Bei der Absicherung von Transportrisiken treffen Wunsch und Wirklichkeit hart aufeinander. Die Versicherer geben zunehmend den Ton an und legen bei der Deckung und den Preisen internationale Maßstäbe an. Für die Unternehmen ist diese Entwicklung nicht ohne Risiken.

Marktsituation

Die Waren-Transportversicherung fällt zunehmend in den Sanierungsfokus der Versicherer. Gleichzeitig wird der Geschäftsbetrieb vieler Unternehmen deutlich durch Covid-19 beeinflusst. Beides spiegelt sich in unterschiedlichen Vorstellungen wider: Angesichts sinkender Umsätze gehen die Versicherungsnehmer von sinkenden Prämienforderungen seitens der Versicherer aus. Die Versicherungswirtschaft verweist hingegen auf seit Jahren anhaltend niedrige Prämien und schlechte Schadenverläufe. Dabei seien zurückliegende Umsatzsteigerungen nicht eingepreist worden und zudem sei der Deckungsumfang in den Policen zu weitgehend gewesen.

Es ist derzeit nicht absehbar, ob sich diese negative Schaden­entwicklung durch Covid-19 verstärken und damit fortsetzen wird.

Ein Blick auf die Markt- und Konjunkturstatistik zeigt, dass sich die Prämienzahlungen analog der Exporte nur leicht gegenüber dem Vorjahr erhöht haben. Anders sieht es bei der Schadenentwicklung aus: Die Transportschäden stiegen um 19 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Die Schadenquote liegt mit 89 Prozent vielfach deutlich über den Werten der zurückliegenden Jahre – abgesehen von 2015.

Ausblick

Der seit vielen Jahren bestehende Käufermarkt wandelt sich zunehmend zu einem Verkäufermarkt. So steigen die Prämien häufig in demselben Maße, in dem Versicherer ihre Erwartungen an den Vertragsverlauf anpassen. Vielfach werden grundsätzlich geringere Kapazitäten angeboten, gegebenenfalls verbunden mit Zuschlägen für höhere Versicherungssummen.

Prämien- vs. Schaden­verläufe (2013-2019)

Quelle: GDV

Der Risikoappetit der Versicherer ändert sich ebenfalls. Denn einige Branchen erhalten inzwischen keine oder nur sehr zurückhaltend Deckungskapazitäten von den Versicherern. Während sich die Prämiengestaltung und Zeichnungsbereitschaft bisher stark am Schadenverlauf der Versicherungsnehmer orientierte, gehen die Versicherer nun deutlich differenzierter vor. Neben konkreteren Risikoinformationen und daraus resultierenden Rechenmodellen spielen zunehmend internationale Standards eine entscheidende Rolle.

Markttrends

Die Konsolidierung des Marktes in der Transportversicherung setzt sich weiter fort. Im Juni 2020 hat mit der StarStone ein weiterer Spezialversicherer seine Geschäftstätigkeit eingestellt. Sowohl die Chef-Underwriter der Erstversicherer als auch die Rückversicherungsmärkte forcieren auch in deutschen Policen die Umsetzung internationaler Bedingungsstandards. Bei Ausschreibungen und Vertragsverlängerungen wird deshalb häufig gefordert, dass dem jeweiligen Vertrag englische Marktklauseln zugrunde zu legen sind. Faktisch bedeutet dies eine Einschränkung des bestehenden Versicherungsschutzes. Zudem geht mit den aktuell vorliegenden Klauseln die Unsicherheit einher, dass die tatsächlichen nicht mit den gewünschten Regelungen übereinstimmen. Denn die Klauseln sind bisher nicht an den deutschen Marktstandard angepasst.

In zunehmendem Maße werden Risiken auch aus einem weiteren Grund nicht mehr gezeichnet: Sie stehen im Widerspruch zur ethischen Unternehmenskultur mancher Versicherer. Zudem behalten die Themen Sanktionen und Compliance im internationalen Umfeld ihre Bedeutung. Dies führt in Einzelfällen bereits dazu, dass die Versicherer Deckungen nur noch mit konkreten Länderausschlüssen anbieten.

Die Entscheidung, ob und zu welchen Konditionen ein Versicherer ein Risiko zeichnet, berücksichtigt in starkem Maße verschärfte internationale Standards bei Prämien, Bedingungen und Klauseln.