Trotz starken Wettbewerbs bleibt das Kraftfahrtsegment für die Versicherer profitabel. Nur im Flottenbereich läuft es nicht rund. Insgesamt steigen die Kosten pro Schadenereignis weiter an. Auf der Nachfrageseite könnte der Corona-Lockdown eine Verkehrswende auslösen. Das Privatauto und das Fahrrad könnten als Gewinner aus der Krise hervorgehen.

Die Schaden-Kosten-Quote kletterte zuletzt auf
98 %

Marktsituation

Die Kfz-Versicherungssparte ist mit knapp 30 Mrd. Euro Beitragsvolumen weiterhin mit Abstand die größte Sparte in der Schaden- und Unfallversicherung der deutschen Versicherungswirtschaft. Der Beitragsanstieg fiel mit rund 2,5 Prozent wettbewerbsbedingt um etwa einen Prozentpunkt geringer aus als im Vorjahr. Vom Gesamtmarkt nimmt der Flottenbereich mit rund vier Mrd. Euro Beitragsvolumen innerhalb der Kfz-Sparte einen Anteil von etwa 13 Prozent ein. Die Versicherer verlieren in diesem Segment rund 200 Mio. Euro pro Jahr. Auch für das vergangene Jahr ist keine Schwarze Null, geschweige ein Gewinn in Sicht.

Schadensummen steigen weiter deutlich an

* Prognose E+S Rück

Quelle: GDV

Schadenseitig läuft es für die Versicherer im gesamten Kfz-Segment jedoch weiter gut. Die Schaden-Kosten-Quote bewegt sich seit 2014 zwischen 96,1 und 98,8 Prozent. Im vergangenen Jahr kletterte der Wert laut GDV um 1,9 Prozentpunkte auf 98,0 Prozent. Dennoch bleibt die Versicherungssparte weiterhin profitabel. Nur die Schaden-Kosten-Quote im Flottensegment entwickelt sich mit einem Wert von 105 Prozent klar unterhalb der Ertragserwartungen der Versicherer.

Ausblick

Da der Markt im Flottenbereich auch 2019/2020 wieder einen Verlust ausweisen wird, ist eine signifikante Entspannung an der Prämienfront weiterhin nicht in Sicht. Die Risikoträger kalkulieren hier bis dato uneinheitlich: Einige legen den Hauptfokus auf den Schadenbedarf, andere setzen den Schwerpunkt auf die Kalkulation von Schadenhäufigkeiten.

Ein klarer Trend setzt sich in der Kfz-Haftpflicht fort: Die Schadenfrequenz verharrt weiter auf vergleichsweise niedrigem Niveau, während der Schadendurchschnitt weiter zunimmt. Begründet liegt dies vor allem darin, dass die Fahrzeuge mit immer mehr Technik ausgestattet werden, sodass die Schadensumme pro Schadenereignis tendenziell steigt.

Das Privatauto und das Fahrrad könnten als Gewinner aus der Krise hervorgehen.

Auswirkungen durch Covid-19

Der Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie hatte das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben nahezu lahmgelegt. Unternehmen mussten ihre Produktion herunterfahren oder beenden, verordneten Kurzarbeit und ließen ihre Arbeitnehmer millionenfach im Homeoffice arbeiten. Gleichzeitig waren Schulen, Kitas und Gastronomiebetriebe geschlossen. Dadurch ging der Verkehr mit Pkw, Bussen und Motorrädern in deutschen Großstädten um rund ein Drittel zurück.

Inzwischen sind viele Maßnahmen gelockert worden, dennoch könnte die Krisensituation den Beginn einer Verkehrswende darstellen. Klare Verlierer der Krise wären die öffentlichen Verkehrsmittel und Sharing-Anbieter. Als Gewinner einer zunehmend individualisierten Mobilität scheinen das Privatauto und das Fahrrad mehr denn je den Puls der Zeit zu treffen – und der Gang zu Fuß.

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