, die im Wesentlichen Prämien im deutschen Markt und angrenzenden Ländern mit sehr positiven Ergebnissen erwirtschaften. Auf der anderen Seite gibt es Versicherer, die über ein global zusammengesetztes Portfolio verfügen und aufgrund ihrer Geschäftsentwicklung dazu gezwungen sind, die Preise anzuheben und/oder die Bedingungen einzuschränken. Ausgangspunkt der international schlechteren Marktsituation sind insbesondere einige Größtschäden in den letzten Jahren, u. a. der größte Engineering-Schaden aller Zeiten an einem im Bau befindlichen Wasserkraftwerk in Kolumbien oder die Schäden an LNG-Anlagen in Australien.

Für die meisten Zweige deuten sich keine generellen Preiserhöhungen des Gesamtbestands an. Bei Verträgen mit hoher Schadenquote drohen jedoch steigende Preise oder höhere Selbstbehalte.

Michael Wolter

Ausblick

Im Zweig Bauleistungsversicherung erhöhen die Versicherer jedoch weiterhin die Preise. Das lässt sich vor allem durch die negativen Schadenerfahrungen erklären. So gab es in den letzten Jahren auch in Deutschland eine deutliche Zunahme lokal begrenzter extremer Witterungsereignisse und die Qualität der Subunternehmer hat kontinuierlich abgenommen, während die Komplexität der Bautechnik zugenommen hat. Des Weiteren ist die Anzahl größerer Wasserschäden im Hochbau permanent gewachsen. Bei bestimmten Risiken, wie beispielsweise Gasturbinen, Kessel, Dampfturbinen, Offshore oder Seekabel, zeigen die Versicherer zurzeit etwas weniger Risikoappetit und versuchen teilweise die Preise zu erhöhen oder/und den Deckungsumfang einzuschränken. Hintergrund sind hier schlechte Schadenerfahrungen, z. B. im Bereich der Seekabel. Kommt es zu Beschädigungen, klettern die Reparaturkosten schnell auf Beträge in zweistelliger Millionenhöhe.

Technische Versicherungen: Schadenaufwand und Schadenquote steigen leicht an

* Prognose

Quelle: GDV

Markttrends

Ohne eine disziplinierte Risikoprüfung durch das Risk Engineering hat das Underwriting mittlerweile keine Möglichkeit mehr, überhaupt ein Angebot abzugeben. Dementsprechend sind die Durchlaufzeiten für Ausschreibungen deutlich gestiegen. Im Vergleich zu Ausschreibungen der vergangenen Jahre haben sich die Anforderungen an die Qualität der Risikoinformationen deutlich erhöht.

Neue Entwicklung: Schadenprävention

Im Bereich Bauleistungsversicherung haben sich einige Versicherer intensiv mit den Ursachen größerer Wasserschäden im Hochbau auseinandergesetzt und an Möglichkeiten zur Schadenprävention geforscht. Im Ergebnis bieten mittlerweile Versicherer vereinzelt neben dem reinen Versicherungsschutz auch Systeme zur Schadenprävention während der Bauzeit an. Hierzu zählen z. B. Detektoren zur Überwachung möglicher Wasserschäden. Diese neuen Systeme werden meist von Drittanbietern bereitgestellt. Sie sind vom Versicherungsnehmer gesondert zu vergüten. Im Gegenzug lassen sich hierdurch Risikoverbesserungen erzielen, die zu Nachlässen in den Prämien führen können.

Trend zur Branchenspezialisierung

Generell ist zu beobachten, dass Industrieversicherer mit internationaler Ausrichtung die Spezialisierung in Branchen, z. B. Energy, Power, Renewable Energy, Construction, weiter vorantreiben. Nicht selten ist damit verbunden, dass die Entscheidungsträger oder Underwriter im Ausland sitzen.

Es gelingt nicht jedem Versicherer, den Vorteil des Spezialwissens mit der Ausrichtung auf den deutschen Markt in eine gute Balance zu bringen. Einige Versicherer haben z. B. Probleme damit, ihre Bedingungen oder Selbstbehalte an die Bedürfnisse des deutschen Marktes anzupassen.