Die Corona-Pandemie hat die gesamte Schifffahrt erheblich getroffen. In nahezu allen maritimen Branchen gehen die Einnahmen zurück, teils bis hin zum völligen Stillstand. Das erhöht den Druck auf die Unternehmen, Kosten zu sparen – ein im aktuellen Versicherungsmarkt schwieriges Unterfangen.

Marktsituation

Kasko

Die Konsolidierung setzt sich bei den Versicherungsgesellschaften weiter fort. Gerade hat der Versicherer StarStone angekündigt, in Europa alle Unternehmensbereiche zu schließen. Auch das Lloyd’s-Syndikat SKULD wird abgewickelt. Zudem belasten weiterhin Großschadenereignisse den maritimen Versicherungsmarkt. In der Konsequenz steht bei den Versicherern die Profitabilität jeder einzelnen Sparte auf dem Prüfstand. Vermehrt deutet sich ein Trend an: Die Prolongationsverhandlungen nehmen mehr Zeit in Anspruch, da die Versicherer ihre Zeichnungsrichtlinien verschärft haben, sodass Angebote mehrfach abgezeichnet werden müssen.

Versicherer fordern
„general increases“
von bis zu
7.5 %
P&I (Haftpflicht)

Erwartungsgemäß haben die Versicherer für die traditionell am 20. Februar stattfindenden Verlängerungen vermehrt Franchisenerhöhungen und „general increases“ gefordert. Nur wenige Gesellschaften konnten darauf verzichten. Einige Versicherer der „international group“ halten am Ziel einer Diversifizierung fest. So wagt sich North of England in den Kasko-Versicherungsmarkt und WEST investiert in Spezialprodukte wie Streikversicherung und Cyber.

Grundsätzlich gehen die Versicherer davon aus, etwaige versicherungstechnische Defizite nicht durch Kapitalerträge ausgleichen zu können. Die volatile Situation an den Aktienmärkten vergrößert das Risiko. Dennoch versuchen viele Anbieter in der aktuellen Marktlage ihre Versicherungsnehmer durch Zahlungsaufschub oder rechtlichen Beistand zu unterstützen.

P&I General Increases
0.0001 %
0.0001 %
0.0001 %
0.0001 %
2.5 %
5.0 %
7.5 %
7.5 %
7.5 %
7.5 %
7.5 %
7.5 %

Ausblick

Kasko

Es ist anzunehmen, dass weitere Versicherer den Markt verlassen oder nur noch lokales Geschäft zeichnen. Dies würde die Kapazitäten zusätzlich verknappen und die Zeichnung hoher Limits erschweren. Zur Sanierung der Portfolios ist mit weiteren Prämiensteigerungen im zweistelligen Prozentbereich selbst bei guten statistischen Verläufen zu rechnen. Schadenseitig sind einige Versicherer infolge der Corona-Pandemie extrem belastet, was sich auch auf die Marine-Sparte auswirken wird. Zudem befürchtet man ein erhöhtes Schadenrisiko, sobald die infolge des Ladungsrückgangs erhöhte Zahl von aufliegenden Schiffen wieder in Fahrt geht.

Ein vorsichtiges Agieren bei den Versicherern und weitere moderate Prämien­steigerungen im P&I-Bereich sind zu erwarten.

P&I (Haftpflicht)

Die Versicherer der „international group“ haben in den vergangenen Jahren gute Reserven aufgebaut und versuchen im aktuell schwierigen Marktumfeld die Eigner zu unterstützen. Jedoch ist auch im Haftpflichtbereich mit einer vermehrten Schadenlast zu rechnen, insbesondere bei Policen, die Crew-Risiken abdecken. Ebenso werden durch Covid-19 verursachte Quarantänefälle auf Schiffen die Versicherer belasten.

Markttrends

Ab Januar 2021 ist die Resolution der International Maritime Organization (IMO) MSC.428(98) für Reedereien verpflichtend: Sie müssen dann ihre IT-Systeme und Geschäftsprozesse durch technische und organisatorische Maßnahmen ausreichend absichern. Wir erwarten, dass sich die Reeder mit den bereits vorhandenen Versicherungslösungen beschäftigen werden. Zunächst gilt es jedoch, die unternehmerischen Risiken zu bewerten. Der Ausbau klimafreundlicher Wasserstoff-Energien wird von der Bundesregierung im Rahmen der verabschiedeten Wasserstoffstrategie gefördert und vorangetrieben. Verschiedene Motorenhersteller arbeiten in interdisziplinären Projekten an der Entwicklung entsprechender Antriebe für Hochseeschiffe. Die Technologie ist noch nicht verfügbar. Aber es wird damit gerechnet, dass sie das Transportwesen grundlegend verändern könnte.