Hamburger Speicherstadt mit Elbphilharmonie

Unterschiedliche Signale: Die Frachtraten in der Linienschifffahrt und im Chartergeschäft bewegen sich auf Rekordniveau. Die Kreuzfahrtindustrie bereitet sich mit Hochdruck auf einen coronabedingten Neustart vor, während Hafenwirtschaft und deutscher Schiffbau nicht vor 2024 mit Umsätzen auf Vorkrisenniveau rechnen.

Marktsituation

Kasko etc.

Im Kaskomarkt mildert sich der Trend zu Kapazitätsverknappungen leicht ab. Viele Versicherer haben sich in der Zwischenzeit neu aufgestellt und folgen ihren neuen, strengeren Underwriting-Vorgaben. Das bedeutet weiterhin steigende Prämien, insbesondere bei schlechten Schadenverläufen. Gelegentlich haben Kunden die Chance, neue Kapazitäten an Risiken mit mittleren Limits einbringen zu können.

P&I

In der diesjährigen Prolongationsphase der International Group Clubs im Februar 2021 forderten viele Versicherer Prämienerhöhungen zwischen 5 und 10 % ein. Im Gegensatz zu vormals vergleichbaren Tendenzen gab und gibt es aktuell kaum Verhandlungsspielraum. Zusätzlich bewerten Versicherer die Risiken der Reeder individuell nach Schadenverlauf und nehmen entsprechende Anpassungen vor. Dennoch waren die Versicherer der International Group bemüht, ihren durch die Pandemie besonders betroffenen Mitgliedern individuelle Lösungen anzubieten.

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90 %
des Welthandels werden über den Seeweg abgewickelt.

Ausblick

Die Havarie der „Ever Given“ im Suezkanal hat deutlich gemacht, wie abhängig der Welthandel von funktionierenden Handelswegen ist. Dieser Schadenfall wird sich auf die Versicherungswirtschaft auswirken. Während der Schaden an der Sachsubstanz Schiff überschaubar sein dürfte, muss sich das Schiff dennoch an den Beiträgen zur Havarie Grosse beteiligen. Ebenfalls ist der Haftpflichtmarkt von den Forderungen der Geschädigten aus der Havarie betroffen. Die Verhandlungen zu Schadenersatzforderungen laufen – es ist davon auszugehen, dass die Summen erheblich sein werden. Darüber hinaus sind auch die Container- und Ladungseigner sowie deren Versicherer von der Havarie Grosse betroffen.

Kasko etc.

Im Rahmen der Anpassung von Bedingungen müssen Kunden zunehmend Pandemieausschlüsse akzeptieren. Getrieben vom Rückversicherungsmarkt finden sich kaum Versicherer, die auf die Vereinbarung einer Pandemieausschlussklausel verzichten. Darüber hinaus erwarten wir keine wesentlichen Bedingungsanpassungen. Allerdings lassen sich häufig über Franchisen-Anpassungen Prämienerhöhungen abmildern. Grundsätzlich ist weiterhin mit steigenden Prämien zu rechnen, besonders bei hoher Schadenlast.

Als Konsequenz aus der Havarie der EVER GIVEN erwarten wir eine Diskussion um die richtige Risikobewertung von Großcontainerschiffen. Ob für dieses Segment mit vermehrten Prämiensteigerungen zu rechnen sein wird, bleibt daher abzuwarten.

P&I

Das Rückversicherungsprogramm der internationalen Haftpflichtversicherer (Clubs) wurde im Jahr 2020 für zwei Jahre verlängert. In der Folge konnten die P&I Clubs bei der Prolongation 2021 auf die Aufnahme von Pandemieausschlussklauseln im Wesentlichen verzichten. Einige Fixprämienanbieter sind jedoch davon betroffen und bestehen darauf. Wir erwarten für die Prolongation 2022 eine rege Diskussion und im Zweifel entsprechende Bedingungsanpassungen. Die Entwicklungen sind hier genau zu beobachten.

Bei der Prämienentwicklung gehen wir aufgrund der Schadenlast infolge der Corona-Pandemie sowie der Havarie der EVER GIVEN weiterhin von einem Trend zur Forderung nach Erhöhungen aus.

Die Risiko­bewertung rückt in den Fokus. Versicherer stellen umfang­reiche Fragen. Die deutschen Führungs­versicherer zeichnen nur noch sehr restriktiv. Daher wird häufig auf aus­ländische Kapazitäten zurück­gegriffen.

Anna Prost

Markttrends

Herausforderung neue Antriebstechniken

Da heutzutage 90 % des Welthandels über den Seeweg abgewickelt werden, ist die Branche in den nächsten Jahren und Jahrzehnten verstärkt gefordert, so umweltfreundlich wie möglich unterwegs zu sein. Der Großteil aller Schiffe wird bisher mit Schweröl betrieben. Doch der Druck, auf neue Antriebstechniken umzustellen, wächst in den letzten Jahren kontinuierlich. Die Schifffahrtsbranche hat sich zu ehrgeizigen Klimaschutzzielen verpflichtet, CO2-Neutralität ist das Ziel. Aktuell ist eine große Dynamik bei der Erforschung und Erprobung neuer Wege erkennbar. Dabei wird an Treibstoffen wie Methanol oder Ammoniak geforscht, aber auch Wasserstoff, LNG oder E-Antrieben. Was sich am Ende durchsetzen kann, steht noch nicht fest.

Der Seefahrer im Fokus

Die Corona-Pandemie hat deutlich gemacht, dass der reibungslose Ablauf von Crew-Wechseln keine Selbstverständlichkeit ist. Die Berichte von Seefahrern über ausgelaufene Arbeitsverträge, gesperrte Heimreisen sowie physische und mentale Erschöpfung sind vielfältig. Damit rückt auch das Gesundheitsmanagement von Seefahrern in den Fokus der Unternehmen. Es gibt vielfältige Ansätze, um das Leben an Bord, aber auch an Land einfacher zu gestalten – angefangen bei internationalen Forderungen nach zügigem Impfschutz für Seeleute über aktive Gesundheitsvorsorge auch per App bis hin zur Einführung digitaler Bezahlplattformen. Wir erwarten auch in diesem Bereich eine sehr dynamische Entwicklung, getrieben von zunehmender Digitalisierung.