Doing Business in China – Interkulturelle Zusammenarbeit erfordert Offenheit

Am heutigen Tag der kulturellen Vielfalt möchten wir uns mit dem Thema der interkulturellen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und China beschäftigen. China gehört zu den derzeit am schnellsten wachsenden und sich entwickelnden Ländern weltweit und bietet einen Markt, der für deutsche Unternehmen immer interessanter wird. Denn in den vergangenen Jahren hat sich China für uns vom einst reinen Produktionsland vor allem zum Innovationsland gewandelt. Doch der chinesische Markt ist umkämpft. Wer hier Fuß fassen will, muss sich mit den Besonderheiten des Landes auseinandersetzen und offen für eine zunächst fremde Kultur sein. Unternehmen, die sich aber erst einmal am chinesischen Markt etabliert haben, profitieren von langfristigen, freundschaftlichen und intensiven Geschäftsbeziehungen.

Doch wie wird die interkulturelle Zusammenarbeit zum Erfolg? Ein Thema, mit dem sich der Aon China Desk täglich auseinandersetzt und gut auskennt. Ein Team aus chinesischen und deutschen Experten berät hier deutsche und chinesische Unternehmen im Rahmen ihrer Geschäftsabschlüsse und begleitet sie während der Zusammenarbeit.

Lydia Englberger ist kürzlich als Expertin zum China Desk gekommen und ergänzt das Team mit ihrem umfassenden kulturellen Know-how und persönlichen Erfahrungen. Die studierte Sinologin und Betriebswirtin hat viel Zeit im asiatischen Raum verbracht und spricht unter anderem fließend Mandarin. Im Interview gibt sie Tipps, wie „Doing Business in China“ gelingt.

Geht es um interkulturelle Zusammenarbeit, wird immer wieder die Wichtigkeit von interkultureller Kompetenz betont. Was bedeutet diese für Sie?

Lydia Englberger: Interkulturelle Kompetenz zeichnet sich für mich aus durch Empathie, Toleranz und Respekt. Wenn dann noch ein Quäntchen Aufgeschlossenheit und Neugier dazukommen, ist der Grundstein für eine erfolgreiche Kommunikation gelegt. Wichtig ist, zuzuhören und auch mal die Perspektive zu wechseln.

Wie können wir uns Ihre Arbeit am China Desk vorstellen?

Lydia Englberger: Ich bin seit April als Business Developer beim China Desk und eigentlich in allen Bereichen involviert. Unser Team besteht aus deutschen und chinesischen Kollegen, die von verschiedenen Standorten aus arbeiten, was auch bei uns intern eine interkulturelle Zusammenarbeit über räumliche Grenzen hinweg voraussetzt. In meiner Rolle bin ich im strategischen Bereich tätig, bereite Gespräche und Dokumente für chinesische Kunden vor, unterstütze bei M&A-Geschäften, vermittle zwischen der deutschen und chinesischen Kultur, bin bei Kundengesprächen – manchmal auch als Übersetzerin – dabei und habe natürlich das Ziel, das Aon-Geschäft im Zusammenhang mit China mit meinen Kollegen weiter auszubauen.

Was müssen deutsche Unternehmen bei der Zusammenarbeit beachten?

Lydia Englberger: In China sind Beziehungen und Netzwerke unglaublich wichtig, dafür gibt es mit Guanxi sogar eine eigene Bezeichnung. Vor jedem Geschäftsabschluss steht das persönliche Kennenlernen und der Vertrauensaufbau. Für deutsche Unternehmer mag dies erst einmal fremd erscheinen oder banal klingen. Doch wer sich hier gleichgültig verhält oder diesen Schritt überspringt, kann das Zustandekommen des Geschäfts nachhaltig gefährden. Dabei gilt es auch, ganz einfache Dinge zu beachten und sich zunächst intensiv über bestimmte Eigenheiten und Bräuche zu informieren. So muss man beispielsweise wissen, dass Chinesen sehr direkt sind und auch gerne über das für uns Deutsche Tabu-Thema Geld offen reden. Hierauf sollte man vorbereitet sein und sich nicht auf den Schlips getreten fühlen. Auch der Humor ist anders und darf nicht als unhöflich verstanden werden.

Sicherlich informieren sich auch die Chinesen über unsere Kultur. Was schätzen sie an uns Deutschen?

