Regensburg mit Dom und Steinerner Brücke

Das Jahr 2020 entwickelte sich außerordentlich erfolgreich, nachdem die Corona-Krise in der ersten Jahreshälfte schnell verdaut wurde. Im ersten Halbjahr 2021 bewegt sich die Zahl versicherter Transaktionen ungebrochen auf Rekordkurs. Auch die Nachfrage nach Spezialversicherungen ist weiter hoch.

Marktsituation

Der M&A-Markt entwickelt sich unvermindert äußerst positiv. Die Zahl der versicherten Transaktionen ist weiterhin stark steigend, sodass man bei Warranty&Indemnity (W&I)-Versicherungen mittlerweile schon von einem Commodity-Produkt im Sinne einer standardisierten Lösung sprechen kann. Obwohl die W&I-Versicherung nach wie vor das Zugpferd ist, haben sich auch diverse Nebenlösungen etabliert und werden stetig reifer.

12 Mrd. €
Versicherungssumme
hat Aon europaweit
platziert

Aufgrund der hohen Kapitalverfügbarkeit besteht ein hoher Investitionsdruck bei institutionellen Investoren, aber auch bei investierenden Unternehmen (Corporates). Dies führt zwangsläufig zu einer starken Konkurrenzsituation bei Auktionen mit der Folge eines ungebrochen starken Verkäufermarkts. Bei einer W&I-Versicherung stellt der Versicherer Haftungskapital für die Verletzung von Gewährleistungen aus einem Unternehmenskaufvertrag zur Verfügung. Gleichzeitig wird die Haftung des Verkäufers auf ein absolutes Minimum, in der Regel einen „1-Euro-Cap“, reduziert. Dadurch kann der Verkäufer mehr Garantien abgeben, als wenn er voll haften würde. Der Käufer wiederum erhält die Möglichkeit, den sonst erforderlichen Risikoabschlag für Garantieverletzungen auf den Kaufpreis aufzuschlagen. Dies eröffnet ihm eine bessere Positionierung im Bieterwettbewerb.

Bei den Spezialversicherungen besteht weiterhin eine ungebrochen hohe Nachfrage nach Steuer- und Litigation-Buy-out-Versicherungen. Gerade im Bereich der Steuerrisiken haben die Versicherer massiv Kapazitäten aufgebaut (sowohl was die bereitgestellten Versicherungssummen als auch Personal angeht). Dabei ersetzen Steuerversicherungen vielfach die unverbindliche Auskunft des Finanzamts und gewähren einen flexibleren Schutz.

Auch im Bereich der Absicherbarkeit von Rechtsstreitigkeiten haben sich die Versicherungsprodukte weiter ausdifferenziert. So sichern Litigation-Buy-out-Versicherungen (i) den Kläger hinsichtlich des Bestands eines stattgebenden (Zahlungs-)Urteils (Judgement Preservation Insurance), (ii) den Beklagten gegen das Risiko eines potenziell katastrophalen negativen Urteils (Adverse Judgement Insurance) und (iii) gegen das Risiko, auf Prozesskosten sitzen zu bleiben (After the Event Insurance), ab. Darüber hinaus ist der Bereich Digital M&A ein Innovationstreiber: Neben der Beratung zur Cyber & Data Protection Due Diligence rundet nun das Thema Intellectual Property das Angebot für die Transaktionsparteien ab. Hierbei hat Aon ein dreistufiges Modell entwickelt, um technische Cyber-Risiken, finanzielle Risiken und den Compliance-Status (z. B. DSGVO) frühzeitig im Transaktionszyklus zu identifizieren. Mithilfe spezieller Tools zur Erkennung von Cyber-Risiken, finanzieller Quantifizierungsmodelle und Cyber-M&A-Experten lassen sich Risiken bei Transaktionen klarer identifizieren und in der Folge transferieren. Qualitative und quantitative Analysen zum Marken- und Patentportfolio gewähren tiefere Einblicke in bisher unbeleuchtete Bereiche einer Transaktion.

Im Jahr 2020 hat Aon europaweit über 260 M&A-Versicherungen mit einer Gesamtversicherungssumme von über 12 Mrd. Euro platziert. Hierbei verzeichnete die DACH-Region ein starkes Wachstum auf über 45 abgeschlossene Transaktionen.

Ausblick

Einbußen durch die Corona-Krise sind im M&A-Markt nicht (mehr) zu spüren – ganz im Gegenteil. Derzeit ist eine rekordverdächtige Aktivität am M&A-Markt zu verzeichnen und ein Ende ist nicht absehbar.

Das Prämien­niveau bleibt stabil ohne nennens­werte Änderungen. Nur besondere Themen wie Lücken in der Due Diligence oder wirt­schaftliche Entscheidungen des Versicherers führen zu Prämien­aufschlägen.

Dr. Matthias Luettges

Die im letzten Jahr erwartete Zunahme an Insolvenzen und entsprechenden Verkäufen von Unternehmen oder Betriebsbereichen aus der Insolvenz (Distressed M&A) hat sich nicht bewahrheitet. Distressed M&A mit W&I-Versicherungen fand nur vereinzelt statt und derzeit besteht bei Versicherern nur ein begrenztes Interesse an Deckungskonzepten auf der Basis sogenannter synthetischer Garantien.

Markttrends

Standardausschlüsse von Versicherern wurden weiter minimiert, wobei so langsam eine Bodenbildung zu verzeichnen ist. Themen wie Deckung für Pension Underfunding, Transfer Pricing und Secondary Tax wurden diskutiert, jedoch hat sich hier noch keine spürbare Veränderung ergeben. Auch wenn die Käufer zunehmend die Due Diligence (DD) (noch) breiter und professioneller aufstellen und Themen fokussieren, die normalerweise vom Versicherungsschutz ausgenommen wären, so bleiben bei den o. g. Themen die faktischen und kommerziellen Risiken für die Versicherer unkalkulierbar. Bei Cyber, DSGVO-Compliance und technischen Risiken werden die Versicherer zunehmend offener.

Hybridkonzepte, wie die Vorteile einer „US-style-Police“, werden weiterhin auch in Europa stark nachgefragt, vielfach diskutiert und von Kunden eingekauft.

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