Kölner Dom und Hohenzollernbrücke

Die Assekuranz konnte im ersten Pandemiejahr Umsatzwachstum erzielen. Die künftigen Entwicklungen hängen vom Pandemieverlauf ab. Die teils überhöhten Sanierungsforderungen lassen sich aber künftig nicht mehr mit Belastungen durch COVID-19 wiederholen. Nötig ist ein partnerschaftlicher Interessenausgleich.

Die COVID-19-Pandemie beherrscht unverändert die Gesellschaften und Wirtschaftsleistungen weltweit. Im europäischen Sommer 2021 ist eine stattfindende Erleichterung und Entspannung zu beobachten. Die winterlichen Hemisphären hingegen kämpfen unverändert mit angespannten Situationen durch die Pandemie.

Die wesentliche Frage ist daher, ob die Entspannungen der Situation nachhaltig sein werden oder es durch Mutationen des SARS-CoV-2-Virus wieder zu Verschärfungen kommen wird. Hiervon ist auch die globale Assekuranz betroffen. Bisher meistert sie die Herausforderungen aber überwiegend sehr positiv. Somit besteht auch für die Versicherer trotz aller vorhandenen Schäden und möglichen weiteren Herausforderungen eine unter dem Strich überwiegend positive Bewertung der durch die Pandemie bedingten Situation. Die jüngsten Unwetterkatastrophen in Deutschland und Nachbarstaaten führen zu weiteren hohen Belastungen für Kunden und Versicherer.

Marktsituation

In aktuellen Schätzungen unabhängiger Institute und von Versicherern werden die weltweit durch die Pandemie versicherten Schäden in einer Spanne zwischen 40 Mrd. US-Dollar (Berenberg) und bis zu 80 Mrd. US-Dollar (SwissRe) geschätzt. Hierin nicht berücksichtigt sind noch möglicherweise zu erwartende Insolvenzen vieler Unternehmen oder auch noch immer mögliche Absagen weiterer Großveranstaltungen. Solche weiteren mögliche Schäden würden nochmals eine massive zusätzliche Belastung für die Versicherer bringen. Dennoch lässt sich nach rund eineinhalb Jahren COVID-19-Pandemie festhalten, dass ursprüngliche Worst-Case-Szenarien auch für die Assekuranz nicht eingetreten sind.

Auf bis zu
80
Mrd. US-Dollar
werden die weltweit versicherten Pandemie­schäden geschätzt

Im Gegenteil, trotz Berücksichtigung der versicherten Schäden in den vorliegenden Bilanzen für 2020 zeigen die Versicherer national und international durchweg ein erfreuliches Wachstum im Umsatz. Auch die Ergebnisse aller Erst- und Rückversicherer sind unverändert positiv.

Damit scheint der Rückgang des deutschen BIP in Höhe von 5,0 % im Jahr 2020 die Assekuranz deutlich weniger hart getroffen zu haben. Auf Kundenseite sind die noch im Jahr 2020 gesamtwirtschaftlich als möglich erachteten Rückschläge ausgeblieben. Einzelne Branchen jedoch wie Reiseveranstalter, Hotels und Event-Veranstalter leiden noch immer unter dramatischen Umsatz- und Ergebnisrückgängen. Daraus resultieren auch substanzielle Anforderungen an den Versicherungsschutz sowohl hinsichtlich Deckungsumfang als auch Kosten.

Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft schätzt mit Stand Ende Juli 2021 4 bis 5 Mrd. Euro Schadenbelastung durch die Unwetterschäden im Juli. Damit wird 2021 zu einer weiteren überdurchschnittlichen Belastung der Versicherer durch Naturkatastrophen führen. Eine Auswirkung auf Konditionen und Preise der unmittelbar betroffenen Sparten wie Sachversicherung und Haftpflichtversicherungen ist daher nicht auszuschließen.

Angesichts geringerer Pandemie­schäden lassen sich die teils nicht kunden­gerechten Forderungen im nächsten Renewal nicht wieder­holen. Versicherer sollten auf einen partner­schaftlichen Kurs zurückkehren.

Rainer Breeck

Ausblick

Ob die weiteren möglichen Entwicklungen der Pandemieschäden einen Einfluss auf die bekannten, sehr harten Versicherungsmärkte haben werden, lässt sich nicht exakt quantifizieren. Bisher sind die Folgen der Pandemie für die globale und auch deutsche Assekuranz absolut zu bewältigen. Daher ist die Erwartung auf Kunden- und Maklerseite absolut gerechtfertigt, die spartenbezogenen Notwendigkeiten der Versicherer angemessen zu fordern. Aber eine nochmals so eruptive und in Teilen nicht mehr nachvollziehbare flächendeckende Sanierungsforderung wie in den vergangenen Renewal-Verhandlungen sollte und darf sich nicht wiederholen. Denn obwohl die COVID-19-Pandemie nicht zu Schäden im befürchteten Ausmaß geführt hat, sind die oftmals nicht mehr nachvollziehbaren Forderungen der Assekuranz im letzten Renewal damit begründet worden.

Daher besteht kein Anlass mehr, wiederum die COVID-19-Pandemie als Begründung für überzogene und nicht mehr kundengerechte Forderungen zu bemühen. So wie auch die Bekämpfung der Pandemie nur mit gemeinsamen Kräften erfolgen kann, so sollten auch die Versicherer an den Tisch des partnerschaftlichen Miteinanders zurückkehren.

Interesse geweckt?

Dann melden Sie sich doch zu unserem Online-Seminar an.