Lydia Englberger: Es dürfte nicht überraschen: Wir Deutschen sind berühmt für unsere Pünktlichkeit und Genauigkeit, die Qualität und Lebensdauer unserer Produkte sowie für unsere Autos und den Fußball. Alles Dinge, die uns bei den Chinesen sehr beliebt machen.

Was sind die größten Herausforderungen in der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit?

Lydia Englberger: Neben der sprachlichen Barriere ist das vor allem die rasante Entwicklung Chinas. Hier gilt es, am Ball zu bleiben und sich stetig zu informieren. Auch ich staune immer wieder, wenn ich nach einer gewissen Zeit nach China zurückkomme, wie sich alles verändert hat. Insbesondere die digitalen Fortschritte sind hier beachtlich. Bereits vor Jahren setzte sich in China das mobile Payment, also das Bezahlen mit einem mobilen Endgerät, durch. Die Kreditkarte wurde dabei fast vollständig übersprungen, und wer heute noch mit Bargeld zahlen möchte, wird oftmals schräg angeschaut. Auch Online-Shopping spielt eine ganz andere Rolle – Gamification, Live-Streaming und integrierte Einkaufserlebnisse mit Augmented Reality sind hier Schlüsselbegriffe. Auf solche Dinge sollte man vorbereitet sein. Und natürlich stellt auch die Corona-Krise eine ganz besondere Herausforderung dar. Zum einen fallen persönliche Kontakte über Dienstreisen derzeit fast vollständig weg, was für die Chinesen äußerst wichtig ist. Zum anderen hat sich China sehr schnell von der Krise erholt, während wir in Europa noch ziemlich mit den Folgen kämpfen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die wirtschaftliche Situation beider Märkte in den nächsten Jahren entwickelt.

Zum Abschluss: Welchen Tipp würden Sie im Vorfeld eines ersten interkulturellen Kennenlernens geben?

Lydia Englberger: Das Wichtigste an der chinesischen Kultur ist es, das Gesicht des Gegenübers zu wahren. Höflichkeit und Respekt sind daher das A und O, um Vertrauen aufzubauen. Dies gilt meiner Meinung nach für jegliche Form der Zusammenarbeit. Dazu gehört auch, sich über Traditionen oder Verhaltensweisen aus der anderen Kultur zu informieren. Stäbchen sollten zum Beispiel beim Geschäftsessen mit chinesischen Partnern nicht in den Reis gesteckt werden, beim Anstoßen sollte ich mein Glas aus Respekt etwas niedriger als das meines Gegenübers halten. Visitenkarten sollten immer mit beiden Händen entgegengenommen und vor dem Wegstecken interessiert betrachtet werden. Ist das Vertrauen dann erstmal da, steht der erfolgreichen Zusammenarbeit nichts mehr im Weg.


Zur Person:

Lydia Englberger hat Sinologie und BWL studiert und konnte bei zahlreichen Aufenthalten in Peking, Shanghai oder Taiwan während und nach dem Studium umfassende Erfahrungen aus erster Hand sammeln. Andere Kulturen und Sprachen haben sie schon immer interessiert und so gewann sie durch einen Sprachwettbewerb insgesamt drei Reisen nach China.

Lydia Englberger auf
der chinesischen Mauer

Dabei hat sie auf diversen chinesischen Bühnen gestanden und chinesische Lieder gesungen, wie zum Beispiel vor 2.000 Menschen im Rahmen der Auftaktveranstaltung zur Konfuziusinstitutkonferenz auf dem Olympiagelände in Peking mit Übertragung ins nationale Fernsehen oder aber in einem Shanghaier TV-Studio und einer Live-Radiosendung von Radio China International. Beeindruckende Erfahrungen, die sich ausgezahlt haben, denn heute kann sie nicht nur Dolmetschen und Unternehmen beider Länder dabei unterstützen, eine Brücke zwischen den Kulturen zu schlagen, sondern sogar auf Chinesisch rappen. Bevor Lydia Englberger mit ihrer herausragenden Expertise das Team am Aon China Desk bereichert hat, war sie bereits fast fünf Jahre in der Versicherungsbranche in verschiedenen Positionen bei einem deutschen Industrieversicherungsmakler als Kundenberaterin eines China Teams, Account Managerin International sowie Projektmanagerin im Bereich China Corporate Business tätig.

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Lydia Englberger
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