Internationale Geschäftsreisen auf dem Prüfstand

Die letzten zwei Jahre haben die Arbeitswelt nachhaltig verändert. Das betrifft insbesondere internationale Geschäftsreisen und Entsendungen, die von Unternehmen im Hinblick auf Nachhaltigkeit, politische Unruhen und Kosten neu bewertet werden. Gleichzeitig stehen Arbeitgeber vor der Herausforderung für die Sicherheit und das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden zu sorgen. Was bedeutet diese Entwicklung für Unternehmen? Vor welchen Verpflichtungen stehen Arbeitgeber heute und wie kann die internationaler Mobilität in der Arbeitswelt zukünftig aussehen? Der Aon Mobility Report 2022 gibt Antworten.

Braucht es internationale Geschäftsreisen noch?

Eine Frage, deren Beantwortung nach nunmehr gut zwei Jahren Corona-Pandemie, politischen Unruhen wie dem Krieg in der Ukraine und instabilen Lieferketten noch immer nicht leicht fällt. Während der europäische Geschäftsreiseverkehr im zweiten Halbjahr 2021 einen leichten Aufschwung erfuhr, gingen vor allem jene Mitarbeitende aus Vertrieb und Management wieder auf Reisen, die vom persönlichen Kontakt und dem Vertrauen zu den Kunden leben und diesem allein virtuell nur schwer gerecht werden können.

Die Sicherheit und das Wohlbefinden von Mitarbeitenden stellen Arbeitgeber bei der Entscheidung für und wider eine Geschäftsreise dabei vor die größten Herausforderungen. Standen vor der Pandemie noch Sicherheitsrisiken wie Terrorismus und Naturkatastrophen im Fokus, drehte sich der Schutz reisender Arbeitnehmender in den vergangenen zwei Jahren vor allem um die mit der Pandemie verbundenen medizinischen Risiken. Länderspezifische Einreisebeschränkungen, Impfprogramme und Quarantänebestimmungen erschwerten die Organisation jeder einzelnen Geschäftsreise.

Nun, da die mit der Pandemie verbundenen Risiken weniger besorgniserregend erscheinen, überdenken viele Unternehmen ihren Umgang mit Geschäftsreisen erneut. Zweifellos bietet das Reisen für einige Unternehmensbereiche einen echten Mehrwert und wird trotz der neu entstandenen virtuellen Möglichkeiten seinen Bestand haben. So wird bei der Beurteilung, ob eine Reise als notwendig erachtet wird oder nicht, zukünftig der Return on Invest übergreifend an erster Stelle stehen. Er misst den tatsächlichen Wert einer Reise für ein Unternehmen, den messbare Nutzen und die Möglichkeit, diesen Nutzen gegenüber den internen Interessengruppen nachzuweisen. Sich aller Risiken internationaler Mobilität bewusst zu sein und Mitarbeitenden bestmöglichen Schutz zu bieten, ist und bleibt für Arbeitgeber dabei von grundlegender Bedeutung. Das geht aus der Befragung von mehr als 300 Unternehmen weltweit deutlich hervor.

Lokal statt global: Rückgang internationaler Entsendungen

Ähnliche Risiken sehen Arbeitgeber bei internationalen Entsendungen. Während diese grundsätzlich als Chance bewertet werden, einen größeren Markt zu bedienen, ausländische Produktionskanäle zu nutzen und internationale Talente zu rekrutieren, zeichnete sich hier in den vergangenen zwei Jahren ein deutlicher Rückgang ab. Neben den bekannten Sicherheitsrisiken sind es vor allem das Wohlbefinden sowie die körperliche und mentale Gesundheit der Entsendeten, die Arbeitgeber vor die größten Herausforderungen stellt. Auch die Fähigkeit, mit entsendeten Arbeitnehmenden zusammenzuarbeiten und sie anzuleiten sowie die Einhaltung von Gesetzen und Vorschriften wurden häufig als entscheidende Gründe angegeben, ob eine Entsendung umgesetzt wird.

