Kreditversicherungen sind in Zeiten hoher Insolvenzgefahren und zunehmender Zahlungsausfälle stark gefragt. Steigende Schadenquoten befeuern Prämienanhebungen, drücken auf Kapazitäten und Limite. Mit intelligenter Software lässt sich gegensteuern.

Marktsituation

Die Corona-Krise führt zu Brüchen in den globalen Lieferketten. Die Folge sind deutliche Umsatz- und Ertragsrückgänge, während Belastungen durch Fixkosten, wie Löhne der Mitarbeiter sowie Gebäude- und Büromieten, fortdauern. Da eine große Anzahl von Unternehmen ohnehin nur mit knappen Margen ausgestattet ist, fehlt es an ausreichend finanziellen Mitteln, um andauernde Produktionsunterbrechungen zu schultern. So drohen in vielen Fällen die Insolvenz und infolgedessen deutlich ansteigende Zahlungsausfälle bei Geschäftspartnern.

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+20 %
Insolvenzen weltweit gegenüber dem Vorjahr

Nach Angaben des Kreditversicherers Euler Hermes könnte die weltweite Unterbrechung der Geschäftstätigkeiten im Zuge von Covid-19 zu einem Rückgang des Welthandels um rund 3,5 Bio. US-Dollar in 2020 führen. Gleichzeitig werden sich die Insolvenzen im Vorjahresvergleich voraussichtlich um 20 Prozent erhöhen.

Die Wirtschaft drängt daher auf den Markt für Kreditversicherungen, um den Ausfall von Forderungen bei Warenlieferungen oder Dienstleistungen durch zahlungsunfähige Geschäftspartner abzusichern. Im Gegenzug ist damit zu rechnen, dass die Schadenquoten ansteigen werden. Unternehmen sollten sich daher auf Prämienerhöhungen sowie Einschränkungen der Deckungsinhalte und niedrigere Limite einstellen.

Ausblick

Die Corona-Krise wird irgendwann überstanden sein und der Welthandel wieder dauerhaft Fahrt aufnehmen. Die Branche der Kreditversicherer muss selbst unter solchen positiven Vorzeichen mit länger anhaltenden wirtschaftlichen Nachwirkungen und hohen Schadenquoten rechnen. Die gute Nachricht: Die Branche hat aus der zurückliegenden Finanzkrise gelernt.

Bedeutung der Kreditversicherung wird zunehmend anerkannt und durch staatliche Bürgschaften gesichert.

Die Versicherer können inzwischen viel transparenter auf Daten, Analysen und andere finanzielle Aspekte der Kreditrisiken zugreifen als früher. Weiterer Pluspunkt: Weltweit haben Regierungen verschiedener Staaten erkannt, dass Kreditversicherer heutzutage „systemrelevant“ sind, und treten in dieser Phase als Rückversicherer für den Kreditversicherungsmarkt ein. Allein in Deutschland bürgt der Staat mit bis zu 30 Mrd. Euro für die im Land ansässigen Kreditversicherer.

Markttrends

Unabhängig von der aktuellen Krisensituation zeigt sich, dass die Kreditlimitvergabe immer mehr zum Steuerungsinstrument für die Versicherer wird. Denn die Höhe der gezeichneten Limite und die dahinterliegenden Risikokategorien beeinflussen die Kapitalanforderungen der Warenkreditversicherer und damit ihre Kosten bezüglich der geforderten Eigenkapitalhinterlegung. Für die Wirtschaft hat dies künftig vermehrt zur Folge, dass die bereitgestellte Kapazität an Limiten in den Policen als Prämienindikator Einzug halten.

Ebenso ist zu erwarten, dass Selbstbeteiligungen in Höhe von 25 bis 40 Prozent für schwierige Risikoklassen wieder mehr zum Maßstab dafür werden, in welchem Ausmaß sich der Versicherungsnehmer an seinen Risiken beteiligen will.

Der Einsatz intelligenter Software, um die Auslastung der Limite, Fristen der Fakturen und unterschiedliche Selbstbeteiligungen, einschließlich „Hauslimite“, zu steuern, wird in den nächsten Jahren zum Branchenstandard avancieren. Derart technisch unterstützt lässt sich auch die Liquidität besser optimieren. Zudem wird es leichter, den Deckungsbedarf frühzeitig im Auftragsstadium mit dem System der jeweiligen Versicherer zu matchen.

Weitere Trends sind ein 50-prozentiger Anstieg bei der Kapitalbesicherung von Bürgschaften. Außerdem ist davon auszugehen, dass die Vertrauensschadenpolice in absehbarer Zukunft genauso unverzichtbar wird wie die Betriebshaftpflichtversicherung.