Health & Benefits

Panorama von Frankfurt von den Brücken über den Main bis zur Hauptwache

1. GroupLife: Harmonisierung von Benefits hoch im Trend

Dieses Jahr hat – unter anderem beschleunigt durch die COVID-19-Pandemie – gezeigt, dass die Nachfrage nach Hinterbliebenen- und Invaliditätsabsicherung auf Unternehmensseite weiterhin hoch ist.

Insbesondere im Bereich Employee Wellbeing verfolgen viele Arbeitgeber dabei das Ziel, eine internationale Harmonisierung von Benefits herbeizuführen. Der Blick auf die Prämien zeigt, dass die Entwicklung dieser zwar konstant ist, die Prämiensätze allerdings stark variieren und auch die Risikobewertung schwankt. Dazu kommt, dass die Ausdifferenzierung von Tarifen sowie die Ausweitung von Assistanceleistungen den Angebotsvergleich weiter erschweren – die unterschiedlichen inhaltlichen Nuancen allerdings gleichwohl eine fokussiertere und individuellere Erfüllung von Bedürfnissen auf Kundenseite ermöglichen.

Marktsituation

Bei der Hinterbliebenen- und Berufsunfähigkeitsabsicherung setzt sich der Trend einer hohen Nachfrage aus dem letzten Jahr fort. Die Steigerungen bei Umsatz und Verträgen liegen seitens der Versicherer im Segment GroupLife bei 50 % gegenüber dem Vorjahr. Im laufenden Geschäftsjahr wurden die Umsatzzahlen des Jahres 2020 zum Teil schon im Mai 2021 erreicht.

Umsatz und Verträge im Bereich GroupLife stiegen 2020 um über
50 %
gegenüber dem Vorjahr.

Im Bereich der Hinterbliebenenabsicherung ist der Treiber die COVID-19-Pandemie. Dies zeigt sich durch einen erhöhten Fokus der Unternehmen auf das Wellbeing der Mitarbeitenden sowie starke Bestrebungen, die Benefits für die Arbeitnehmerschaft länderübergreifend zu harmonisieren. Nach anfänglichen Unsicherheiten der Versicherer zu Beginn der Pandemie ist die Prämienentwicklung (vorbehaltlich der individuellen Schadenquoten) konstant geblieben. Die uneinheitliche Bewertung der Risiken und somit die Varianz der Prämiensätze bei den Versicherern hat jedoch deutlich zugenommen.

Bei der Berufsunfähigkeitsabsicherung (inkl. Varianten) ist ebenfalls eine Harmonisierungstendenz zu beobachten. Insbesondere, da bisher eine eigenständige Invaliditätsabsicherung in vielen anderen Ländern stärker verbreitet ist als in Deutschland. Die Berufsunfähigkeitsabsicherung rückte darüber hinaus durch tarifliche Abschlüsse (z. B. in der Chemiebranche) weiter in den Fokus der Arbeitgeber.

Ausblick

Sowohl für Employee-Wellbeing-Produkte im Allgemeinen als auch für GroupLife-Angebote im Speziellen ist von einem weiteren Nachfrageanstieg auszugehen. Drei Faktoren sind hierfür maßgeblich: Erstens sind Arbeitgeber bestrebt, sich im Wettbewerb um Fachkräfte abzuheben. Zweitens verfolgen sie das Ziel, eine länderübergreifende Harmonisierung von Benefits zu erreichen, und drittens werden branchenspezifische Tarifabschlüsse eingerichtet, die sich auch auf nicht tarifgebundene Unternehmen auswirken.

Die betriebliche Einkommens­sicherung gewinnt als Mitarbeiter-Benefit immer stärker an Bedeutung. Die Produkt­palette wächst und wird zunehmend komplexer – eine gute Beratung ist hierbei das A und O, um unter­schiedlichen Bedürfnissen und Budgets gerecht zu werden.

Daniel Heimsoth

Markttrends

Die Tarifvarianten der Berufsunfähigkeitsabsicherung werden durch die Versicherer zunehmend ausgebaut und ermöglichen eine fokussierte Ausrichtung auf die Bedürfnisse und Budgets der Unternehmen. Die Vergleichbarkeit der Angebote wird hierdurch jedoch gleichermaßen erschwert; Komplexität und Notwendigkeit der Beratung nehmen deutlich zu.