Auch wenn grundsätzlich davon auszugehen ist, dass Arbeitgeber das Vertrauen in das Reisen und Leben im Ausland wiedergewinnen und die Entsendungen von Mitarbeitenden vorsichtig wiederaufnehmen werden, so hat die Pandemie viele Unternehmen zu einem Überdenken ihrer Entsendungspolitik bewegt. Viele Arbeitgeber setzen inzwischen auf Qualität statt auf Quantität und konzentrieren sich auf die Suche nach lokalen Talenten. Ein Anstieg der Zahl internationaler Entsendungen ist daher vorerst nicht zu erwarten. Nicht zuletzt auch, weil der Trend zum hybriden Arbeiten hier neue Türen geöffnet hat.

Internationales Remote Working als die neue Art, Talente zu gewinnen und zu halten

Beschränkte sich die Mobilität in der internationalen Arbeitswelt zuvor primär auf Geschäftsreisen und Entsendungen, eröffneten sich mit dem Remote Working neue Perspektiven der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Arbeitgeber haben in den letzten zwei Jahren gleichzeitig die Vorteile der Fernarbeit kennen und schätzen gelernt. Auch zukünftig wollen fast 60 Prozent der Arbeitgeber dem Bedürfnis vieler Mitarbeitenden gerecht werden, flexibel von jedem Ort der Welt arbeiten zu können und so zu einer bestmöglichen Work-Life-Balance sowie einer resilienteren Belegschaft beitragen.

Trotz genannter Vorteile birgt die internationale Fernarbeit in vielen Bereichen die gleichen Risiken und Herausforderungen, die im Zusammenhang mit Geschäftsreisen oder Entsendungen zu beobachten sind. Risiken, die ebenfalls einer Anpassungen an die aktuellen Anforderungen bedürfen. Hierzu zählen beispielsweise die Einhaltung von Vorschriften oder der Umgang mit Steuern, Compliance und  Sozialversicherung. Auch die Frage, wie sich hybrides Arbeiten auf die Unternehmenskultur auswirkt, beschäftigt viele Arbeitgeber. All dies erfordert klare Richtlinien und Anweisungen, um die damit verbundenen Risiken zu reduzieren. Richtlinien, die fast 40 Prozent aller Arbeitgeber noch nicht definiert haben, was im Ernstfall enorme Folgen haben kann.

Von der „Duty of Care“ zur „Culture of Care“

Durch die Förderung einer Kultur, in der reisebezogene Risiken ernst genommen werden, angemessene Ressourcen bereitgestellt und diese effektiv verwaltet werden, kann es Arbeitgebern gelingen ein Umfeld zu schaffen, von dem sowohl Mitarbeitende als auch das Unternehmen selbst profitieren. Rechtliche und finanzielle Risiken können reduziert werden, während die Reputation und Produktivität des Betriebes gleichzeitig gestärkt werden.

Wenn auch Sie Ihre eigene internationale Mobilitätspolitik überdenken wollen oder der Bericht Ihnen Herausforderungen vor Augen geführt hat, die Sie im Kontext internationaler Geschäftsreisen, Entsendungen oder Fernarbeit angehen möchten, fühlen Sie sich jederzeit frei, Ihren Ansprechpartner bei Aon oder Ihren IPM-Experten zu kontaktieren.

Tipp: Im Rahmen der Online-Seminarreihe „Rising Resilient“ von Aon fand kürzlich auch ein Online-Seminar zum International Mobility Report statt. Wenn Sie tiefer in die Thematik einsteigen möchten, können Sie sich das Recording Von der „Duty of Care“ zur „Culture of Care“ – Der schmale Grat zwischen Muss und S(innv)oll über Ingo Trosiner anfragen.

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Ingo Trosiner
Head of International People Mobility | Health Solutions | Aon
+49 208 7006-2171