Bei der Absicherung von Haftpflichtrisiken sehen sich Unternehmen mit vielfach steigenden Prämien, schlechteren Konditionen und geringeren Kapazitäten konfrontiert. Viel Bewegung gibt es bei „Digitalisierungs-Lösungen“. Gefragt sind ein gutes Risiko-Management und eine hohe Dialogbereitschaft.

Marktsituation

Die aktuellen Zahlen des Branchenverbands GDV bestätigen es: Das Segment Haftpflichtversicherungen ist für die Versicherungswirtschaft nach wie vor attraktiv. Privatpersonen und Unternehmen in Deutschland haben im vergangenen Jahr 8,1 Milliarden Euro für Haftpflichtversicherungen ausgegeben. Das sind drei Prozent mehr als im Vorjahr. Die Schaden-Kosten-Quote der Versicherer liegt sieben Prozentpunkte unterhalb der GDV-Schätzung bei 89 Prozent. Diesen guten Wert prognostiziert der Verband für 2020 bei leicht steigenden Beitragseinnahmen.

Frühestens 2021 lässt sich sicher beurteilen, inwieweit durch Covid-19 sinkende Umsätze den Trend des harten Marktes im Sinne der Unternehmen abfedern bzw. kompensieren werden.

Speziell im Industriegeschäft ist die Welt jedoch eine andere. Sie ist von einem Abbau an Kapazitäten, Anpassungen von Selbstbeteiligungen bis hin zu ersten Einschränkungen im Deckungsumfang gekennzeichnet. Das gilt auch für die Rückrufkostendeckungen für Kfz-Zulieferer, deren positiver Trend sich nicht fortsetzte. Begründet liegen diese Entwicklungen in nur bedingt guten Ergebnissen der Haftpflichtversicherer. Großschäden verschärfen die Lage zusätzlich. Die Konsequenz sind Prämienerhöhungen auf breiter Front, während die Haftpflichtversicherer Grunddeckungen oberhalb von 50 Mio. Euro nur noch gemeinsam bereitstellen. Dieser Markttrend dürfte zumindest in naher Zukunft anhalten.

8.2 Mrd. €
Prämie
+1.5% gegenüber 2019
64 %
Schadenquote
net-infrastructure
5.3 Mrd. €
Schäden
+1.0% gegenüber 2019
89 %
Schaden-Kosten-Quote

Quelle: GDV, Hochrechnung unter GDV-Mitgliedsunternehmen

Ausblick

Angesichts der Herausforderungen bei der Digitalisierung von Produktionsprozessen und Lieferketten ist ein steigender Bedarf an Haftpflichtversicherungsschutz zu erkennen. Bei den Lösungen gibt es noch große Unterschiede in den Versicherungsbedingungen, die sich aber angleichen werden. Bei innovativen Deckungserweiterungen, wie zum Beispiel der Tech E&O, ist aber mit vorsichtigerem Zeichnungsverhalten und steigendem Informationsbedarf zu rechnen.

Im Zuge des Dialogs werden nicht nur regelmäßig Risiken der Digitalisierung thematisiert, sondern auch die sonstigen Risikoverhältnisse und -veränderungen abgefragt. Dieser Austausch wird noch zunehmen und Unternehmen mit gutem Risikomanagement in eine Pole Position bringen: Ihnen sollte es gelingen, den notwendigen Versicherungsschutz zu halbwegs adäquaten Prämien zu erhalten.

Im Zusammenhang mit den Themen der Digitalisierung und der Diskussionen um „silent cyber“ oder „non affirmative cyber“ haben erste Märkte auch Regelungsbedarf zur Abgrenzung zu Cyber-Deckungen angemeldet. Das kann bei Umsetzung zu Einschränkungen im Versicherungsschutz, insbesondere für Vermögensschäden, führen, welche durch Cyber-Deckungen derzeit nicht vollumfänglich kompensiert werden können. Eine Lösung dieses Problems über Tech E&O-Deckungen scheitert gegenwärtig (noch) am vorsichtigen Zeichnungsverhalten der Versicherer. Vor diesem Hintergrund verhandeln wir mit den Versicherern, um im Interesse unserer Kunden Einschränkungen des Versicherungsschutzes zu verhindern.

Der Dialog zwischen Unternehmen, Maklern und Versicherern hat sich intensiviert und wird zu einem festen Bestandteil der Risikobewertung.

Markttrends

Die Marktverhärtung aufgrund unbefriedigender Ergebnisse und Fusionen auf Seiten der Versicherer wird auch im Haftpflichtbereich weitreichende Auswirkungen im kommenden Renewal nach sich ziehen. Zudem wird die Sparte durch Veränderungen der gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen beeinflusst: Die fortschreitende Digitalisierung der Wirtschaft und des Arbeitsumfeldes (Homeoffice, Mobile Working) erfordern Veränderungen sowohl in der Art der Zusammenarbeit zwischen Kunden, Versicherern und Maklern als auch im Hinblick auf angepasste Versicherungslösungen. Für die betroffenen Kunden erfordern tiefgreifende Änderungen wie der Brexit ebenso individuelle Regelungen und Anpassungen wie beispielsweise für Hersteller von Medizinprodukten die neugeregelte Medizinprodukteverordnung ((EU) 2017/45), die voraussichtlich im kommenden Jahr in Kraft treten wird.