Darüber hinaus versehen die Versicherer ihre Angebote immer häufiger mit zusätzlichen Assistanceleistungen, wie z. B. CareManagement und Gesundheitstelefonen, um den Unternehmen einen unmittelbaren Zusatznutzen zu verschaffen. Dies ermöglicht eine Verknüpfung mit den oftmals schon bestehenden Systemen der Gesundheitsvorsorge und des betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM), um ganzheitliche Employee-Wellbeing-Lösungen für die Mitarbeitenden zu schaffen.

Stadtbild von Köln mit dem Dom

2. Aktueller denn je: Die 24-Stunden-Deckung in der Gruppen­unfall­versicherung

Die Unfallversicherung bleibt für die Versicherer eine sehr lukrative Sparte. Durch die COVID-19-Pandemie entstandene Schäden spielten für das industrielle Gruppenunfallgeschäft keine Rolle.

Marktsituation

Die gebuchte Prämie der Versicherer wird Ende 2021 voraussichtlich bei 6,7 Mrd. Euro liegen. Damit entspräche sie den Einnahmen des Vorjahres. Die Schadenaufwendungen dürften sich dagegen mit 3,3 Mrd. Euro um 2,5 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr verbessern: Die Schadenquote würde somit von 60 % im Jahr 2020 auf 57 % im Jahr 2021 sinken.*

Auf
57 %
sinkt die Schadenquote der Versicherer voraussichtlich 2021

Als direkte Folge der Pandemie sind sowohl der „Rückzug“ vieler Berufsgruppen ins Homeoffice als auch die wiederkehrende Lockdown-Situation, welche über einen langen Zeitraum weder Urlaubsreisen noch Kontaktsportarten zuließ, zu benennen, da diese zu einer erheblichen Risikominimierung bei Versicherern beigetragen haben.

Darüber hinaus bleibt festzuhalten: Eine Corona-Infizierung selbst zieht nach wie vor keinen Leistungsanspruch innerhalb der Unfallversicherung nach sich.

Ausblick

Die Zeichnungspolitik der Versicherer hat sich im laufenden Versicherungsjahr nicht signifikant geändert. Gleichzeitig zeichnet sich jedoch ab, dass der Wettbewerb unter den Versicherern im Bereich der gewerblichen Unfallversicherung intensiver wird. Der Grund: Versicherer, die noch vor einigen Jahren zurückgezeichnet oder sich vollständig aus der Sparte verabschiedet hatten, drängen aktuell wieder auf den Markt. Aus Kundensicht ist positiv zu vermerken: Für das Bestandsgeschäft sollten keine bis allenfalls marginale Sanierungsforderungen seitens der Versicherer ausgesprochen werden.

Markttrends

Die aktuelle Lage hat bei Kunden – insbesondere bei einer Infektion mit COVID-19 oder bei möglichen Folgeschäden z. B. aufgrund von Impfungen – zu Unsicherheiten in Bezug auf den Versicherungsschutz durch die Unfallversicherung geführt. Nach wie vor greift die Unfallversicherung in Bezug auf eine mögliche COVID-19-Infektion nicht.

Die Unfall­versicherung bietet aktuell keinen Schutz bei COVID-19 – die Infektions­klauseln werden aller­dings in Bezug auf die Mit­versicherung von Impf­schäden über­arbeitet. Und auch der Versicherungs­schutz im Home­office über die Berufs­genossen­schaften wurde an den Versicherungs­schutz im Büro angepasst.

Christine Albersmeyer

Auch indirekte (Folge-)Schäden sind daher nicht versichert. Die Diskussionen hierum führten jedoch dazu, dass die weit verbreiteten Infektionsklauseln – allen voran die „Impfklausel“ – in den Unfallbedingungen auf dem Prüfstand stehen. An einer Klarstellung bzw. Erweiterung dieser Klauseln wird gearbeitet.

Auch in der Arbeitswelt gab es Veränderungen: allen voran der Wechsel vieler Arbeitnehmer ins Homeoffice bzw. in die mobile Arbeit in jedweder Form; ein Trend, der voraussichtlich nach der Pandemie anhalten wird. Hierauf hat mit Wirkung zum 18.06.2021 auch die Gesetzgebung reagiert und den Versicherungsschutz im Homeoffice durch die gesetzliche Unfallversicherung über die Berufsgenossenschaften an den Versicherungsschutz im Büro angepasst. Damit sind nun auch die Wege während der Arbeit von zu Hause aus – beispielsweise in die Küche oder zur Toilette – mitversichert.

