Digitale Transformation: Unternehmenskommunikation und Führungskultur im Wandel

Unternehmen, die heute und in Zukunft im Wettbewerb bestehen wollen, benötigen sowohl eine globale als auch eine digitale Identität. Davon ist Ines Gensinger von der Stiftung Global Legal Entity Identifier (GLEIF) überzeugt. Denn die Digitalisierung ist im Arbeitsalltag angekommen und beeinflusst sämtliche Bereiche zunehmend. Die Covid-19-Pandemie war dabei ein Katalysator, der den Wandel zusätzlich beschleunigt hat. Doch Digitalisierung muss als Chance betrachtet werden, denn mit den digitalen Entwicklungen gehen vielversprechende Potenziale für effizientere Arbeitsprozesse einher.

Als Head of Global Corporate Communication verantwortet Ines Gensinger die globale Unternehmenskommunikation von GLEIF. Ihr Aufgabenspektrum ist vielfältig: Mit Kommunikations-Kampagnen wie zum Beispiel Simplifying Legal Entity Identification in the Digital Age hat sie einen großen Gestaltungsspielraum. Auch Themen wie Blockchain, Distributed Ledger Technology oder Industrie 4.0 begleiten sie in ihrer täglichen Arbeit. Darüber hinaus spielt auch der Austausch mit Regulierern und Regierungen weltweit – aktuell mit Schwerpunkten bei der Europäischen Kommission und US-Behörden zum Thema Identitätsmanagement im digitalen Zeitalter – eine zentrale Rolle.

Als ehemaliger Head of Business and Consumer Communications bei Microsoft Deutschland zieht sie auch in ihrer aktuellen Position ihre Motivation neben der strategischen (Marketing-)Kommunikation nach wie vor aus der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Teams und der Kommunikationsabteilung.

Im Interview erklärt Ines Gensinger, welche Bedeutung die Digitalisierung ihrer Einschätzung nach für die globale Arbeitswelt hat, welche Anforderungen mit ihr einhergehen und wie die Bereiche Unternehmenskommunikation und Human Resources von den Entwicklungen profitieren können.

Inwiefern verändert die Digitalisierung die Industrie und Ihre Stiftung?

Ines Gensinger: Genau wie in der physischen Welt sind Vertrauen und Transparenz für die Abwicklung von Geschäften in einem digitalen Wirtschaftsumfeld unabdingbar. Alle Akteure in der globalen Lieferkette müssen darauf vertrauen können, dass die Person oder Organisation, mit der sie interagieren, diejenige ist, für die sie sich ausgibt. Identitätsmanagement ist das Herzstück des digitalen Wandels und Herzstück unserer Aufgabe als Non-Profit Organisation. GLEIF stellt den Global LEI Index bereit – die weltweit einzige Online-Quelle, aus der jeder Einzelne offene, standardisierte und hochwertige Referenzdaten über Rechtsträger beziehen kann. Unser Ziel ist, dass jedes Unternehmen weltweit eine einzige globale und digitale Identität besitzt.

Das digitale Identitätsmanagement wird jedoch zunehmend von einem Silodenken beherrscht, und es besteht die Gefahr, dass proprietäre Plattformen und Lösungen Innovationen behindern und Nutzer frustrieren. Kürzlich sind wir daher der Trust-over-IP (ToIP)-Foundation beigetreten, um mit einem globalen Standard gemeinsam mit Unternehmen wie Accenture, Evernym, IBM Security oder Mastercard digitales Vertrauen zu fördern. Die branchenübergreifende Initiative soll einen globalen Vertrauensstandard für Unternehmen und Verbraucher schaffen, um einen vertrauenswürdigen Datenaustausch und die Überprüfung von Daten zwischen zwei beliebigen Parteien im Internet zu ermöglichen. Zukünftiger wirtschaftlicher Erfolg hängt von unserer gemeinsamen Fähigkeit ab, einen globalen Standard für digitales Vertrauen zu schaffen.

Inwiefern verändert die Digitalisierung die Corporate Communication?

Gensinger: Heutzutage müssen Unternehmen digitale Kanäle bedienen, um mit Medien, Kunden und Interessenten in Kontakt zu bleiben und den Anschluss an die gewünschten Zielgruppen nicht zu verlieren. Hierzu zählen Blogs, Online-Foren, Facebook, WhatsApp, LinkedIn, Twitter, Snapchat, die Unternehmenswebsite, Videos usw. Externe Kommunikation wird immer mehr zu einer 24/7-Kommunikation, da auf den digitalen Kanälen auch die Zielgruppen „always-on“ sind.

