Die Rahmenbedingungen für Erneuerbare Energien (EE) haben sich seit Anfang vergangenen Jahres deutlich verschlechtert. Die Folge: Die Ausbaumengen und die Entwicklung neuer Projekte sind in Deutschland stark zurückgegangen.

Trotz bereits günstiger Konditionen wurden bei den letzten Ausschreibungen sehr gute Ergebnisse für die Versicherten umgesetzt.

Der Anteil der Stromerzeugung aus EE stieg 2019 zwar um über vier Prozentpunkte auf den Rekordwert von 42,1 Prozent. Gleichzeitig geht der Zubau an erneuerbaren Erzeugungskapazitäten insgesamt aber stark zurück. Insbesondere die Windkraft an Land leidet unter den Rahmenbedingungen. So brach die neu installierte Netto-Leistung von 4,9 Gigawatt (GW) im Rekordjahr 2017 und 2,3 GW im Jahr 2018 auf nur noch 0,9 GW im vergangenen Jahr ein. Der Anstieg bei der Installation neuer Photovoltaik (PV)-Anlagen von zuletzt 3.835 Megawatt (MW) konnte diesen Rückgang nicht vollständig kompensieren.

Der Versicherungsmarkt im Bereich der EE ist weiterhin stark umkämpft, da nur sehr wenige neue Projekte realisiert werden. Gleichzeitig wird sich aber der Sanierungsdruck insbesondere für Anbieter „der ersten Stunde“ erhöhen, da mit den zunehmend älter werdenden Beständen die Schadenbelastung steigt.

Es ist davon auszugehen, dass auch zukünftig grundsätzlich ausreichende Kapazitäten auf dem Versicherungsmarkt vorhanden sein werden – dies allerdings zu vermehrt schlechteren Konditionen. Bei etwaigen Ausschreibungen größerer Portfolios wird eine detaillierte Analyse des Vorschadenverlaufes obligatorisch sein.

In den einzelnen Geschäftsfeldern sind folgende Auffälligkeiten zu erkennen:

Entwicklung der installierten Leistung zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien

Quelle: Arbeitsgruppe Erneuerbare
Energien-Statistik (AGEE-Stat)

Windenergie Onshore

Das zurückliegende Jahr ist durch einen extremen Rückgang neu installierter Leistung von Windenergieanlagen gekennzeichnet. Denn es wurden nur wenige Projekte umgesetzt, die nach dem neuen Ausschreibungssystem beaufschlagt wurden. Im Vergleich zum Rekordzubau in 2017 bei einer Leistung von 4.891 MW sank die Nettoleistung neu installierter Windenergieanlagen an Land von 2.273 MW im Jahr 2018 auf zuletzt nur noch 886 MW. Dieses Niveau war mit Ausnahme des Jahres 2008 seit 20 Jahren nicht so niedrig und wird auch den Jahresverlauf kennzeichnen.

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Windenergie Offshore

Auf See wurde im Jahr 2019 mit 1.111 MW etwas mehr Windenergieleistung als im Jahr 2018 in Betrieb genommen. Aufgrund der Ausschreibungssystematik haben sich hier im Wesentlichen große Konzerne etabliert, sodass eine Akteurs-Vielfalt Wunschdenken bleibt.

Für die Projektentwickler werden ausländische Projekte immer wichtiger, da die Anzahl neuer Projekte in Deutschland in den nächsten Jahren überschaubar sein wird. In Verbindung mit neuen innovativen Gründungskonzepten wie floating foundations werden zunehmend auch außereuropäische Märkte interessant. Die Versicherungsmärkte für Offshore-Windprojekte sind international. Durch Versicherer, die ihre Zeichnungsbereitschaft entsprechend erweitert haben, sind in den letzten Jahren neue Kapazitäten entstanden.

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Photovoltaik

Der deutsche PV-Markt ist geprägt durch eine große Anzahl von kleineren Projekten, die aufgrund ihrer Menge jedoch einen großen Anteil an der regenerativen Stromerzeugung ausmachen. Die Versicherungsprodukte sind weit entwickelt und für die Versicherten zu guten Konditionen erhältlich. Kapazitäten sind ausreichend vorhanden. Im Bereich der Großprojekte ist auch hier eine verstärkte Internationalisierung auf Seiten der Versicherer festzustellen.

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Biogas / Geothermie / Speichertechnologien

In diesen Bereichen werden aktuell nur sehr wenige neue Projekte realisiert. Für die Versicherungsmärkte spielen sie daher keine nennenswerte Rolle. Speichertechnologien könnten in den nächsten Jahren eine größere Rolle spielen.

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Netzinfrastrukturen

Aufgrund der fehlenden Netzinfrastruktur werden große Mengen erzeugter Energie nicht wirtschaftlich genutzt. Der notwendige Netzausbau, Offshore und Onshore, wird in den nächsten Jahren zu erheblichen Investitionen der Übertragungsnetzbetreiber führen.

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