Trotz insgesamt guter Schadenverläufe sind in einzelnen Zweigen der Technischen Versicherungen harte Verhandlungen in der Erneuerungsrunde zu erwarten. Extreme Witterungsereignisse wirken sich hier ebenso negativ aus wie Qualitätseinbußen am Bau und eine immer komplexer werdende Bautechnik. Der Blick auf den Spezialbereich Erneuerbare Energien offenbart einen Rückgang bei Ausbau und Entwicklung von Projekten.

Marktsituation

Die Versicherer erwarten für dieses Jahr ein Plus an Prämieneinnahmen im Umfang von sieben Prozent auf rund 2,4 Mrd. Euro. Der erwartete Schadenaufwand wird nach ersten Schätzungen auf rund 1,37 Mrd. Euro beziffert. Damit stellen sich die Versicherer in der Sparte Technische Versicherungen für das Gesamtjahr auf eine leichte Verbesserung der Schaden-Kosten-Quote von 79 auf 77 Prozent ein.

Positive Entwicklungen bei Prämien und Schäden

* Prognose

Quelle: GDV

Ausblick

Das Marktumfeld ist in den letzten zwei Jahren zunehmend schwieriger geworden. Trotz des erwarteten Rückgangs der Schaden-Kosten-Quote verlangen einige Versicherer höhere Prämien oder Selbstbehalte. Besonders betroffen sind Verträge, die eine hohe Schadenquote aufweisen. Dies gilt aber auch für die Bauleistungsversicherung und einige Spezialrisiken. Hier sind vor allem negative Schadenerfahrungen der Versicherer als Ursache zu nennen. So nehmen lokal begrenzte extreme Witterungsereignisse zu, während die Qualität auf dem Bau gerade durch Subunternehmer abnimmt. Zudem ist die Komplexität der Bautechnik ebenso gestiegen wie größerer Wasserschäden im Hochbau zugenommen haben.

Anzeichen für generelle Preiserhöhungen in allen Zweigen der Technischen Versicherungen gibt es jedoch nicht.

Markttrends

Mit Blick auf Covid-19 verlangen Versicherer bei der Platzierung von Spezialrisiken am Rückversicherungs- oder Londoner Markt zunehmend die Vereinbarung einer sogenannten Pandemie-Klausel. Die Produktanbieter formulieren diese Klauseln in verschiedenen Versionen. Einige beinhalten Regelungen, die es dem Versicherer erlauben, die Konditionen des Versicherungsschutzes bei längeren pandemiebedingten Projektstillständen anzupassen.

Nicht jedem Versicherer gelingt es, den Vorteil spezialisierten Wissens mit der Ausrichtung auf den deutschen Markt in eine Balance zu bringen.

Generell ist zu beobachten, dass Industrieversicherer mit internationaler Ausrichtung die Spezialisierung in Branchen wie zum Beispiel Energy, Power, Renewable Energy und Construction weiter vorantreiben. Nicht selten sitzen die Entscheidungsträger oder Underwriter im Ausland.

Erstmals lässt sich vereinzelt feststellen, dass Versicherer in der Montageversicherung wieder den Deckungsumfang nach dem Standard der London Engineering Group von LEG/3 auf LEG/2 einschränken und die Selbstbehalte deutlich erhöhen. Dies betrifft „Unproven Technology“ (Prototypen) für bestimmte Risikogruppen, wie zum Beispiel Gasturbinen, Kessel, Dampfturbinen. Die Gesellschaften betrachten Upgrades bekannter Serienmaschinen (Leistungssteigerung), unerprobte Materialien und Qualitätsprobleme besonders kritisch. Bei der Risikobeurteilung führen zudem steigende Schäden durch stetig ansteigende Wertkonzentrationen oder die zunehmende Komplexität von Lieferketten zu einer größeren Aufmerksamkeit der Versicherer.