2020 ist von einem verhärteten D&O-Markt geprägt. Damit verstetigt sich ein Trend, den wir bereits seit Jahren beobachten können. Zwei Entwicklungen treffen aktuell aufeinander: einerseits der negative Einfluss der Covid-19-Pandemie, andererseits ein in Kombination mit gesetzlichen Neuerungen abermals steigendes Haftungsrisiko auf Seiten von Unternehmensleitern. Die anstehenden Vertragsverlängerungen dürften deswegen für Unternehmen besonders anspruchsvoll werden.

Marktsituation

Gleich an mehreren Fronten wird offensichtlich, dass die Haftungsrisiken von Unternehmensleitern deutlich steigen. Medienwirksam müssen sich Manager gegen eine Vielzahl von Vorwürfen behaupten. Dabei geht es um Bilanzfälschungen, Verstöße gegen Publizitätspflichten, Arbeitssicherheit, behördliche Auflagen, Compliance oder schlicht um „schlechte“ unternehmerische Entscheidungen. Die betroffenen Manager müssen infolgedessen mit internen Regressforderungen und zivilrechtlichen Ansprüchen Dritter oder von Insolvenzverwaltern ebenso rechnen wie mit strafrechtlichen Ermittlungsverfahren und arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen.

Fehlentscheidungen in Krisenlagen und Insolvenzverstöße münden besonders häufig in D&O-Schäden.

Infolge solcher Ereignisse und verschärft durch Covid-19 befindet sich eine Reihe von Branchen im Krisenmodus: Zahlungsdienstleister, Fleischverarbeiter, Tourismus, Luftfahrt, Handel, Sport und Bauindustrie, die Liste ließe sich fortsetzen. Unter hohem zeitlichem und wirtschaftlichem Druck müssen Geschäftsführer und Vorstände teils gravierende Entscheidungen treffen. Häufig drohen (unerkannte) Fehlentscheidungen in Krisenlagen und Insolvenzverstöße. Beides mündet in der Praxis besonders häufig in D&O-Schäden. Hiervon ist auch der Mittelstand betroffen. Gleichzeitig gibt es bereits im Zusammenhang mit Covid-19 erste internationale D&O-Schäden. Ihre Zahl wird vermutlich weiter zunehmen.

Gesetzliche Verschärfungen erhöhen die Managerrisiken zusätzlich. Hervorzuheben sind das Unternehmensstrafrecht im Hinblick auf den Gesetzesentwurf des Bundesjustizministeriums zum Verbandssanktionengesetz (VerSanG) vom 24. April 2020. Hiernach drohen Unternehmen, aus deren Reihen Straftaten begangen wurden, Strafen bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes. Aufgrund von Verstößen gegen die seit Mai 2018 geltende Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) wurden bereits Bußgelder von bis zu dreistelliger Millionenhöhe verhängt. Zudem trat im vergangenen Jahr das Geschäftsgeheimnisgesetz (GeschGehG) in Kraft. Es macht Vorgaben zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen und betrieblichem Know-how, für den letztlich ebenfalls die Unternehmensleitung verantwortlich ist.

Ausblick

Die D&O-Versicherer machen sich diese Gemengelage zunutze. Sie schreiten auf ihrem bereits eingeschlagenen Weg der Sanierung weiter voran – mit spürbaren Folgen: Die Versicherungssummen sinken, die Prämien steigen massiv an und für kritische oder schadenbelastete Risiken gibt es bereits heute nur noch schwer bis gar keinen Deckungsschutz mehr.

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Maximal
15 Mio. €
bieten Versicherer an D&O-Deckung

Vor wenigen Jahren waren noch Deckungssummen je Versicherer in Höhe von 25 Mio. Euro marktüblich. Diese Zeiten sind so gut wie vorbei. In 2020 offerieren Versicherer maximal 15 Mio. Euro, häufig sogar nur 10 Mio. Euro oder weniger und dies bundesweit. Überträgt man diese Entwicklung auf ein größeres D&O-Versicherungsprogramm, brechen so bis zu 50 Prozent der Deckungskapazitäten weg. Zugleich wollen die Versicherungsgesellschaften Kumulszenarien unbedingt vermeiden und stehen nach einer Risikoablehnung für denselben Kunden später oft nicht mehr zur Verfügung.

Markttrends

Im Renewal 2021 wird es in vielen Fällen schwierig sein, bisherige Kapazitäten aufrechtzuerhalten. Ausländische Märkte können einen Ausweg eröffnen. Gleichwohl gelten dort ähnliche Marktbedingungen. Hierzulande sind fortlaufende Umdeckungen sowie das Bestreben nach neuen Ausschlüssen und Bedingungseinschränkungen im gegenwärtigen Marktumfeld zu beachten.

Im Vorfeld der anstehenden Vertragsverlängerungen in 2021 kommt es daher mehr denn je darauf an, die Verhandlungen mit den Versicherern fundiert vorzubereiten. So gilt es pauschalen Einwänden des Versicherers, beispielsweise den Verweis auf „Problembranchen“, mit belastbaren und individuell maßgeschneiderten Risikoinformationen entgegenzutreten.