(Teil-)autonomes Fahren verändert Deckungen

Der Trend zum autonomen Fahren erhöht die Sicherheit, stellt aber Versicherer vor neue Haftungsszenarien. Unternehmen benötigen spezifische Deckungslösungen, um ihre Risiken im Zusammenhang mit der Lieferung von „Erzeugnissen“ wie z. B. Firm- und Software u. a. für Kraftfahrzeuge abzusichern. Dabei drohen sowohl haftungs- als auch versicherungsrechtliche Schnittstellen, die die Kosten für den Versicherungsschutz in der allgemeinen Haftpflichtversicherung (Produkthaftpflicht und Rückrufkosten) verteuern.

Zukünftig kann die fortschreitende Digitalisierung von Fahrzeugen dazu führen, dass sich die Absicherung des Schadenpotenzials sukzessive von der Kraftfahrt- auf die allgemeine Haftpflichtversicherung verlagern wird. Seit Mitte der 70er-Jahre hat sich der Haftpflichtversicherungsschutz um einzelne Deckungsbestandteile für reine Vermögensschäden erweitert. Dreh- und Angelpunkt dieser Erweiterungen waren die Aus- und Einbaukosten für mangelhafte Teile – auch im Zusammenhang mit dem Rückruf von Kraftfahrzeugen. Genau hier verändert sich die Deckungslandschaft.

Stufenweise übernehmen Fahrerassistenzsysteme die Kontrolle im Fahrzeug

Fahren in der Stadt*

Valet Parking*
(fahrerloses Parken)

Vollautomatisiert

Fahren auf
der Autobahn*

Staufolgefahren/
Fahren im Stau*

Hochautomatisiert

Schlüsselparken

Stauassistent

Parkmanöverassistent

Teilautomatisiert
2015
2020
2025
2030
Voraussichtliche Einführungszeiträume
Fahrfunktionen
Parkfunktionen

* Rechtliche Rahmengesetzgebung vorausgesetzt
Quelle: VDA

Bisher werden bei Fahrzeugmängeln defekte oder fehlerhafte Teile repariert oder ausgetauscht. Der vermehrte Einsatz von Fahrerassistenzsystemen führt dazu, dass Mängel nur beseitigt werden können, indem Softwarelösungen aktualisiert oder erneuert werden. Das schafft neue Haftungsszenarien. Hierfür muss die Assekuranz innovative Lösungen anbieten – wie es zum Beispiel mit der IT-bezogenen Tech E&O (Errors and Omissions Liability) gelungen ist.

Gleichzeitig sieht sich die Versicherungswirtschaft erstmals seit nahezu 20 Jahren gezwungen, das Prämienniveau in der industriellen Haftpflichtversicherung für bestimmte Risiken anzupassen, was zu Marktverhärtungen führt. Zwar steigt auf der einen Seite der Deckungsbedarf auf Kundenseite spürbar an, auf der anderen Seite fällt es aber den Versicherern aufgrund teilweise fehlender Erfahrungswerte schwer, Schadenpotenziale vollumfänglich einzuschätzen und Prämien für die dem Umfang und der Höhe nach notwendigen Deckungen adäquat zu kalkulieren. Die Folge: Deckungsumfänge und Kapazitäten werden im Gegenteil teilweise beschnitten, die Anforderungen für Risikoinformationen zugleich erhöht.

Unabhängig davon ist von einer Vereinheitlichung des Haftpflichtschutzes weiter nichts zu sehen. Ganz im Gegenteil. Neben der allgemeinen Haftpflichtversicherung gewinnt die Tech E&O an Bedeutung, während sich die Cyber-Versicherung bereits etabliert hat. Unternehmen werden daher verstärkt mehrgleisig fahren müssen. Diese Ausrichtung ist nicht ohne Risiken. Denn an den Deckungs-Schnittstellen wird es zu Doppelungen und Lücken kommen, die für Unternehmen im Schadenfall zu hohen Kostenbelastungen führen können. Beides zu vermeiden ist eine unserer zentralen Aufgaben auf dem Weg zum autonomen Fahren.

Versicherer begrenzen Kapazitäten, fordern aber mehr Transparenz