Das passiert im Jahr 2020

Von der weiter fortschreitenden Sanierung im Sachbereich über die Marktverhärtung in der Transportversicherung bis hin zu Verschärfungen, auf die sich Vorstände und Geschäftsführer einstellen müssen: Hier die Vorhersage für Bereiche, in denen sich Nennenswertes entwickeln wird.

Sachversicherung

Grundsätzlich ist eine Fortführung der Sanierungsmaßnahmen durch die Versicherer zu erwarten. Zwar hat im vergangenen Jahr die Anhebung der Prämien in Verbindung mit einer Reduzierung der Schadenaufwendungen insgesamt zu einer Verbesserung der Ertragssituation der Versicherer geführt. Ob und in welchem Umfang weiterhin Sanierungsmaßnahmen angestoßen werden, wird insbesondere davon abhängen, ob der jeweilige Versicherer sein Sanierungsziel erreicht hat bzw. ob die Maßnahmen überhaupt zur Verbesserung des eigenen Ergebnisses beigetragen haben.

Die Sanierung wird je nach Branche und Risikogruppe unterschiedlich ausfallen. Von höheren Preisen über erhöhte Selbstbeteiligungen bis hin zur Vereinbarung von Sicherheitsauflagen sind verschiedene Szenarien zu erwarten. Bei besonders kritischen Betriebsarten ist weiter mit einer Verengung der Zeichnungskapazitäten zu rechnen, insbesondere wenn der gewünschte Sicherheitsstandard noch nicht erreicht ist. In diesen Fällen sind nicht nur die internationalen Märkte oder Rückversicherungslösungen als Optionen denkbar, sondern es werden auch Formen der Eigentragung zunehmen. Insbesondere die jüngsten Großschäden bei Entsorgungsunternehmen haben dazu geführt, dass weitere Marktteilnehmer aus diesem Segment ausgestiegen sind.

Eine generelle Verbesserung der derzeitigen Marktsituation ist nicht zu erwarten, auch wenn die Zeichnungsbereitschaft von Sachrisiken bei einzelnen Versicherern aufgrund ihrer günstigen Ertragssituation wieder zunehmen könnte. Wesentliche Impulse können nur dann entstehen, wenn maßgebliche zusätzliche Kapazitäten in den deutschen Markt drängen sollten.

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D&O

In diesem Jahr ist mit einer weiteren Verhärtung des D&O-Marktes durch Prämienerhöhungen, Reduzierung von Kapazitäten sowie Bedingungseinschränkungen zu rechnen. Damit einher geht eine Verschärfung der Managerhaftung, z. B. durch die mögliche Einführung eines Unternehmensstrafrechts mit Bußgeldern von bis zu 10 % des Jahresumsatzes, den Erlass von Bußgeldern nach der neuen Datenschutzgrundverordnung sowie der Einführung einer EU-Sammelklage mit Schadenersatzkomponenten. Im Kontext des Cum-Ex-Skandals, US-Risiken, Cyber-Vorfällen, Insolvenzen und Folgen des Brexits ist mit weiteren haftungsrelevanten Entwicklungen zu rechnen.

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Warentransport

Die bereits erwartete Trendwende ist in den letzten vier Monaten des Jahres 2019 massiv eingetreten. Die Transport-Warenversicherer reagieren auf die sich seit vielen Jahren ansammelnden roten Zahlen in ihren Büchern und fordern im Schnitt nun höhere Prämien. Die Anpassungen der Bedingungen und Risikoausschlüsse mit entsprechenden Einschränkungen im Deckungsumfang sind weitere Folgen. Die Liste der Risiken, die von den Versicherern nicht mehr gezeichnet werden, wächst. Warendeckungen mit erheblichem stationärem Risikoanteil werden von immer weniger Versicherern angeboten. Eine Verlagerung der zu sanierenden Sachrisiken auf die Transportversicherung ist deswegen oft nicht mehr möglich. Auch die Transportversicherer fordern vermehrt Risikoinformationen wie Lager- und Besichtigungsberichte, bestehen auf eine risiko-adäquate Prämie oder lehnen diese Risiken prinzipiell ab.

Während die Zahl der Versicherer und die generelle Zeichnungsbereitschaft sinkt, nimmt die individuelle Risikobereitschaft (also die angebotene Zeichnungskapazität) ebenfalls ab. Versicherer ziehen sich in Teilen oder ganz aus Beteiligungen zurück oder machen Beteiligungsangebote zu schlechteren Konditionen als der Führungsversicherer. Für das internationale Programmgeschäft stehen weniger potenzielle Führungsversicherer zur Verfügung.

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Technische Versicherungen

Eine generelle Preiserhöhung ist in den Technischen Versicherungen nicht zu erwarten. Allerdings ist in der Bauleistungsversicherung weiter von steigenden Prämien auszugehen. Außerdem werden die Versicherer für Verträge, die eine hohe Schadenquote aufweisen, noch konsequenter die Preise und Selbstbehalte erhöhen oder die Bedingungen einschränken. Die Platzierung von hohen Risiken, wie z. B. Tunnel, Offshore-Anlagen oder Gasturbinen, bleibt eine Herausforderung. Zudem beeinflusst die umweltpolitische Diskussion das Zeichnungsverhalten der Versicherer bei Kohlekraftwerken.

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