Bei eigenwirtschaftlichen Tätigkeiten wie Kochen oder der Nahrungsaufnahme besteht jedoch weiterhin kein Versicherungsschutz. Wir rechnen daher trotz dieser gesetzlichen Anpassung auch in Zukunft mit einer steigenden Nachfrage nach arbeitgeberfinanzierten 24-Stunden-Deckungen, da die Abgrenzung zwischen beruflichen und privaten Tätigkeiten im Homeoffice weiterhin als schwierig einzustufen ist.

* Hochrechnung des inländischen Direktgeschäftes des GDV in der Schaden- und Unfallversicherung vom 26.11.2020

3. Auf dem Vor­marsch: Die betriebliche Kranken­versicherung als Unter­nehmens­lösung mit Potenzial

Die betriebliche Krankenversicherung bleibt auf Wachstumskurs. Immer mehr Unternehmen erkennen, wie wichtig die Absicherung medizinischer Gesundheitsrisiken für Mitarbeitende ist. Richtig eingesetzt kann diese zu einer Verringerung von Fehlzeiten beitragen und erhöht damit die Attraktivität des Unternehmens. Letzteres kann als Vorteil im Wettbewerb um Fachkräfte helfen.

Tempora mutantur, nos et mutamur in illis: „Die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns in ihnen.“ Dieses lateinische Sprichwort bringt auf den Punkt, was für viele Unternehmen eine immer größere Herausforderung darstellt: die Gewinnung von neuen, qualifizierten Mitarbeitern. Im Kampf um die besten Talente spielt heutzutage das Angebot von Mitarbeiter-Benefits eine immer wichtigere Rolle. Bestes Beispiel hierfür ist die betriebliche Krankenversicherung (bKV).

Marktsituation

Mehr als eine Million Beschäftigte haben bisher eine bKV von ihren Arbeitgebern erhalten. Damit hat sich diese Zahl innerhalb von fünf Jahren mit einem Zuwachs von 82 % fast verdoppelt.* Die Gründe hierfür sind vielfältig: Die Reduzierung von Fehlzeiten oder der Imagegewinn als attraktiver Arbeitgeber sind nur einige wenige. Setzt man jedoch diese Zahl von einer Million ins Verhältnis zu den knapp 40,8 Mio. Arbeitnehmern, wird das eigentliche Entwicklungspotenzial innerhalb der bKV deutlich.** Einer der Hauptgründe hierfür ist, dass die bKV erst seit den letzten Jahren als Teil des betrieblichen Versorgungssystems bewusst wahrgenommen wird – ein Umstand, welcher nunmehr auch durch die Corona-Pandemie verstärkt wird.

Um
82 %
ist die Zahl der Arbeit­nehmer mit einer arbeit­geber­­finanzierten bKV gestiegen.

Welche Bedeutung eine bKV für Unternehmen hat, verdeutlicht der Tarifvertrag in der chemischen Industrie, der für seine Tarifbeschäftigten eine Absicherung von Pflegeleistungen vorsieht.*** Auch die Absicherung von Familienangehörigen kann von immenser Bedeutung sein: Um einen pflegebedürftigen Angehörigen zu versorgen, würden 61 % der Erwerbstätigen ihre Arbeitszeit reduzieren, 20 % eine längere Auszeit nehmen und 6 % gar ihren Job aufgeben.**** Die hierdurch geschmälerte oder verlorene Arbeitskraft führt in der Folge zu zusätzlichen Kosten für das Unternehmen; eine ergänzende Absicherung schafft hier eine Win-win-Situation.

Ausblick

Mittlerweile haben 13.500 Unternehmen für mehr als eine Million Beschäftigte eine bKV abgeschlossen. Gemessen an den Unternehmen, die ihren Beschäftigten eine bKV anbieten, beträgt die Steigerungsrate für denselben Zeitraum beachtliche 250 %! Ungeachtet von Größe und Branche werden Unternehmen auch künftig auf eines angewiesen sein: die gute Arbeitsleistung ihrer Mitarbeitenden. Voraussetzung hier sind jedoch nicht nur entsprechende Kenntnisse und Fähigkeiten, sondern auch eine grundlegende Gesundheit in Form physischer und psychischer Leistungsfähigkeit.

