Die Corona-Pandemie verschärft die angespannte Lage an den Versicherungsmärkten. Steigende Schadenaufwendungen der Assekuranz verstärken die ohnehin begonnenen Marktverhärtungen. Gleichzeitig erhöhen die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemiebekämpfung bei vielen Unternehmen die Notwendigkeit, Kostenbelastungen weiter zu reduzieren. Ein offener Dialog über individuelle Anpassungen wird unerlässlich.

Marktsituation

Derzeit lässt sich nicht seriös prognostizieren, wie sich die Schadenzahlungen der Assekuranz durch die Corona-Pandemie entwickeln werden. Dafür fehlt es noch an verlässlichen Zahlen. Lediglich einzelne Versicherer haben unter bestimmten Annahmen Schätzungen veröffentlicht. Im Mai bezifferte Lloyd’s einen zusätzlichen krisenbedingten Schadenaufwand in Höhe von bis zu 4,3 Mrd. US-Dollar – dies jedoch unter der Voraussetzung, dass die Lockdown-Maßnahmen nur bis Ende Juni anhalten. Global könnten die versicherten Corona-Schäden demnach auf bis zu 107 Mrd. US-Dollar klettern. Vor allem Versicherungen für Ausfälle von Veranstaltungen (Contingency-Deckungen) sind bereits durch erhebliche Zahlungen belastet.

107
Mrd. US-Dollar
könnten die versicherten Corona-Schäden weltweit ausmachen

Die infolge der Corona-Krise entstehenden Verluste einzelner Sparten wirken sich auch auf die Kapitalbasis der Versicherer insgesamt aus. Zudem werden die erhöhten Unsicherheiten durch Untersuchungen einzelner US-Bundesstaaten verstärkt. Dort wird geprüft, ob behördlich angeordnete Schließungen von Handel und Gewerbe nicht doch durch die in den Betrieben vorhandenen Sachschaden-/Betriebsunterbrechungsversicherungen gedeckt sein könnten. Betroffene Unternehmen haben diesbezüglich bereits, wie in Michigan, gegen ihren Versicherer geklagt. Eine erste Klage wurde bereits als unbegründet zurückgewiesen, was aus Sicht der Versicherungsgesellschaften positiv zu werten ist. Ebenfalls in diesem Zusammenhang ist die vor dem High Court in England anhängige Prüfung ausgewählter Bedingungen für Sach-/Betriebsunterbrechungsversicherungen zu sehen. Sollte entgegen der Versichererauffassungen festgestellt werden, dass Wordings sehr wohl Schutz für Betriebsschließungen zu bieten haben, hätte dies spürbare Auswirkungen auf sehr viele Versicherer.

Entgegengesetzt sind die Herausforderungen der meisten Unternehmen. In manchen Branchen wie Tourismus und Luftfahrt erreichen sie gar existenzielle Ausmaße. Der Internationale Währungsfonds erwartet eine globale Rezession in einem Umfang, wie sie die Welt bisher noch nicht durchlebt hat. In der Eurozone wird bis Jahresende beispielsweise mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von bis zu 8,7 Prozent gerechnet. Wann die wirtschaftlichen Aktivitäten wieder das Vor-Krisen-Niveau erreichen werden, lässt sich vorerst nicht abschätzen.

Sofern die US- oder auch UK-Entwicklungen die Kapitalbasis der Versicherer negativ beeinflussen, wird sich dies sicher auch auf die Assekuranz weit über die USA und UK hinaus auswirken.

Unternehmen sind aktuell und zukünftig gefordert, diese Herausforderungen bei der Gestaltung ihres Versicherungsschutzes zu berücksichtigen. Deshalb gilt es, mit den Versicherern individuell über Anpassungen bereits vereinbarter Prämien und Zahlungspläne zu sprechen und diese gegebenenfalls neu zu vereinbaren. Angesichts der in den Ausführungen über Kreditversicherungen erläuterten Zunahme von Insolvenzen werden die Versicherer die erhöhten Ausfallrisiken individuell bewerten und entscheiden. Gleichzeitig steigt bei vielen Unternehmen infolge der erwarteten Umsatz- und Ertragsrückgänge der Druck weiter an, die Versicherungskosten zu verringern. Bereits stattgefundene Vertragserneuerungen zeigen, dass intensive und inhaltlich sehr gut aufbereitete Verhandlungen mit den Versicherern notwendig sind. Als Reaktion auf Kapazitätsreduzierungen bei gleichzeitigen Prämienerhöhungen haben versicherte Unternehmen ihren Versicherungseinkauf deutlich verringert, um die absolute Höhe der Versicherungskosten zu begrenzen.

Ausblick

Die maßgeblich dominierenden Einflüsse der fortschreitenden Corona-Pandemie verbunden mit der Unsicherheit über die vielzitierte mögliche „zweite Welle“ erschweren es derzeit, verlässliche Prognosen zur weiteren Entwicklung der Versicherungsmärkte zu erstellen. Im Ergebnis ist in vielen Segmenten von einer weiteren Marktverhärtung auszugehen. Dies spiegelt sich in den folgenden Ausführungen der betreffenden Sparten wider.

Markttrends

Die Corona-Pandemie zeigt die Grenzen der Versicherbarkeit unternehmerischer Risiken auf.

Konsequenterweise wird mit Blick auf die künftige Absicherung von Pandemierisiken eine Absicherung in einem maximal großen Risikokollektiv intensiv diskutiert. Dies ist absolut zu befürworten und könnte zum Beispiel durch eine Kombination privatwirtschaftlicher Risikoübernahme und staatlicher Absicherung erreicht werden. So ließe sich nicht nur das eigentliche Pandemierisiko versichern. Gleichzeitig würden auch Wechselwirkungen mit weiteren Sparten zum Vorteil aller Beteiligten stark begrenzt, sodass der Versicherungsschutz viel besser geplant und kalkuliert werden könnte.