Investoren treffen zur Absicherung von Bau- und Montageprojekten auf einen gut bestellten Versicherungsmarkt. Trotzdem verhärtet sich das Prämienniveau auch international weiter. Im Trend liegt die kombinierte Projektversicherung – auch dank digitaler Planungsmethoden und neuer Bauverfahren.

Marktsituation

Die Investitionen im klassischen Hoch- und komplexen Wirtschaftsbau halten weiter an. Der Markt für die versicherungstechnische Absicherung von Bauprojekten variiert jedoch in den verschiedenen Bereichen sehr stark. Grundsätzlich nimmt das Interesse auf Seiten der Versicherer an der Bereitstellung von Kapazitäten zur Absicherung von Bau- und Montageprojekten zu. Die Zahl potenzieller Führungsversicherer bleibt allerdings auf gleichem Niveau. Begründet liegt dies darin, dass für die professionelle Schadenbearbeitung mit internem Ingenieurs-Know-how nur eine begrenzte Kapazität zur Verfügung steht.

In Deutschland waren Bauprojekte durch die Covid-19-Pandemie nicht so stark eingeschränkt wie anderenorts. Dennoch wurden zahlreiche ohnehin bestehende Herausforderungen in diesem Marktsegment offensichtlicher – angefangen bei Störungen in der Lieferkette über Verzögerungen bei Schlüsselkomponenten oder Materialien bis hin zu fehlenden Arbeits- und Fachkräften sowie einem zu geringen Cashflow.

Signifikant ist die zunehmende Fokussierung der Versicherungsmärkte auf ein professionelles und konsequentes Risikomanagement bei komplexen Projekten. Ergebnisse und Ansätze des technischen Risikomanagements seitens der Projektleiter müssen dann von entsprechend qualifizierten Maklern für die Versicherer „übersetzt“ werden.

Bei Investoren steigt die Nachfrage nach qualifizierter Beratung, risikoadäquater Absicherung, Planungssicherheit sowie Kosten- und Prozesskontrolle. Der Trend hält weiter an, komplexe Bauprojekte über eine kombinierte Projektversicherung statt über Einzelversicherungen für Bauleistungs-/Montagerisiken sowie Haftpflichtrisiken aller am Projekt Beteiligten abzusichern.

Ausblick

Die Versicherer stellen nach wie vor umfangreichen Versicherungsschutz mit hochwertigen Wordings und hohen Kapazitäten zur Verfügung.

Dennoch verhärtet sich das Prämienniveau auf dem deutschen und internationalen Versicherungsmarkt stetig, sodass es besonders bei komplexen Vorhaben auf einen vollen Marktzugriff ankommt, um die theoretischen Kapazitäten weitestgehend zu nutzen. Auch die Ansprüche der Versicherer hinsichtlich Risikotransparenz sind unvermindert hoch.

Aon stellt eine zunehmende Abwehrhaltung der Versicherer in Schadenverhandlungen fest. Eine fundierte Schadenanalyse und Dokumentation gewinnen daher neben der Risikoanalyse und Ausgestaltung des Versicherungskonzeptes an Bedeutung.

Markttrends

Welche konkreten Auswirkungen die Pandemie auf die zukünftige Realisierung von Projekten haben wird, lässt sich nur schwer absehen. Vorstellbar ist aber beispielsweise, dass Investitionen in Büroflächen infolge des verstärkten mobilen Arbeitens nachlassen werden. Angesichts der deutlich gewordenen Störanfälligkeit internationaler Lieferketten sind höhere Investitionen und neue Bauprojekte in systemrelevanten Bereichen zu erwarten.

Building Information Modeling (BIM), Design&Build-Modelle, neue Bauverfahren und -stoffe sind nicht nur bei klassischen Hochbauten neue Wege, die beschritten werden. Sie schärfen das Risikobewusstsein der Baubeteiligten und legen damit eine komplette Absicherung des Bauprojektes nahe.

Auch bei klassischen Bau-, Montage- oder Infrastrukturvorhaben entwickelt sich die kombinierte Projektversicherung zum etablierten Standard. Kennzeichnend ist die einheitliche Struktur des Versicherungsschutzes. Sie umfasst den Bauherren, alle am Bau tätigen Haupt- und Subunternehmer sowie Planer, Architekten, Ingenieure und Sonderfachleute. Zudem werden die Interessen von Geldgebern und Investoren berücksichtigt.

Als Ergänzung und Weiterführung der Risikotransfers gibt es inzwischen auch auf dem deutschen Markt für Investoren die Möglichkeit, gewisse Gewährleistungsrisiken nach Projektfertigstellung zu versichern.

Dramatische Schadenfälle wie beispielsweise der Einsturz eines Terminals am Pariser Flughafen bringen klassische Versicherungslösungen inhaltlich oder kapazitätsseitig an ihre Grenzen. In der Gebäudeversicherung beispielsweise wird häufig auf konkrete versicherte Gefahren abgestellt, während bei Haftpflichtversicherungen begrenzte Deckungssummen und langwierige Haftungsprozesse zu Umfang und Höhe der Ersatzleistung zu beachten sind. Diese Lücken können mit einer IDI-Versicherung (Inherent Defect Insurance) geschlossen werden. Ein solcher Versicherungsvertrag deckt über einen Zeitraum von zehn Jahren Schäden infolge statischer Mängel ab. Weitere relevante Mängelkomplexe können einbezogen werden.

In Ländern wie den USA, Großbritannien und Frankreich wird dieser Weg schon länger verfolgt, teilweise ist er sogar gesetzlich vorgeschrieben. Insbesondere bei komplexeren Projekten nehmen Investoren die IDI-Versicherung in ihr Versicherungsportfolio auf. Neben dem weiteren Risikotransfer wird auch die hierfür erforderliche Beauftragung eines unabhängigen Sachverständigenbüros als weiterer Vorteil geschätzt – mit Blick auf den Verkauf eines Projektes wird nicht nur eine größere Kostensicherheit erreicht, sondern auch eine zusätzliche Qualitätssicherung.

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