Um dies zu erreichen, müssen Unternehmen nicht nur ein attraktives Gehalt anbieten, sondern auch innovative und bedarfsgerechte Benefits zur Verfügung stellen, die sich in die Unternehmenskultur integrieren lassen. Die bKV hat hierbei das Potenzial, Antworten auf personalpolitische Anforderungen zu geben, indem sie nicht nur die Gesundheit der Mitarbeitenden fördert, sondern auch die Attraktivität des Unternehmens für neue Talente erhöht. Mit Blick auf die Zukunft ist folglich zu erwarten, dass die bKV ihr Wachstum fortsetzen wird.

Markttrends

In den letzten Jahren hat eine deutliche Entwicklung neuer Produkte in der bKV eingesetzt. So geht der Trend von klassischen Bausteintarifen, wie z. B. einer Zahnzusatzversicherung, hin zu Budgettarifen. Unternehmen stellen Mitarbeitenden hier ein jährliches Budget zur freien Verfügung und können ihnen hiermit einen sofort erlebbaren Mehrwert bieten.

Eine bKV komplettiert die betriebliche Gesundheits­förderung neben den Themen­feldern Bewegung und Ernährung um das Themen­feld Medizin. Inner­halb dieses Bau­steins ergänzen sich Budget­tarife und Risiko­tarife sinn­voll.

Uwe Jüttner

Budgettarife bedeuten aber nicht das Aus bisheriger Risikotarife. Vielmehr gilt es, beide sinnvoll zu vereinen. So lassen sich auf den Bedarf sowohl von Mitarbeitenden als auch von Unternehmen maßgeschneiderte Konzepte umsetzen. Hierbei spielen auch Assistanceleistungen, wie z. B. eine telemedizinische Beratung oder ein Gesundheitsportal, eine immer größere Rolle. Der Fokus liegt auf Versichererseite dabei besonders auf digitalen Angeboten.

Ganz neu im Produktportfolio der bKV sind betriebliche Pflegelösungen, die einen Zugang zu hochwertigen Betreuungs- und Beratungsleistungen (Angehörigenpflege) vorsehen. Der Unterschied zu den bisherigen Angeboten ist, dass die Leistung nicht auf die Pflegebedürftigkeit des Mitarbeitenden abzielt, sondern eine Unterstützung bei Pflegebedürftigkeit von Familienangehörigen vorsieht. Somit bleibt die Arbeitskraft erhalten und Fehlzeiten werden vermieden. Im Hinblick auf die steuerliche Behandlung der bKV-Beiträge hat der Gesetzgeber für Klarheit gesorgt. In § 8 Abs. 2 Satz 11 EStG wurde festgelegt, dass der Beitrag für eine arbeitgeberfinanzierte bKV als Sachbezug gewertet werden kann. Unter bestimmten Voraussetzungen gilt somit eine Freigrenze in Höhe von 44 Euro pro Monat und Mitarbeitenden. Ab dem 1. Januar 2022 wird diese Grenze auf monatlich 50 Euro angehoben.*****

* www.pkv.de/positionen/betriebliche-krankenversicherung/ heruntergeladen 07.05.2021 – 11.37 Uhr https://www.pkv.de/positionen/betriebliche-krankenversicherung/ heruntergeladen 20.05.2020 17.42 Uhr

** www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetigkeit/Tabellen/eckwerttabelle.html heruntergeladen 29.04.2021 – 13:08 Uhr www.pkv.de/positionen/betriebliche-krankenversicherung/ heruntergeladen 29.04.2021 – 13:10 Uhr

*** www.igbce.de/igbce/careflex-chemie-49306/ heruntergeladen 05.05.2021 – 18.19 Uhr

**** TK-Meinungspuls Pflege, Techniker Krankenkasse 2018

***** www.haufe.de/personal/entgelt/keine-einschraenkungen-bei-sachbezuegen-und-44-eur-grenze_78_496542.html#:~:text=Ab%20dem%20Jahr%202022%20wird,erweiterten%20Umfang%20auch%20weiterhin%20zulassen. Heruntergeladen 07.05.2021 – 12.47 Uhr (Hinweis: Dies ersetzt keine steuerliche Beratung. Bei Einführung einer bKV empfehlen wir die Hinzunahme eines Steuerberaters.)