Auch innerhalb von Unternehmen hat eine Veränderung im Bewusstsein stattgefunden – ein interner digitaler Austausch in der Unternehmensorganisation wird von vielen MitarbeiterInnen mittlerweile vorausgesetzt. Digitale Kommunikation in Unternehmen nimmt weiter zu und das tägliche Arbeiten wird sich so auf lange Sicht noch spürbar verändern.

Corporate Communication kann sich hier als Motor für die Digitalisierung im Unternehmen positionieren. Collaboration-Tools und eine Cloud als zentraler Schlüssel ermöglichen das ganz ohne Abstriche in Sachen Produktivität, Informationsfluss und Zusammenarbeit. Technologie ist allerdings kein Selbstzweck. Vielmehr müssen kultureller und technologischer Wandel immer Hand in Hand gehen. Es ist vor allem eine starke Unternehmenskultur, in der Mut und Kreativität, Neugier und Teamarbeit gefördert werden, die die digitale Transformation zum Erfolg führt.

Wenn Sie 10 Jahre in die Zukunft schauen könnten, wie würde der Bereich Human Relations (HR) der Zukunft aussehen?

Gensinger: Die neue und auch die zukünftige Arbeitswelt wird geprägt sein von stetigem Wandel, oft getrieben durch Technologie. Neue Herausforderungen prasseln permanent auf Manager und Mitarbeiter ein. Das ist ein Trend, der sich weiter verstärken wird. Dennoch arbeitet die Mehrheit der Informationworker heute, wie vor 50 Jahren: In eher starren Hierarchieebenen, wo der Chef allein die Richtung vorgibt, ein Austausch zwischen Abteilungen oder anderen Unternehmen selten stattfindet und Homeoffice argwöhnisch betrachtet wird – zumindest war das vor COVID-19 so.

Die Logik des Arbeitsmarktes kehrt sich nunmehr um und firmiert unter dem Slogan Jobs follow People. Dabei werden starre Hierarchien aus den letzten Jahrzehnten zum Bremsklotz. Wer Digitalisierung sagt, sollte auch Digital Leadership sagen. Der Begriff steht für eine neue Führungskultur innerhalb der digitalen Transformation und nicht für einen Führungsstil, der allein die Technologie in den Fokus stellt. Führung in Form von Führungskräftekommunikation, Mitarbeiterkommunikation aus der internen Perspektive und aus der Außenschau in Form von Employer Branding gehören bereits heute zur Königsdisziplin im Human Resource-Management und sollten in zehn Jahren eine noch höhere Exzellenz und Selbstverständlichkeit erreicht haben. Das gilt für Konzerne ebenso wie für Start-ups und mittelständische Unternehmen über alle Branchen hinweg. HR hat sich idealerweise auch als Enabler der Führungskräfte als Digital Leader aufgestellt. Digital Leadership ist und wird vor allem eine Kulturfrage sein. Führungskräfte, die die digitale Transformation erfolgreich meistern wollen, müssen ihr gesamtes Mindset neu aufstellen und gemeinsam mit HR an einer digitalen Unternehmenskultur arbeiten.

Und: die digitale Transformation ist kein Prozess, der in zwei oder zehn Jahren abgeschlossen ist. Offenen Plattformen und evolutionären Organisationsformen gehört die Zukunft – und doch können wir nicht voraussagen, wie die Arbeitswelt 2030 aussehen wird. Sicher ist nur, dass der stetige Wandel Flexibilität zum höchsten Gut macht, das von allen Beteiligten und an jeder Stelle erwartet wird. Von den MitarbeiterInnen den Führungskräften und auch bei den Arbeitsbedingungen.


Über GLEIF   

Die Global Legal Entity Identifier Foundation (GLEIF) wurde im Juni 2014 vom Financial Stability Board mit dem Auftrag gegründet, die Implementierung und den Einsatz des Legal Entity Identifiers (LEI) zu fördern. Die Stiftung erhält Unterstützung vom LEI Regulatory Oversight Committee und untersteht dessen Aufsicht. Letzteres wird von Behördenvertretern aus aller Welt gebildet, die gemeinsam die Transparenz auf den weltweiten Finanzmärkten verbessern wollen. GLEIF ist eine supranationale gemeinnützige Organisation mit Hauptsitz in Basel, Schweiz. GLEIF stellt den Global LEI Index bereit – die weltweit einzige Online-Quelle, aus der jeder offene, standardisierte und hochwertige Referenzdaten über Rechtsträger beziehen kann.

Wenn Sie weitere Informationen und Insights zu unseren Marktforschungen oder aktuellen Vergütungstrends erfahren möchten, schreiben Sie uns gerne eine Mail an: rewards-solutions@aon.com.

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Ian D. Karcher
Associate Partner Central Europe Aon / Consulting / Human Capital Solutions
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