Luftaufnahme über Dresden

Geistiges Eigentum (Intellectual Property) sichert Unternehmen Wettbewerbsvorteile, beinhaltet aber auch Risiken. Verletzungen solcher Schutzrechte sind sehr vielfältig. Heutige Versicherungslösungen stammen noch aus dem angloamerikanischen Raum. Künftig dürften auch deutsche Versicherer mitmischen.

Immaterielle Werte gewinnen zunehmend an Bedeutung. Noch vor zehn Jahren lauteten die Namen der weltweit größten Unternehmen Walmart, Exxon oder BP. Heute heißen sie Apple, Alphabet, Microsoft, Amazon oder Facebook. Ihr Erfolg basiert häufig auf neuen, Intellectual Property (IP)-basierten Geschäftsmodellen. Die Digitalisierung führt aber selbst bei Unternehmen mit konventionellem Geschäftsmodell zum Anstieg der immateriellen Unternehmenswerte auch hierzulande. Deutschland nimmt mit einer großen Anzahl von Patenten weltweit eine Spitzenstellung ein. Neben Patenten zählen auch Trademarks, Designs, Copyrights sowie Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse zum geistigen Eigentum.

Marktsituation

Diese Entwicklung bietet einerseits große Chancen und ist oft unerlässlich, um Unternehmen in die Zukunft zu führen. Andererseits drohen Risiken für die eigenen Unternehmenswerte, z. B. durch IP-Verlust oder sonstige Verletzungen geistiger Eigentumsrechte von außen oder innen. Besonders, wenn IP das maßgebliche Kapital des Unternehmens verkörpert. Auch eigene, oft unbeabsichtigte Verstöße gegen Schutzrechte Dritter können ein Unternehmen massiv beeinträchtigen.

Nur
16 %
des Wertes immaterieller Vermögenswerte sind bislang gegen einen möglichen Verlust versichert.*

Häufig zeigt die Praxis, dass Unternehmen Patente nach Anzahl, nicht aber nach Wert erfassen. Ein Überblick über strategische Entwicklungen global und bei Wettbewerbern fehlt vielfach bzw. wird nicht hinreichend berücksichtigt. Unternehmen vergeben auf diese Weise große Entwicklungschancen, z. B. durch Einsatz der Rechte als Sicherheiten gegenüber Investoren bei Kapitalmaßnahmen.

Klagen von Wettbewerbern wegen vermeintlicher Verstöße gegen Schutzrechte liegen auf einem hohen Niveau und werden mehr und mehr strategisch eingesetzt, um den Wettbewerb zu schwächen. Im Extremfall erwerben Unternehmen Schutzrechte mit dem vorrangigen Ziel, hieraus auf dem Klagewege Kapital zu schlagen.

Ausblick

In Deutschland wurde dem Thema IP Insurance lange nicht die Aufmerksamkeit zuteil, die das Thema in den USA oder in UK hat. Versuche deutscher Versicherer, sich dem Thema zu nähern, waren bislang nicht von durchschlagendem Erfolg gekrönt. Daher verwundert es nicht, dass die heute erhältlichen Versicherungsprodukte nahezu ausschließlich aus dem angloamerikanischen Rechtsraum stammen.

Viele Unter­nehmen beschäftigen sich heute mit ihrem IP Exposure. Versicherungs­lösungen werden zukünftig auch hier­zu­lande eine größere Rolle spielen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Versicherer in den deutschen Markt eintreten.

Dr. Jochen Schuster

Einher mit größerer Konkurrenz werden – wie sonst im Versicherungsmarkt – auch Preise sinken, die Bedingungen verbreitert und die Selbstbehalte abnehmen.

Gegenwärtig sind über die heute aktiven Märkte Limite in der Größenordnung bis zu 250 Mio. Euro zu bekommen, wobei es stark auf die Branche ankommt. Im klageträchtigen Bio-Sciences- und Medizinbereich werden deutlich geringere Limits angeboten als beispielsweise für den Maschinenbau.

Markttrends

IP-Schadenfälle finden häufig im Konkurrenzbereich zwischen Unternehmen statt. Ein Wettbewerber (oder sonstiger Dritter) behauptet, dass der Versicherungsnehmer sein geistiges Eigentum verletzt. Hierzu gehören auch die Angriffe von NPEs (Non-practising entities, sogenannte Patenttrolle), deren Geschäftsmodell es ist, anderen berufsmäßig die Verletzung geistigen Eigentums vorzuwerfen. Das angegriffene Unternehmen will sich gegen diese Behauptung verteidigen. Dazu muss zunächst analysiert werden, ob die Behauptung zutreffend ist, es müssen Rechtsverteidigungskosten aufgewandt werden. Für den Fall, dass sich der Vorwurf erhärtet, entstehen weitere Kosten. Dies können Lizenzgebühren, Schadenersatzzahlungen oder Vernichtungskosten sein. Die in diesem Zusammenhang entstehenden Kosten und Aufwendungen können im Rahmen einer IP-Versicherungslösung abgesichert werden.

Versicherungsschutz kann auch in die umgekehrte Richtung bestehen, wenn sich das versicherungsnehmende Unternehmen aktiv gegen Verletzungshandlungen Dritter ihm gegenüber wenden will. Auch im vertraglichen Bereich, wenn es z. B. um die Absicherung von vertraglichen Freistellungsverpflichtungen im Bereich IP-relevanter Produkte geht, kann eine IP-Versicherung Schutz bieten. Der Versicherungsschutz kann außerdem maßgeschneidert auf ein individuelles Portfolio von Rechten ausgeweitet oder auf den Einzelfall konkretisiert werden.

* 2019 Intangible Assets Financial Statement Impact Comparison Report. Global Edition. Sponsored by Aon. Independently conducted by Ponemon Institute, LLC. April 2019, p4

Interesse geweckt?

Dann melden Sie sich doch zu unserem Online-Seminar an.