Terminals am Flughafen Stuttgart

4. Zurück in die Zukunft: Das „New Normal“ im Bereich International People Mobility

2020 und 2021: Zwei Jahre Corona-Pandemie, welche die Wirtschaft durch- und aufgerüttelt haben. Viele Veränderungen bringen neue Herausforderungen mit sich. Das gilt speziell für den Bereich International People Mobility, wenn es um die Frage geht: „Wie sieht die Zukunft der Dienstreise und Entsendung aus?“

Marktsituation

Die Zahl der Dienstreisen stieg bis Anfang 2020 stetig an. Der Ausbruch der Corona-Pandemie führte jedoch zu einem Rückgang zwischen 45 und 65 %; die Aussichten für das laufende Jahr 2021 sind ähnlich. Ein Blick in die Statistiken unterstreicht die prekäre Lage für das Dienstreisengeschäft: 27,2 % der deutschen Unternehmen geben ihr Geschäftsreiseniveau mit lediglich 5 % im Vergleich zu 2019 an; 28,4 % melden einen Rückgang von 75 %. Nur 2,5 % aller Firmen verzeichnen ein Reiseniveau von mehr als 50 % im Vergleich zum Vorjahr.

Über
60 %
der Unternehmen erwarten einen Reise-Rückgang um bis zu
30 %

Der Rückgang dieser Reisezahlen stellt nicht nur die befragten Unternehmen vor Herausforderungen wie beispielsweise den fehlenden Wissenstransfer, die Einhaltung von Vertragsverpflichtungen oder die strategische Nähe zu Kunden. Vielmehr betrifft dies auch alle direkt mit dem Reisebetrieb verbundenen Betriebe wie Hotels und Transportunternehmen.

Die Prognosen für die Zeit nach Corona zeichnen ein ähnliches Bild: Laut der jüngsten Umfrage des Verbands Deutsches Reisemanagement e. V. (VDR) rechnen lediglich 3 % der Unternehmen mit einer Angleichung ihres Reiseniveaus an 2019. Die überwiegende Mehrheit (60,2 %) geht von einem Rückgang der Reisen um bis zu 30 % aus.

Auch im Bereich der Auslandsentsendungen reagieren die Unternehmen eher abwartend. Aufgrund von Reisebeschränkungen und/oder wirtschaftlichen Gründen wurden viele Entsendungen abgesagt oder auf unbestimmte Zeit verschoben.

Der Trend zur Digitalisierung von Ver­sicherungs­angeboten hält weiter an. Hier werden nur Versicherer erfolgreich sein, die einen vollständig digitalen, multilingualen Service 24/7 anbieten können.

Harald Gruber

Ausblick

Aus Sicht der Versicherer führt der Rückgang an Dienstreisen und Auslandsentsendungen zu einem Einbruch der versicherbaren Risiken. Obwohl davon auszugehen ist, dass auch nach der Krise vieles nicht mehr so sein wird wie vorher, reagiert der Versicherungsmarkt auf die Veränderungen der neuen Arbeitswelt nur sehr schleppend. Eine Anpassung an diese ist jedoch dringend nötig, denn neben dem erwarteten Rückgang von Dienstreisen und Entsendungen sehen wir schon jetzt eine steigende Nachfrage nach neuen, bislang wenig bekannten bzw. angewandten Arbeitsformen. Nicht nur das Homeoffice hat als neuer Arbeitsplatz Einzug gehalten; auch der Begriff „Workation“ – also das vorübergehende Arbeiten von anderen „Urlaubs“-Orten – ist präsenter denn je. Zu guter Letzt ist zu erwarten, dass sich hochgradig geschulte Fachkräfte die Vorteile der Telearbeit zunutze machen und fortan virtuell ihren Entsendungsauftrag vom Heimatland aus übernehmen werden.

Markttrends

Die bislang starre Trennung von Büroarbeit, Dienstreise oder Entsendung wurde bereits in den vergangenen Jahren aufgeweicht. Weitere neue Arbeitsformen werden folgen, oftmals verbunden mit neuen Rechtsfragen, die es schnellstmöglich sowohl auf dem heimischen als auch auf dem internationalen Versicherermarkt im „New Normal“ zu klären gilt. Ein Beispiel: Zahlt die Berufsgenossenschaft bei einem Unfall während der Arbeitszeit auf einer „Workation“ oder nicht?

Schlussendlich ist auch das Thema Versicherungssteuermodernisierungsgesetz zu berücksichtigen: Hier gilt es rechtzeitig zu prüfen, welche Personenversicherungen ab dem 1. Januar 2022 davon betroffen sein werden. Aon wird hierzu in Kürze alle betroffenen Kunden näher informieren.

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